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Ein kleiner Riss in der Mauer
Volker Altmann 14.01.2011, 18:04
1.

Es gab eine riesige Udo-Fangemeinde in der DDR. Seine West-Fans fanden es, wie man es damals ausdrückte, cool, dass er Honni und seinem Regime mit so viel Frechheit und Witz entgegen trat. War der arme Honni auch etwas genervt von Udos Eskapaden ? der Stern zitierte Honecker damals mit den Worten ?Haltet mir den Irren vom Leib? - so hat er letztendlich doch am längeren Hebel gesessen. Was hat Udo erreicht? Ein Konzert vor Blauhemden und seine schärfsten Texte blieben in der Garderobe. Dass er sich ein Folgekonzert mit der SS20-Bemerkung verscherzt haben soll, war letztendlich nur ein lauer Wind, statt des erwarteten großen Sturms.

Wie naiv muss ein Musiker sein, wenn er darauf baut, vor seinen Fans singen zu dürfen, wenn er schon im Vorfeld die Schere der Zensur zu spüren bekommt? Konnte er sich das nicht an einer Hand abzählen, dass er im Palast nicht unbedingt vor Gegnern der Staatsführung (und damit letztendlich seinen wirklichen Fans) auftreten würde? Was also bezweckte er mit dieser Aktion? Der Welt zu zeigen, dass in der DDR Zensur und Bevormundung herrscht? Dafür bedurfte es keines Udo Lindenberg. Hat es seiner Karriere geschadet? Ganz im Gegenteil ? und es ist ein Schelm, wer sich böses dabei denkt.

Ein Riss in der Mauer, weil er dem Regime Pfötchen gegeben hat? Das erinnert mich an David Hasselhoff. Der glaubt auch, dass die Mauer wegen seines ?Looking for Freedom? gefallen ist. Legendenbildung hat was ? besonders für das Konto so mancher Künstler.

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Kai Bonte 14.03.2014, 12:10
2. Ein kleiner Riss in der Mauer

Acht Jahre hatte er gebaggert, dann durfte Udo Lindenberg im Oktober 1983 endlich in der DDR auftreten. TV-Moderator Reinhold Beckmann begleitete den Rocker damals als Kameraassistent, und erlebte die Propagandainszenierung der SED hautnah mit. Auf einestages erinnert er sich an den bizarren Trip in den Osten.

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