Forum: einestages Blogs
Der boykottierte Boykott
19.03.2008, 09:25
1.

"Die Hitlerdiktatur, die die 1931 vergebenen Spiele praktisch von der Weimarer Republik "geerbt" hatte, missbrauchte das Fest erstmals in seiner Geschichte bewusst zum Verfolgen politischer Ziele durch Prestige-Gewinn im Sport."

Welche Ziele denn im Einzelnen?

Geht es um Anerkennung und hier speziell um Überwindung diplomatischer Isolation, dann gebe ich Ihnen Recht.
Allerdings denken wir bei "Zielen" der Nazis doch an was anderes.
I.Ü. ist es natürlich das Interesse aller Regierungen, die sich auf sportliche Großereignisse bewerben, damit diplomatischen und wenn es um einzelpersonen geht, auch charismatischen Gewinn zu realisieren.
Bei Ihnen höre ich eine gewisse Mißgunst heraus. Klar darf man den Nazis abhuldig sein, aber dieser alte linke Revanchismus ist ein wenig sachlicher Stil. Die Rede vom "Mißbrauch" ist schon sehr stark tendenziös.
Übrigens: 1931 waren auch schon rechte Regierungen im weimarer Parlament!
Daneben: Sie glauben doch nicht, daß die NSDAP und insbesondere ihre Führung in einer psycho-emotionalen Lage gewesen wäre, die es erlaubt hätte, sich zu verstellen...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
19.03.2008, 09:25
2.

Interessanter Artikel. Allerdings macht der Autor, wie so viele, den Fehler China als kommunistisch zu bezeichnen. Kein Land der Erde, das von einer kommunistischen Partei beherrscht wird, sieht sich selbst als kommunistisch. All diese Länder sind sozialistisch, also auf einer Vorstufe des Kommunismus marxistischer Prägung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
20.03.2008, 09:50
3.

Der von den nationalsozialistischen Machthabern mit den Olympischen Spielen 1936 angestrebte Propagandaerfolg war, der Welt ein friedliches und leistungsfähiges Deutschland zu demonstrieren.
Nicht in Ernst Pipers Artikel selbst, aber in der Unterschrift unter dem Foto Nr.1 der Dokumente dazu ist das als "Prestigegewinn" verschlagwortet.

Außer Frage steht, dass es immer und überall im politischen Interesse der Regierungen liegt, wenn in ihrem Lande ausgetragene sportliche Großveranstaltungen das internationale Ansehen fördern. Das ist grundsätzlich auch nicht verwerflich.

1936 war das aber aufgrund einer entscheidenden Besonderheit etwas völlig anderes.
Entgegen den olympischen Statuten waren die Spiele 1936 nämlich keineswegs frei von politischen Einflüssen. Ganz im Gegenteil. Alle Lebensbereiche waren "gleichgeschaltet", also auch der Sport, der somit bis hinab in die kleinste Untergliederung vollständig staatlicher Lenkung unterlag, und zwar spätestens seit der Auflösung der einzelnen Fachverbände und ihrer Ersetzung durch den (staatlichen) Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL) im Januar 1934, also schon geraume Zeit vor den Spielen. Die gesamten Olympischen Spiele 1936 waren mithin von der Nazidiktatur gesteuert. Darin lag der Missbrauch des olympischen Gedankens durch Hitler und die Nazis. Der Schein unabhängiger Organisatoren nach außen konnte nur aufgrund des internationalen Ansehens der führenden Funktionäre Carl Diem und Theodor Lewald gewahrt werden, die willfährig die Parteilinie vertraten.

Als weiterer jüdischer Olympiateilnehmer (Winterspiele 1936) ist der Eishockeyspieler Rudolf "Rudi" Ball zu ergänzen.
Die zunächst nominierte jüdische Hochspringerin Ingrid Bergmann wurde kurz vor dem Beginn der Spiele mit fadenscheiniger Begründung ausgeladen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Kai Bonte 14.03.2014, 11:53
4. Der boykottierte Boykott

Während die Sportler um Medaillen kämpften, errichteten Häftlinge vor den Toren Berlins ein KZ: Die Olympischen Spiele verschafften dem NS-Regime einen internationalen Triumph - dass alle Boykott-Aufrufe erfolglos blieben, verdankte Hitler ausgerechnet einem Amerikaner. Von Ernst Piper

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Arne Fiebig 29.05.2014, 00:09
5.

"Im Gegenzug kamen die meisten Ostblockstaaten nicht zu den Sommerspielen 1984 in Los Angeles; lediglich die Jugoslawen und die Rumänen beteiligten sich."
Jugoslawien gehörte nie zum Ostblock sondern war im Kalten Krieg neutral.

Beitrag melden Antworten / Zitieren