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Als Tante Emma verschwand
Ernst Pelzing 12.01.2010, 16:54
1.

Versorgung über Tante-Emma-Läden bedeutete persönliches Verhältnis. Der Laden war um die Ecke, man kannte sich. Die Palette an Nahrungsmitteln war zwangsläufig bescheiden. Doch es gab was! Nach dem Krieg ein deutliches Aufwärts.
In bleibender Erinnerung: die Brotversorgung. Es gab Maisbrot! In aller Herrgottsfrühe musste ich 'raus, um bei Bäcker Kötting auf der Bochumer Drusenbergstraße anzustehen, mich in die Schlange einreihen. Doch die Mühe wurde belohnt. Noch ofenfrisches Maisbrot, eine Delikatesse.

Ernst Pelzing

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Ferdi Keuter 31.01.2011, 10:23
2.

Als es Tante Emma noch gab

Wir haben gerade bei einer Autofahrt durch unsere nahe Heimat eine alte Fassade gesehen, hinter der sich vor vielen Jahren ein ?Tante Emma Laden? befand. Ein damals durchaus Gewinn bringender Lebensmittelladen unter der Leitung eines ?frommen Fräuleins?. Ihre Gespräche handelten von montags bis mittwochs von der letzten Predigt des Pfarrers und an den folgenden Tagen vom ?bevorstehenden Fest am nächsten Sonntag?.

Eine Nachbarin von uns war ihre beste Freundin. Einmal im Monat sah sich diese auch verpflichtet, bei ?Maria? einzukaufen, besser gesagt einkaufen lassen. Es kam ihr ja nicht in den Sinn, die schweren Taschen selber zu schleppen, wofür hatte sie denn Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren? Also wurde der geplante Einkauf am Sonntag bei Kaffeeklatsch schon angekündigt. Am Montag wurde dann eine lange Reihe von Lebensmitteln aufgeschrieben und die Kinder mit der Liste nach Bergraht geschickt, geschätzte 2 km hin und 2 km mit schweren Taschen zurück.

Einen resoluten Eindruck hinterließen die Beiden ganz und gar nicht. Auf dem Weg zu ?Fräulein Maria ??kamen sie an spielenden Kindern vorbei, die aus ?einfachen Familien? stammten. Diese hatten einen aufgeprägten Sinn für Menschen, die nicht unbedingt auf ihrer Wellenlänge waren. Sie rochen förmlich die Ängstlichkeit der Geschwister und schürten diese mit ihrem Schabernack noch mehr. Kinder kennen da keine Gnade

Im Laden wurden alle Lebensmittel auf die schmale Theke gelegt, mit einem großen Bleistift auf einem Reklameblock berechnet. Wenn die Prozedur erledigt war, hatte jeder dann zwei schwere Taschen zu schleppen. Zu Hause wurde dann kontrolliert, ob auch nichts vergessen wurde. Wenn doch, gab es ja noch die Möglichkeit einer zweiten Einkaufstour am selben Tage.

Während dieser Zeit spielten andere Kinder auf dem ?Kreie Bersch?. Die Geschwister waren richtige Außenseiter, wurden gemieden und behandelt, als seien sie von einem anderen Stern. Aus heutiger Sicht kann ich beurteilen wie lieblos sie als Arbeitskräfte ausgenutzt. Ihre Mutter machte sich derweil fein und ging mit ?Onkel Hubert? nach Stolberg in den Kinopalast, die ?Schauburg?.
PS.: der Junge war in der selben Schulklasse wie der Autor?.








