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Das Grauen der Lappen
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28.02.2008, 10:10
1.

Als ich meinen Führerschein 1958 erwarb, musste ich am Tage der mündliche Prüfung auch eine Klausur für das bevorstehende Abitur schreiben. Meine Mutter musste mich dann von der Schule in Gronau, Westfalen, zur Kreisstadt Nordhorn, Niedersachen fahren. Sie hatte selbst gerade erst ihren Führerschein gemacht und hatte ihr ersten Auto, einen VW Käfer, erworben. Es schneite, und die 25 km Fahrt wurde recht dramatisch. So kam ich etwas verspätet zur Führerscheinprüfung an. Nachdem ich mich mit dem Hinweis auf die Abiturprüfung entschuldigt hatte, konzentrierte der gestrenge Fahrlehrer die meisten Fragen auf mich als den "klugen Herrn Abiturienten". Ergebnis: Ich fiel bei der mündlichen Führerscheinprüfung durch und musste sie ein paar Wochen später wiederholen. Das Abitur habe ich aber im ersten Anlauf bestanden. Mein grauer Lappen ist immer gültige, ich fahre aber seit 30 Jahren mit einem texanischen Führerschein, der nicht in Flensburg registriert ist!!!

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28.02.2008, 10:10
2.

Habe ein Foto meines Grauen Lappens hochgeladen

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28.02.2008, 10:10
3.

Ich habe die Augen geschlossen, dann gesucht und tatsächlich meinen ersten Führerschein gefunden (permis de conduire) steht sogar ganz Polyglott darauf. Das Foto sieht maximal fatal aus.

Er ist aber nicht grau, sondern hell rosa. Ooops, was ist geschehen? Ich gestehe, ich komme aus der Zone.

Ich erinnere mich auch noch an das Gesicht der bayrischen Beamtin, bei der ich diesen Fletten (oder Fleppen), wie wir ihn damals in Brandenburg, besser im Bezirk Frankfurt(Oder) nannten in ein gesamdeutsches Dokument umtauschen wollte. Ihr gelang es nicht, die Führerscheinnummer in ihren Rechner einzutippen, woraufhin ich mich entschuldigte, dass man Mitte der 1980er Jahre leider noch nicht wissen konnte, dass die DDR in Kürze von der BRD übernommen wird. Das war Mitte der 1990er Jahre und Ossis galten damals offenbar lediglich als soziale Bittsteller mit lustigem Akzent.

Das keine Unklarheiten aufkommen: Mir geht es wunderbar in Gesamtdeutschland. Ich hatte eine berufliche Karriere, die ich im Osten nie gehabt hätte. Mir geht es wunderbar.

Aber genau bei solchen nostalgischen Artikeln weiß ich immer ganz genau, warum ich in vielen Medien den Eindruck habe, dass man mich nicht anspricht, sondern meine Brüder und Schwestern im Westen. Der Spiegel gehört definitiv zu diesen Medien. Ich habe immer den Eindruck, dass ausschließlich aus der westdeutschen Perspektive geschrieben wird, manchmal auch über den Osten, aber nie aus dessen Sicht.

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28.02.2008, 15:51
4.

Danke für die Anregung - einestages macht eine zweite Folge mit Ost-Lappen! Hat jemand schon mal eine gute Idee für eine Überschrift? "Das Grauen der Lappen reloaded" geht ja schlecht für hellrosa... Und wir brauchen natürlich viele schöne gescannte Exemplare von euch da draussen! Gruß, Redaktion einestages

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28.02.2008, 15:52
5.

Aber waren die früehe DDR-Führerscheine nicht so kleine dunkelgraue Heftchen?

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Michael Krispin 29.02.2008, 09:46
6.

Keine Ahnung wie die Ost-Führerscheine aussahen. Ich denke aber dass die Geschichten und das Gefühl "den Lappen" endlich in der Hand zu halten Gesamtdeutsch gleich war. Ich danke für den einleitenden Artikel.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Michael Krispin, Duisburg

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27.03.2008, 18:53
7.

Weiß eigentlich irgengwer, ob Vorkriegsführerscheine auch noch gültig sind, sofern denn jemand in dem Alter noch des Fahrens mächtig ist?

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03.04.2012, 08:09
8.

Vielen Dank an Alle die hier etwas beigetragen haben, ich habe Tränen gelacht!
Ich stimme in einer Sache zu, der neue EU-Führerschein hat sehr viel weniger Persönlichkeit als der alte "Lappen". Als "junges Gemüse" habe ich leider nie etwas Anderes erhalten als eben jenes Stückchen Plastik.....
Davon abgesehen bedeutet es für mich das absolut gleiche, endlich erwachsen sein, endlich mobil sein,aber natürlich auch der Kampf um die Familienkutsche und durchwachte Nächte meiner Altvorderen bis der Wagen wieder da war.
Abgesehen von einer durchschwitzten Prüfung (Zitat des Fahrprüfers am Ende: Sie können das Lenkrad jetzt loslassen!" ist mir vor allem Eines in Erinnerung geblieben. Eine Anekdote, die ich hier mit den Lesern teilen möchte:
Ich machte meine Prüfung am 31.7. abends (meinFahrlehrer hatte mir erst am Morgen verraten, dass die Prüfung noch am gleichen Tag sein würde ( damit hat er mir eine schlaflose Nacht erspart!) Am 1.8. sollte meine damalige Feundin aus den USA ankommen. Dank Zeitverschiebung konnte ich ihr nicht mehr mitteilen, dass ich am Vortag die Prüfung bestanden hatte. So fuhr ich also,noch grün hinter den Fahrerohren, allein zum Flughafen um sie dort abzuholen. Als ich ihr erklärte ich sei allein gekommen war sie fassungslos. Sie dachte doch tatsächlich ich hätte den Wagen meiner Mutter entwendet um den Maxe zu markieren ( Die Anspielung, dass ich ein "böser Junge"sei, habe ich damals als Kompliment aufrgefasst)

So zaubert mir also der Blick auf das Ausstellungsdatum dieses seelenlosen Stücks Plastik jedes Mal ein breites Lächeln ins Gesicht....

mfG

S. Jäger, Hamburg

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Jochen Hoffstätter 11.07.2013, 14:40
9.

>Weiß eigentlich irgengwer, ob Vorkriegsführerscheine auch noch gültig sind, sofern denn jemand in dem Alter noch des Fahrens mächtig ist?

Meine Mutter hatte 1935 mit 18 ihren Führerschein gemacht, mit dem ist sie bis zu ihrem Tode 1999 gefahren!

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23.02.2014, 14:23
10.

>Aber waren die früehe DDR-Führerscheine nicht so kleine dunkelgraue Heftchen?

Das Heftchen war eine Fahrerlaubnis, mit eingelegter Stempelkarte (ab 5 Stempel war Fahrverbot) - ähnlich Flensburg, nur mit Stempel und Tinte.
Wann, weiss ich nicht mehr, wurde die Fahrerlaubnis in diesen rosa Führerschein (international) - jedenfalls stand vorn französisch drauf - umgewandelt. Meine Fahrerlaubnis wurde eingezogen, die "Ost"-Flensburgkarte habe ich noch, ohne Stempel.

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