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Blindfahrt ins Ungewisse
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12.09.2012, 13:20
1.

Es hätte durchaus angemerkt werden können, dass die wohl größte Gefahr für Leib und Leben der Besatzung, von dem Kapitän und seinem Plan, dass Schiff im Zweifelsfall anzuzünden ausging. Nicht zuletzt hätte die Bremen durch die bereits dahingehend getroffenen Vorbereitungsmaßnahmen auch leicht durch eine kleine Unachtsamkeit in Brand geraten können.
Sehr anschaulich zeigt sich in diesem Vorgehen auch das Maß der Verblendung der Besatzung und vor allem des Kapitäns.

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Kristian Matthes 12.09.2012, 14:00
2.

@Manuel Baghorn:
Na sicher. Man hätte allgemein noch einen Abschied hinzufügen können, wie wichtig es ist, dass vor allem auch Kinder nicht mit Schwere, Licht oder Feuer hantieren. Wie kommen Sie auf den Gedanken, dass die englische Marine keine Gefahr für ein deutschen Schiff darstellen sollte?! Von welcher Verblendung des Kapitäns reden Sie denn bitte? Hätte er sein Schiff nicht tarnen sollen und keine Ausweichroute nehmen sollen?! Der Artikel ist so wie er ist absolut angemessen. MfG

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michael kneschke 12.09.2012, 19:16
3.

das Malen außenbords, auf einer an 2 Tampen hängenden Stelling war täglich Brot und ungefährlich, sofern man den seemännischen Spruch "eine Hand für's Schiff und eine für dich" beherzigte.

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12.09.2012, 19:17
4.

@Kristian Matthes:
Ich habe nie behauptet, dass von der britischen Marine keine Gefahr ausging. Aber das Schiff im Zweifelsfall friedlich zu übergeben dürfte für Menschen die nicht unbedingt als Helden sterben wollen wohl auch eine Option gewesen sein. Die Bremen wäre schließlich als ziviles Schiff auch nicht ohne weiteres angegriffen worden, dass haben schließlich die Nationalsozialisten als erstes gemacht...

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12.09.2012, 19:20
5.

Ich verstehe nicht wieso der Kapitän nicht die Möglichkeit genutzt hat den sich abzeichnenden Zweiten Weltkrieg bequem in Amerika zu verbringen...ich hätte die Abfahrt hinausgezögert bis ich nicht mehr hätte fahren dürfen und mir die Gräuel eines (Welt!) Krieges erspart.

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Klaus Rathjens 13.09.2012, 11:28
6.

Ich möchte den Artikel etwas ergänzen, da die letzte Fahrt nach New York wichtige weitere Aspekte beinhaltete.

Die "Bremen" lief am 22.8. 1939 (!) mit 1200 Passagieren aus Bremerhaven aus und lief danach Southampton an, wo weitere 500 Passagiere hinzukamen. Am 24.8. befand sie sich im Nordatlantik und erhielt einen Funkspruch des Oberkommandos des Marine, der die sofortige Rückkehr nach Deutschland empfahl. Trotzdem ließ der Kapitän die Fahrt fortsetzen, da er die vielen Passagiere bei einer gefahrvollen Heimfahrt im Kriegsfall nicht in Gefahr bringen wollte und da sie außerdem für ein solches Unternehmen die erforderlichen Maßnahmen erheblich behindert hätten. Also hielt er den Kurs nach New York, wo "Bremen" am 28.8. einlief.

Das Schiff konnte dort zwar problemlos 5000 t Öl bunkern, wurde aber zwei Tage lang penibelst untersucht, was die Besatzung allgemein als schikanös empfand. So wurde das gesamte Schiff nach Waffen durchsucht, es wurden sämtliche Rettungsmittel inspiziert und die Besatzung musste im Rahmen dessen sogar Bootsmanöver fahren.

Am 30.8. konnte sie endlich auslaufen. Direkt danach erfolgten auf See die erwähnten Tarnungs- und Verdunkelungsmaßnahmen sowie die Vorbereitungen zur Selbstversenkung für den Fall einer Konfrontation mit einem britischen Kriegsschiff.

Die Royal Navy war natürlich schon auf die "Bremen" aufmerksam geworden, denn Großbritannien brauchte im Krieg jede Handelsschiffstonne zur Versorgung der Insel. Außerdem war die Bremen ein prestigeträchtiges Schiff, dessen Aufbringung als außerordentlichen Erfolg bezeichnet werden konnte. Dementsprechend wurden die britischen Kriegsschiffe der sogenannten "Northern Patrol" vor allem auf die "Bremen" angesetzt.

Im Krieg sprach man in der Marine bei einer Heimfahrt von einem "Heimatduchbruch", denn die dafür möglichen Kurse ließen nur eine Wahl zwischen den beengten Seegebieten nördlich oder südlich von Island zu. Aber genau dort kreuzten die Schiffe der "Northern Patrol", so dass ein erfolgreicher Heimatdurchbruch einem Glücksspiel glich.

Der Kapitän der "Bremen" entschied sich für die Dänemarkstraße nördlich von Island und passierte sie fast mit Maximalgeschwindigkeit. Das wiederum hatte die Royal Navy wegen der dort herrschenden Eisgefahr nicht erwartet und sich auf den südlicheren Kurs konzentriert.

Am 6.9. sandte das Oberkommando der Marine einen Funkspruch an die "Bremen", dass ein Durchbrechen nach Murmansk aussichtsreich sei. Dabei versäumten sie, den Adressaten "Bremen" explizit zu erwähnen. Das führte in der Folge dazu, dass sich diverse deutsche Handelsschiffe als Adressaten verstanden und ebenfalls Murmansk ansteuerten, auch wenn das einen großen Umweg darstellte.