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Kai Bonte 14.03.2014, 12:12
3. Als Tante Emma verschwand

Milchmänner, Staubsaugervertreter und heimischer Getränkeverkauf: Die Einzelhandelswelt nach dem Krieg war überschaubar, ganz besonders im Bremer Stadtteil Vegesack. Doch dann kamen die Kaufhäuser - und das Geschäft des Eisenwarenhändlers wurde zur Trutzburg. Von Karl Wilhelm Meier

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Ferdi Keuter 11.07.2014, 15:12
4. Auszüge aus dem Buch (M) eine Straße von Ferdinand Keuter

Bei Metzger Müller gab es Wurst und Fleisch zu kaufen. Herr Müller hat den Betrieb zu Beginn der 50er Jahren von Albert Otten übernommen. Die Kunden kamen der Qualität wegen, standen am Samstag bis zur Straße. Die Ware wurde verteilt und nicht verkauft, für heutige Verhältnisse ein Schlaraffenland.

Einen kleinen Kolonialwarenladen führte Herr Oligschläger. Er hatte stets die Hände abgewinkelt auf der Theke liegen mit der Frage verbunden: „Was darf es denn sein“? Der Geruch von mir unbekannten Waren hing in der Luft. Auf der Theke standen die Gläser gefüllt mit Bonbons. Gerne habe ich die Anisbonbon nicht gegessen, da waren mir die Storck-Riesen schon lieber. Sie kosteten 2 Pfennig pro Stück und wurden auch einzeln verkauft. Wenn ich viel Geld hatte, ließ ich mir 5 Stück geben. Es war ein Vergnügen den Mund voller Riesen zu haben. Die klebten so schön....

Im Haus Nr. 50 war um 1910 die Metzgerei Esser zu finden. Später war Metzger Blech hier tätig. Mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft war es mit dieser Tätigkeit bald vorbei, da die Familie Juden waren.

Es folgte das Gemüsegeschäft Nick. Nach dem Kriege gab es hier die ersten Apfelsinen. An der Wand hing ein Werbeplakat mit der Aufschrift: „Bananen die am besten schmecken, sind die Gelben mit den schwarzen Flecken“.

Im Geschäft, Haus Nr. 48, von Else Vogel, kauften unsere Eltern ihre Rauchwaren, Streichhölzer, Pfeifen und Zeitungen. Frau Vogel hatte neben dem Einzelhandel auch einen Großhandel und beschäftigte Herrn Schöber als Mitarbeiter im Außendienst. Es gab nach dem Kriege die Zigaretten Rote Hand in einer Dreierpackung.

In der Drogerie Dohmen war immer was los. Der Anteil an Spirituosen war in der Karnevalszeit besonders groß. Dann bedienten viele Verkäufer die Jecken bis auf die Straße

Radiogeräte in kleiner Auswahl waren im Schaufenster, Haus Nr. 38, bei Schaaf ausgestellt. Einen Hauptladen gab es auf dem Stich, dazu eine Reparaturwerkstätte.

Vor dem Kriege war Friseur Jean Morschel in diesem Lokal tätig. 1934 wurde Herr Morschel Schützenkönig der St. Rochus Schützenbruderschaft.

Unser Brot kauften wir meist beim Bäcker Hoppe, Hause Nr. 36. Hinter dem Laden war ein kleines Lokal in dem Getränke und leckerer Kuchen serviert wurde.

Im Kolonialwarenladen Kleifges gab es eine größere Auswahl an Lebensmitteln. Ursprünglich wurde hier Bier gebraut. Herr Bilden hatte in dem Hinterhaus die Brauerei und an der Straßenseite eine Gaststätte.

Der Bauernhof Mertens folgte. Hier war nach dem Kriege noch Hubert Leisten, ein Verwandter, mit Pferd und Wagen unterwegs. Er brachte die Ernte ein und transportierte Arbeitsgerät zum Feld. Wo er seine Felder und Wiesen bearbeitete, weiß ich nicht

Vergessen wir nicht den Friseur Blass. Am Morgen hing er seinen blanken runden Teller vor die Türe und dokumentierte so seinen Arbeitseifer. In seinem Salon standen für Rasierstammkunden die weißen Töpfe mit Namen. Darin standen die eigenen Rasierpinsel. Das waren noch Zeiten in den 50er Jahren.

Viel gäbe es noch zu berichten von (m) einer Straße, aber das würde den Rahmen sprengen.

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