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Erster verpflanzter Herzschrittmacher: Der Retter aus der Schuhcremedose
DPA

1958 implantierte ein Schwede den ersten Herzschrittmacher. Er war hastig in einer Dose mit Kunstharz überzogen und hielt nur Stunden. Der todkranke Patient aber überlebte. Die Geschichte eines medizinischen Wunders.

Dieter Meier 08.10.2018, 16:46
1. Eine Sache ist da nicht verständlich

Im Text wird erzählt, dass der Pat. ohne die experimentelle Schrittmacher-implantation verstorben wäre. Es gab seit 1952 bettseitig plazierbare externe Herzschrittmacher, die über transvenöse Elektroden das Herz stimulierten. Im übrigen werden auch heute noch Pat. mit zu langsamer Herzfrequenz nach Aufnahme ins Krankenhaus zunächst so "gepaced", bis geklärt ist, ob die Rhythmusstörung kurzfristig reversible Ursachen hat. Nur sind die externen HSM heute knapp so groß wie 2 Zigarettenschachteln. Wenn nun das Klinikum ein solch experimentelles Programm mit implantierbaren HSM hatte, dann war der Laden groß genug, um auch externe HSM zu besitzen. Und wenn die belegt waren, hätte man den Pat. auch in ein anderes Haus verlegen können. Warum also musste diese hochgradig experimentelle Implantation sein? Hier fehlen leider Informationen, die das für mich als Arzt verständlicher machen würden. ---- Zum Abschluß noch der Hinweis, dass das Einflößen von Whiskey zur Erweckung von Bewusstlosen heutzutage keine leitliniengerechte Therapie darstellt. :D

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Christian Schneider 08.10.2018, 20:20
2. Interessantes Stück Technikgeschichte

@ Dieter Meier: Der damals junge Patient wird wohl keine Lust gehabt haben immer an einem stationären Apparat zu hängen und die Lebensgefahr für die Freiheit in Kauf genommen haben.
Interessant ist die ganze Geschichte auch, weil der Transistor kaum ein Jahrzehnt alt war. Ein so hemdsärmeliger Einsatz direkt am Menschen heute wäre so als ob jemand mit einem Raspberry Pie (Einplatinencomputer für Bastler) ein tragbares Dialysegerät entwickelt, o.ä.. Mit induktiver Ladung wurde ein weiteres Feature eingesetzt, das damals eher exotisch gewesen ist.
Die Verwendung von Radioisotopengeneratoren ist auch ein Kuriosum und soll wohl in der Sowjetunion längere Zeit üblich gewesen sein bis Batterieleistung und Stromverbrauch der Elektronik in einem günstigeren Verhältnis standen.

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Christoph Riecker 08.10.2018, 23:57
3.

@#1: Auf einer Führung durch das riesige Gelände des Therapiezentrums Beelitzer Heilstätten bei Berlin, welches vom Kaiser in Auftrag gegen die grassierende Tuberkulose gebaut wurde ( in drei Jahren liebe BER Bauer!) durfte ich erfahren, dass der leitende Arzt als Therapie viel frische Luft, in der Sonne liegen und viel Alkohol verschrieb. Auch sicher heute nicht leilinienkonform:-) Die Armen Arbiterfrauen haben sich aber sicher trotzdem über die kostenlose "Medizin" gefreut.

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Dieter Meier 09.10.2018, 16:30
4. @Christian Schneider (#2)

Radioisotopenbatterien wurden auch im Westen in Herzschrittmachern verbaut. Googeln sie mal nach dem Medtronic 9000. Das ist nur eins von mehreren Modellen. Eine Handvoll dieser Geräte ist auch heute noch funktionsfähig und in Patienten im Einsatz. Bei der Entwicklung dieser Geräte dachten hersteller noch nicht daran, dass zu dem Zeitpunkt, an dem die Batterie auszufallen droht, die Technik des jeweiligen Schrittmachers bereits völlig überholt sein würde.

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Uban Uban 09.10.2018, 20:13
5. @Dieter Meier (#4) :

in der Tat - hier ist ein Link:
https://www.ecnmag.com/blog/2016/01/medtech-memoirs-plutonium-powered-pacemaker
Wahnsinn !!!

@Christian Schneider (#2):
Es heisst eigentlich Raspberry Pi - nur so ....

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Ulrich Kliegis 11.10.2018, 09:15
6. Ver- oder eingepflanzt?

Mich verwirrt das Wort "verpflanzt" im Titel. Das wäre angebracht, wenn das Gerät vorher schon woanders implantiert gewesen wäre. Meinte der Autor vielleicht implantiert bzw. eingepflanzt?

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