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70 Jahre SPIEGEL: "Wir haben gefeiert, dass die Heide wackelte"
Heinz Egleder

Leo Brawand war SPIEGEL-Redakteur der ersten Stunde. Im Interview erinnerte er sich an die Gründerjahre, als die "ganz jungen Bubis" auf Gartenstühlen saßen und kaum Papier hatten - aber alles neu und besser machen wollten.

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Ingo Meyer 05.01.2017, 09:50
1. Ich gratuliere zum Geburtstag!

Ich bin Jahrgang 1942 und mit meinen Eltern zusammen als mittelloser Zonenflüchtling in Niedersachsen aufgewachsen. So etwa mit 22 Jahren habe ich nicht mehr auf meine Eltern gehört und als Mechaniker angefangen den SPIEGEL zu lesen. Für mich, der ich nur die einfache Werkstattsprache kannte, war das auch Sprachbildung. Der SPIEGEL weckte auch mein geschichtliches Interesse, das bis heute anhält. Es war der SPIEGEL, der mir den Mut machte, auf der Abendschule das Abitur nachzuholen. Dann gab es kein halten mehr. 4 Jahre später war ich Dipl.-Ing. Während meines Studiums habe ich den Spiegel aus Zeitgründen nicht gelesen. Aber nach dem Studium nahm ich die Spur wieder auf. Ganz besonders dankbar bin ich dem Spiegel-Verlag für die Nutzungsmöglichkeiten des Archivs. Ich bin SPON-Nutzer der ersten Stunde. Ich begrüße die Auspreisung vieler Artikel über LATER PAY, weil nur über Nutzerbeiträge die Qualität der journalistischen Leistung gehalten werden kann. Altersgemäss bin ich oft andere Meinung, als SPON. Ich lese auch andere Zeitungen. Aber SPON ist anregend - und das dient den grauen Zellen meines inzwischen alten Kopfes. Übrigens hatte mein Vater vor 55 Jahre doch in vielem recht. Nur erkennt man dies erst als Älterer. Ich denke, manchem SPIEGEL/SPON-Redakteur geht das ähnlich. Ich wünsche diesem "Scheissblatt" noch eine lange Zukunft!

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Karlheinz Pritzl 05.01.2017, 09:55
2. Glückwunsch. ....

Ohne den Spiegel wäre so manche Affäre unter den Tisch gekehrt worden. Deshalb: Weiter so und nicht locker lassen. Unsere Demokratie braucht Euch!

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ulrich joisten 05.01.2017, 10:28
3. das Scheissblatt

begann ich 1967 als 14-jaehriger zu lesen und lese es heute noch. es hat mir unendlich viel gegeben, dafür mein Dank. bleibt weiter am puls der Zeit, ihr werdet mehr denn je gebraucht.

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Marten Benjes 05.01.2017, 11:06
4. Vielen Dank!

Wer sich ein Wenig mit der Auslandspresse beschäftigt wird feststellen, dass ein Magazin wie der Spiegel nicht so leicht zu finden ist. Erst dann wird einem klar, wie wertvoll unsere Presselandschaft ist. Der Spiegel hat in unvergleichlich hohem Maß dazu beigetragen. Das ist einen beachtlichen Dank wert.

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Alexander Klein 05.01.2017, 11:31
5. Alles gute zum Geburtstag

Mein Geburtstagsgeschenk: Ich deaktiviere den Ad-Blocker für spiegel.de dauerhaft.

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Guenther Diercks 05.01.2017, 12:00
6. Früher war mehr Lametta

Ob Spiegelaffäre oder Ostpolitik, der Spiegel hat in der Vergangenheit den Regierenden kräftig die Leviten gelesen. Auch in der Vergangenheit gab es in Deutschland, besonders in einigen Bundesländern, regierungsnahe Presseorgane. Stets war der Spiegel auf der Seite des Teils der Bevölkerung, der den Plural der Meinungen schätzte. Das ging manchmal auch besonnenen, demokratischen Politikern, wie Willy Brandt zu weit. Für diese Haltung allen beteiligten Redakteuren ganz herzlichen Dank. Leider ist diese Zeit mit dem Abgang von Stefan Aust zu Ende gegangen. Der intollerante, belehrende Stil, der derzeit im Spiegel/SPON herrscht, widerspricht dem Motto Rudolf Augsteins:" Berichten, was ist." Schade.

