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DDR-Tour von Jazz-Legende Armstrong: Louis in Leipzig
Privatarchiv Karlheinz Drechsel/Günter Reinhold

Vor 50 Jahren trat Louis Armstrong das erste und einzige Mal in der DDR auf. Statt Gage gab es Teleskope von Carl Zeiss, angeblich auch Waffen und Antiquitäten. Beteiligt an dem Geschäft war ein früherer Chauffeur von Al Capone.

Cherif Diallo 23.03.2015, 15:33
1. Eine

wunderbare Story!

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Volker Wortmann 23.03.2015, 16:49
2.

Astronomie mit Astrologie verwechselt... Aber ein schoener Artikel.

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Mike Roßmann 24.03.2015, 08:57
3. Das Buch ...

... von Stephan Schulz kann ich sehr empfehlen; ich habe es bei einer Autorenlesung selbigens erworben. Sehr unterhaltsam und voller schöner Anekdoten.

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Renate Hentschel 24.03.2015, 14:52
4. In Dresden

gab es keinen Auftrittsmöglichkeit mit 3.000 Plätzen? Kann ich kaum glauben.

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Matthias Wirzberger 24.03.2015, 16:01
5. Ein unvergessenes Erlebnis

Ich habe das Konzert von Louis Armstrong im Friedrichstadtpalast als 15-jähriger erlebt. Die Bilder des grandiosen Auftritts und die Musik sind bis heute für mich gegenwärtig. Der Beitrag hat mir nun viele für mich neue Details von Armstrongs Konzertreise durch die DDR vermittelt. Toller Artikel.

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hajo Obuchoff 24.03.2015, 20:31
6. Die Buspanne war in Genthin

Ich kann mich ganz genau an diesen Tag erinnern. Wir hatten am Nachmittag noch Unterricht - Wehrkunde oder sowas ähnliches. Deshalb gingen wir zum Marktplatz in die Kneipe Duchstein, um ein paar Vita-Cola zu trinken. Uns fiel am Platz auf der Thälmannstraße ein Westbus auf. Ein paar Schwarze, auch eine Frau dabei, lungerten dort rum. Wir dachten uns nichts Besonderes dabei. Dann kam der Kneipenwirt, der mal kurz rausgegangen war zurück und rief ganz aufgeregt: "Louis Armstrong ist nebenan in der Fleischerei." Einer von uns meinte: "Ja, und auf deiner Toilette sitzt Elvis Presley." Aber dann erinnerten wir uns an den Bus draußen und gingen um die Ecke. Dort war die Fleischerei (den Namen hab ich vergessen), die außen mit grünen Kacheln verkleidet war. Vor dem Verkaufstresen drängelten sich eine Menge Leute um einen kleinen Mann - Louis Armstrong. Der Trompeter hielt in einer Hand ein paar Scheiben Wurstaufschnitt in Pergamentpapier, mit der anderen schrieb er Autogramme. Der Stift war für mich interessant. So einen kannte ich nicht. Kein Füller, kein Kugelschreiber - irgendwas dazwischen. Später nannte man das in der DDR Faserschreiber. Ich stand unmittelbar vor dem Trompeter und bemerkte mit Verwunderung, dass sich in seine Lippen der Abdruck des Mundstückes seines Blasinstruments verewigt hatte. Es schien fast, als hätte er Hornhaut auf den Lippen. Dann hielt ich ihm auch mein kleines Vokabelheft hin, in das er seine Autogramm setzet. Leider habe ich das nicht mehr. Ich tauschte es später gegen eine Rockplatte aus dem Westen ein, die bei uns hoch gehandelt wurden.

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Frank Kempe 26.03.2015, 10:02
7. Zahlung in Antiquitäten

Es war tatsächlich so, dass die Bezahlung auch in Antiquitäten erfolgte. Ich erinnere mich gut an die Geschichte. 1965 war ich ein 16-jähriger Lehrling im elterlichen Antiquitätengeschäft in Dresden. Eines Tages tauchten bei uns zwei Herren aus der Schweiz auf. Es handelte sich um Julius Schmid aus Zürich, den Besitzer des Hotels “ Kindli“ und Hans Hotz, einen Liquidator, Auktionator und Kunstkenner aus Arosa. Die Herren befanden sich auf einer Einkaufsreise durch die, damals noch recht zahlreichen, privaten Kunsthandlungen in der DDR. Zweck der Reise war der Kauf von Kunstgegenständen für die Bezahlung der Armstrong Tournee. Offensichtlich hatte der Konzertagent Werner Schmid seinen Bruder mit dem Zusammentragen interessanter Stücke beauftragt. Die schlauen Schweizer nutzten die günstige Gelegenheit zu einem größeren Fischzug in der DDR. Bei uns kauften die Schweizer außer Meißner Porzellan auch einen großen Teil des Nachlasses des Dresdner Elfenbeinhändlers Räder, dessen Glanzstück der 1,20 m lange Triumphzug des Kaisers Maximilian, bestehend aus zahlreichen geschnitzten Elfenbeinfiguren, war.
Ich erinnere mich gut an einer Reise mit den beiden Herren und meinem Vater im amerikanischen Straßenkreuzer nach Thüringen, wo eine große Sammlung des -seinerzeit sehr gesuchten- alten Zinns erworben wurde. Allein bei uns kaufen die Herren für einen stolzen sechsstelligen Betrag. Und sie besuchten viele Händler.
Wie ich später von den Nachkommen Schmids erfuhr, blieben viele der Gegenstände im Privatbesitz von Julius Schmid. Louis Armstrong war wohl mehr an cash interessiert.
Es war ein Geschäft zu dem von Walter Ulbricht gern propagierten “ gegenseitigen Nutzen“. Louis Armstrong bekam seine Gage, die DDR behielt ihre wertvollen Devisen und das Management machte noch ein schönes Nebengeschäft. Diese Art der Bezahlung von Künstlern war in der DDR nichts ungewöhnliches. In den Folgejahren verkauften wir viele Kunstgegenstände an westliche Stars, die in der DDR ihre Auftritte hatten und die so genannte Einkaufsscheine erhielten, mit denen sie in eigener Regie Kunstgegenstände erwerben konnten. Dadurch wurde die DDR Devisenkasse geschont und die Künstler genossen in der Regel das Abenteuer der Antiquitätenjagd in der DDR.

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Wolf - Dieter Böhrendt 16.03.2018, 21:35
8. Armstrong war auch in Budapest!

Meine ungarische partnerin hat ihnals junges Mädchen gesehen und gehört - sie hat ihr ganzes Geld dafür gegeben ... Und mehr als 40 Jahre später sind wir dann zusammen ins Louis Armstong Museum, sein Haus in New York City - da hat sie vor Freude geweint! Das hatte sie sich nicht vorstellen können,dass sie mal in den USA Urlaub machen kann.

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