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Auftragsfotografie in der DDR: Diktatur der bunten Bilder
Stiftung Deutsches Historisches Museum

Fotos "für die Stärkung der DDR": Das Deutsche Historische Museum Berlin zeigt erstmals die Farbaufnahmen zweier freiberuflicher Ost-Fotografen und hinterfragt ihre Rolle im Staat. Waren die beiden unpolitische Handwerker oder Herolde des Sozialismus?

Kay Feske 20.03.2014, 10:30
1. glückliche Menschen in der DDR? gaht natürlich gar nicht...

"Die Arbeiter und Bauern, vor allem aber die Arbeiterinnen und Bäuerinnen auf den Fotos von Schmidt und Schwarzer strahlen. Wenn sie an Maschinen stehen. Wenn sie einkaufen. Wenn sie Kinderwagen schieben. Glückliche Gesichter zufriedener Menschen im Sozialismus, so sieht es aus und so sollte es aussehen."

Dafür trifft man heute auf so viele glückliche Menschen. Bei Aldi und Lidl, in den Handwerksklitschen und in den Schulen. Beim Arbeitsamt und beim Sozialamt sogar auf beiden Seiten des Tisches. Eine große glückliche deutsche Familie.

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Ralf Gabriel 20.03.2014, 10:39
2. x

Marketing halt. So wie heute jedes Unternehmen seine Produkte bewirbt, bewarb die DDR eben ihr Produkt. So ist das eben wenn man eine Staatlich gelenkte Wirtschaft hat. Da ist der Staat bzw die Gesellschaft quasi für die Produkte mit zuständig. Daß das nicht gut funktioniert hat ist erwiesen. Jedoch braucht man sich nicht zu wundern, daß man Marketing gemacht hat. Das ist doch heute auch so. Ein Hummer aus Plastik - wie schrecklich. Welch ein Glück, daß heute eine bestimmte Schokolade wirklich aus Milch von lila Kühen gemacht wird.....

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Siegfried Wittenburg 20.03.2014, 22:04
3. 1965 war der Kommunismus noch Zukunft

Als diese Aufnahmen entstanden, war die gewaltsame Teilung Deutschlands noch recht frisch. In der Tat erwies sich die Wirtschaft der DDR in dieser Zeit als recht robust. Der Lebensstandard stieg, qualifizierte Arbeitskräfte konnten nicht in den Westen "abhauen" und mussten sich gezwungenermaßen arrangieren. Der Kommunismus sollte ab 1980 eintreten. So war es vorgesehen.

Doch er kam nicht.

Und die glücklichen Gesichter bei Aldi und Lidl gab es damals nicht, weil es diese Supermärkte noch nicht gab. Im Westen fand zu der Zeit, als diese Fotos entstanden, das "Wirtschaftswunder" statt. Vollbeschäftigung. In der DDR nannte man das "Ausbeutung".

Die heutigen "glücklichen" Menschen beim Arbeitsamt und Sozialamt sind eher darauf zurückzuführen, dass der Staatsplan nicht erfüllt wurde, 1980 den Kommunismus einzuführen. Aber schon damals war folgende Denkweise üblich: Schuld sind immer die anderen!

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