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"Der Fanatismus war unberechenbar"
12.10.2012, 17:44
1.

Lieber Herr Oswald,

Ihnen gebührt mein von Herzen kommender Dank vor allem für die beiden unten zitierten Wahrheiten, die man hoffentlich auch in den oberen Etagen von Fußball-Business, Medienzirkus und Politik endlich wieder hinzunehmen beginnt (die Hoffnung aufgegeben habe ich in dieser Hinsicht bei den Funktionären der Polizeigewerkschaften...).

Vielen Dank!!

"Aber wenn mit Blick auf die jüngsten Ausschreitungen in der Bundesliga und auch in den unteren Ligen von einer Eskalation die Rede ist, skandalisiert das die Fans meiner Meinung nach zu Unrecht. Denn in den vergangenen Jahrzehnten hat die Brutalität der Zuschauergewalt eher abgenommen. "
"So lange Fantum zwangsläufig starke Identifikation mit einem Verein bedeutet, wird sich das Phänomen der Gewalt wohl nicht aus dem Fußball verbannen lassen. Ich denke, das ist ein aussichtsloses Unterfangen. "

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Horst Jungsbluth 13.10.2012, 13:46
2.

Ein sehr interessanter Beitrag, der sehr deutlich macht, dass es bereits in der ersten "Hochzeit" des Fussballs zwischen den beiden Weltkriegen Gewalt und Ausschreitungen auf den Plätzen gab. Heutzutage wird diese Gewalt orchestriert und von gewissen Gruppen instrumentalisiert und ist nicht nur von Ereignissen auf dem Platz abhängig, was sich insbesondere nicht nur bei bestimmten "Ostderbys" zeigt. Als in den neunziger Jahren in Berlin beim Ost-West-Derby Union gegen Tennis Borussia in der "Alten Försterei" der Stadionsprecher seine Abneigung gegenüber dem Gastverein artikulierte, da musste das Häuflein der TB-Anhänger nach dem Abpfiff die Beine in die Hände nehmen, um den gewaltbereiten Union-Fans zu entkommen.

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Felix Liedtke 14.10.2012, 10:07
3.

Ein interessanter Beitrag. Er zeigt das Fußball und Gewalt eine alte, unheilige Allianz dartsellen. Auch wenn ich nicht verstehe warum: Es gibt viele andere faszinierende Sportarten. Auch in diesen gibt es Vollblut-Fans. Gewalt ist aber kein Thema. Das is ziemlich außschließlich auf Fußball beschränkt. Ihre Artikel zu Folge sollte man diesen Sport einfach verbieten - oder nicht? Ich meine, was heut zu Tage der Sicherheit wegen alles verboten wird, wie kann man da diesen Gewaltsport tollerieren?

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14.10.2012, 17:33
4.

So wichtig dieser Beitrag in der gegenwärtigen political correctness Medienhetzkampagne gegenüber Fußball-Fans auch ist, so sind diese Dinge jedoch weder neue Erkenntnisse, noch verblüffend.
Fußball war schon immer "Krieg".
Doch die Wahrheit wird von den profitorientierten "Saubermännern" in den Vorstandsetagen der Unternehmen (ehemals Vereine genannt) und ihren euphemistischen Hofberichterstattern (ehemals Sportjournalisten geheißen) kontinuierlich negiert.
Jedes Wochenende krachts auf Kreisklassensportplätzen- nicht als Ausdruck eines gewalttätigen Zeitgeistes, sondern seit einem Jahrhundert.
Seit der WM 1994 in den USA haben die damaligen Visiten, durch die Funktionäre der europäischen Top-Vereine, der Stadien mit ihren Logen und sonstigem Firlefanz, zur Adaption des US-Sytems im europäischen Fußball geführt.
Solvente Familien sollen ein "Event" besuchen, da ist der gemeine
Pleb bestenfalls als stimmgewaltige Staffage in den Kurven gern gesehen.
Die Ultra-Bewegung versucht seitdem der exzessiven Kommerzialisierung und ihrem operettenhaften Habitus entgegen zu wirken und übersieht dabei, das sie selbst längst Teil dieser gewollten Inszenierung wurde (Choreos etc.).

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Peter Ross 15.10.2012, 09:07
5.

"So lange Fantum zwangsläufig starke Identifikation mit einem Verein bedeutet, wird sich das Phänomen der Gewalt wohl nicht aus dem Fußball verbannen lassen. "

Das klappt hier in Melbourne, Australien, ganz prima: nur mit "Footy", Australian Football. Das Winterhalbjahr fuellen sich Wochenende fuer Wochenende mehrfach (4, 5, 6mal) das MCG und das Docklands Stadium, mit mindestens 30 000 Leuten (hoch bis zu 100 000 im MCG) pro Spiel, und die Fans beider Teams sitzen Seite bei Seite, Kinder und Frauen darunter.

Das Grand Final wurde von 1.4 Millionen (von 4 Mio Einwohnern) geguckt, und oft ist die Frage nach dem Verein eine der ersten beim Kennenlernen, unter Kollegen etc.

Fansein und Gewalt gehoeren nicht zwangslaeufig zusammen, wie Footy downunder beweist:-)

Es gruesst
Peter

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Kai Bonte 14.03.2014, 12:11
6. "Der Fanatismus war unberechenbar"

Fans schlugen auf Spieler ein, Club-Funktionäre prügelten mit: In den Zwanzigern eskalierten Fußballspiele in Deutschland regelmäßig. Der Historiker Rudolf Oswald erklärt, weshalb Gewalt und der Sport seit damals untrennbar verbunden sind - und wie Mannheim wegen Sepp Herberger zur Krawall-Hochburg wurde.

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