Nach dem Einlaufen in Murmansk verbleiben nur 100 Mann Besatzung auf der "Bremen", der Rest wurde zusammen mit den Besatzungen der anderen in Murmansk liegenden Schiffe mit der sowjetischen Eisenbahn nach Deutschland gebracht. Kurz vor ihrem Auslaufen wurden in gleicher Weise 150 Mann der Besatzung zurückgebracht, was unter strengster Geheimhaltung stattfand.

In der Zwischenzeit hatte auch das britische Passagierschiff "Llandovery Castle" Murmansk angelaufen und es wurde immer deutlicher, dass dieses Schiff die "Bremen" beschatten und Auslaufsvorbereitungen melden sollte. Die sowjetischen Behörden zeigten sich sehr kooperativ und wiesen das britische Schiff aus dem Hafen.
Als die "Bremen" am 10.12. 1939 endlich auslief, verfügten sie sogar ein 24-stündiges Auslaufverbot für alle anderen Handelsschiffe, so dass die "Bremen" von keinem Schiff beschattet werden konnte.

3 Tage später erreichte sie Bremerhaven. Auch auf dieser Fahrt versuchte die Royal Navy, sie mit einer Suchgruppe von Kriegsschiffen nordöstlich der Shetlands abzufangen. Dieses wäre dem britischen U-Boot "Salmon" am 12.12. beinahe gelungen. Es musste aber beim Erscheinen eines deutschen Flugbootes alarmtauchen, so dass die "Bremen" unbehelligt ihren Kurs fortsetzen konnte.

Ab 1940 wurde sie als Wohnschiff der Kriegsmarine in Bremerhaven eingesetzt. Im März 1941 brannte sie dort völlig aus, nachdem ein Schiffsjunge aus Rache für eine Ohrfeige im Lagerraum Feuer gelegt hatte.

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Jon Wayne 13.09.2012, 16:35
7.

@Manuel Baghorn:
"Die Nationalsozialisten".... - <<3.9.1939
Nordatlantik
U 30 (Oblt.z.S. Lemp) sichtet südlich der Rockall-Bank den irrtümlich als Hilfskreuzer angesehenen brit. Passagierdampfer Athenia (13581 BRT) und torpediert ihn. Von dem sinkenden Schiff werden durch die herankommenden britischen Zerstörer Electra und Escort, das norwegische Motorschiff Knute Nelson, den amerikanischen Dampfer City of Flint und die schwedische Jacht Southern Cross etwa 1300 Überlebende gerettet, 112 Menschen kommen durch die Treffer um.
Durch diese erste ? warnungslose ? Versenkung entsteht bei der britischen Admiralität der Eindruck, daß Deutschland einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg begonnen habe. Tatsächlich werden auf deutscher Seite auf Grund der Meldung vom Untergang der Athenia einschränkende Weisungen für die Handelskriegführung erlassen. So verbietet Hitler bis auf weiteres alle Angriffe auf Passagierschiffe. >>
hingegen:
<<3.? 5.9.1939
Atlantik
Erklärung der Blockade Deutschlands am 3.9. durch die britische Regierung. ? Der britische Zerstörer Somali (Capt. Nicholson) bringt 350 sm südl. Island das deutsche Handelsschiff Hannah Böge (2377 BRT) auf bei dem Versuch, die engl. Blockade zu durchbrechen ? dies ist das erste Prisenschiff im 2. Weltkrieg. ? Der britische Kreuzer Ajax stoppt zwischen Rio Grande do Sul und der La-Plata-Mündung die deutschen Frachter Olinda (4576 BRT) und Carl Fritzen (6594 BRT), die sich der versuchten Aufbringung durch Selbstversenkung entziehen. ? Am 5.9. sichtet der brit. Kreuzer Neptune den deutschen Frachter Inn (2867 BRT) im Südatlantik und versenkt ihn. >>
Nur um mal eben die Verhältnisse zu klären. MfG

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Jon Wayne 13.09.2012, 16:35
8.

@Max Schneider:
Sowas nennt man Patriotismus, Ehrgefühl und Anstand. Wie kommen Sie auf den absurden Gedanken, dass im September 1939 ein Deutscher freiwillig bei den Gegnern des 1. Weltkriegs verbleiben würde? Diese Generation hat entweder erlebt oder anschaunlich erklärt bekommen, wie alliiertes Fairplay 1918 aussah: Verschiebung der Kriegsschuld, Reparationen, Abtretung von Gebieten mit deutscher Bevölkerungsmehrheit, Besetzung usw....

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Friedrich Johannes Engelke 17.09.2012, 09:15
9.

Ergänzung: Nicht nur Tschira hat über diese Reise berichtet. Ahrens, Kommodore Adolf, "Die Siegesfahrt der "Bremen", Aufgezeichnet von Christian Hilker, Copyright 1940 (!) Ernst Steiniger-Verlag, Berlin, mir liegt lediglich eine später Auflage, möglicherweise erst aus der Zeit nach dem II. Weltkrieg vor. Mir ist nicht bekannt, ob auch dieses Erinnerungsbuch von KdF finanziert wurde. Ahrens hatte den entsprechenden damals üblichen Ton. Er sah die Reise über Murmansk wohl eher als ein Husarenstück, auf das er stolz war.

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Klaus Rathjens 24.09.2012, 09:30
10.

"...... Ahrens hatte den entsprechenden damals üblichen Ton. Er sah die Reise über Murmansk wohl eher als ein Husarenstück, auf das er stolz war."
Herr Engelke, im Fall, dass die Royal Navy die "Bremen" abgefangen hätte, wären deren Kapitäne auch stolz gewesen.

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