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Die derben Detektive

Auf einmal ging es Faust auf Faust: Anfang der Achtziger mischten Schimanski, Kottan und der Fahnder den deutschen Fernsehkrimi auf. Mit Prolo-Charme, wahnwitzigen Plots und rauer Action brachten sie Leben in die Ermittlungen auf der Mattscheibe - für die Zuschauer ein knallharter Kulturschock. Von Kai Kolwitz

Tom Rohwer 30.07.2015, 12:36
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"Zum ersten Mal hatten die Fahnder ein Privatleben"

Was so übrigens nicht richtig ist. Bereits das Team des "Kommissar" hatte durchaus ein Privatleben - Kommissar Kellers Ehefrau Franziska ("Du bist lieb, aber dumm") - bringt in diversen Folgen "private Farbe" ins Spiel, in einigen Folgen außerdem Frau Heines, die Mutter von "Robert Heines".

Auch beim TATORT war Schimanski nicht der erste Kommissar mit Privatleben. Der in Essen angesiedelte Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) zog regelmäßig seine geschiedene Ex zu Rate, er nahm sie sogar mit auf Ermittlungsreise nach Sylt, und die Zuschauer waren in jeder Folge gespannt, ob die beiden wohl wieder zusammenkommen würden.

Ebenfalls nicht vergessen werden darf natürlich "Zollfahnder Kressin", ein bis heute schwer unterschätzer TATORT-Ermittler. Der hatte in jeder Folge mindestens eine neue Bettgespielin, anders als spätere TATORT-Kommissare schaffte er es aber immer problemlos und ohne Depressionen, sein Sexleben mit seiner Arbeit unter einen Hut zu bringen.

Heute ist leider das, was vor 30 Jahren mal neu war, zur öden Masche geworden: das Privatleben der Ermittler ist grundsätzlich chaotisch und schlägt nahezu in jeder Folge die eigentliche Krimi-Handlung tot.

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