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05.01.2017, 12:18
7. Zu einer Zeit...

...als 'Spießer' das schlimmste Schimpfwort auf dem Schulhof war, begann ich den SPIEGEL zu lesen. Von der Schulleitung misstrauisch beäugt, galt es schon als subversiv, das Magazin am Montagmorgen demonstrativ unter den Arm geklemmt mit in den Kalssenraum zu tragen, während sich die Mitschüler noch kichernd über ihre 'Bravo' beugten.

Die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen, die Schimpfworte; der SPIEGEL reflektiert immer weiter das Weltgeschehen. - Danke!

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ulf grenzius 05.01.2017, 14:13
8. Ja, ja, die Heide hat (!) gewackelt

Das ist leider das Partizip Perfekt, das den SPIEGEL seit der großen Identitätskrise ausmacht. Tatsache ist, dass er schon lange nichts mehr zum Wackeln bringt, außer intern, wenn's sonst keiner merkt. Das schwere, im Zweifel linke Sturmgeschütz der Demokratie, wirkt seit dem großen Streit zwischen Augstein und Böhme, der Etablierung des (nun wirklich entbehrlichen) FOCUS, wie eine loose cannon, die von der Dünung des Zeitgeistes mal hier hin, mal nirgendwo hin über Deck gerollt wird. Sie treiben - ähnlich wie die ZEIT - als Flaneur des Zeitgeistes, aufrecht gehalten von den Energieleitungen der Erinnerung, die wir Nostalgie nennen. Sicher, Ihr Nachrichtenapparat ist wohl einer der besten der Welt. Aber was ist mit Haltung, Tabubruch, Mut, Contra? Reden wir von SPON: Es ist doch eine zusätzliche Verdummung der bemitleidenswerten Ramschabiturienten, wenn Sie den notorisch intellektuell überforderten Jacob A. gegen den notorisch profilneurotischen Jan F. antreten lassen und so glauben, Ihre tapfere Offensive gegen nun wirklich alle Seiten zu manifestieren, als Haltung quasi. Der SPIEGEL - war er nicht mal das Medium, das man montags in der Mensa leicht zur Tasche raushängen ließ, um zu sagen: Hey, ich gehöre auch zu denen, die analyse- und theoriefähig sind. Tatsachen, Wirklichkeit, Phänomene - alles nur Substrate der Erkenntnissuche, der mal mehr mal weniger geistreichen Spekulation, der ewig vergeblichen Jagd nach der Struktur hinter dem Offensichtlichen. Dafür war der SPIEGEL jeden Montag das Emblem, unser SPQR. Tempi passati. Wenn TAZ und BILD, CICERO und SPIEGEL, quasi alle, in den allerwesentlichsten Fragen dieser Zeit: Europa, die Abgehängten, Globalisierung, Finanzfeudalismus, Turbokapitalismus, Migration, Islamophilie, Konvergenz der Kulturen - wenn sie alle im selben Sandkasten spielen und sich nur noch um Schäufelchen und Eimerchen streiten - dann sind sie alle entbehrlich. Auch der SPIEGEL. Und dass von den anderen keiner einen Deut besser ist, rechtfertigt nichts! Trotzdem: Noch immer irgendwie und mit verheulten Augen, weiß der Teufel warum: Glückwunsch!

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Regina Bernat 05.01.2017, 16:15
9. Alles Gute für den Spiegel und SPon.

Oh wie schade, ist der fred schon wieder geschlossen?
Schade auch, daß das Forum hier im SPon so nachgelassen hat....

WIE gerne wünschte ich mir solche Berichte wie diesen, von den Anfängen der BRD, von einstigen Idealen, von Kräften, die noch bewegen konnten,....
Wenn es gilt, das Blatt weitere 70 Jahre getragen zu sehen, müssen diese Kräfte angesprochen werden, darf ein neues Ziel genannt, eine Zukunft geschildert werden. HER mit den Utopien!
Sie müssen jedoch einigermaßen glaubhaft vertreten werden und dürfen nicht nach Honig schmecken, denn das merken die alten und jungen Haudegen der Republöik immer noch, wenn sie an der Nase herumgeführt werden sollen.

Viel Glück!

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