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"Es gab kein Entkommen"
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Ansgar Schmersal 05.11.2013, 11:20
1.

Interessant und schön geschrieben. Zweifellos. Ich stelle aber trotzdem die Frage nach der publizistischen Relevanz dieses Artikels. Diese Beschreibungen gibt es zu hunderten, wahrscheinlich sogar zu tausenden. So schrecklich es auch im Einzelfall ist.

Man muss aber auch sehen: Das Ganze ist nun ein dreiviertel Jahrhundert her. Das sind historische Ereignisse. Ich würde mir wünschen, wenn "Eines Tages" nicht nur auf einzelne Punkte eines -historisch gesehen- sehr kurzen Zeitraumes eingeht, sondern (Zeit-) Geschichte in ihrer ganzen Vielfalt darstellt.

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Ulrich Link 05.11.2013, 14:07
2.

ein sehr wertvoller Artikel und Hinweis auf ein Buch, dass jeder Deutsche lesen sollte. der Inhalt ist so aktuell, wie im Jahre 1938. Ich schaeme mich fuer die Deutschen, die damals so unmenschlich gehandelt haben. Dies ist unsere juengste vergangenheit und wir sollten jeden Zeitzeugenbericht in Gold aufwiegen. Ich wuensche allen Menschen nie derart geprueft zu werden.

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Florian Stimberg 05.11.2013, 16:41
3.

Der Artikel liest sich für mich besonders bedrückend, da ich im Berliner Norden aufgewachsen bin und in Hermsdorf zur Schule ging. Wenn man weiß, dass dies alles nicht abstrakt "in Deutschland" sondern an genau den Orten in denen man eine unbeschwerte Kindheit verbrachte passiert, berühren solche Berichte noch viel mehr.

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Johannes Orphal 05.11.2013, 22:14
4.

Mir geht es sehr ähnlich: ich bin selbst in dem besagten Viertel in Berlin-Mitte aufgewachsen, war Schüler in jener Schule in der Auguststraße, von der aus man die Synagoge in der Oranienburger Straße sehen konnte, habe in der Gartenstraße Schwimmen gelernt ... das war alles viel später, in den 70er und 80er Jahren, und da war niemand mehr, der uns eine so persönliche Schilderung der Ereignisse mitteilen konnte. Ich finde diesen Text daher sehr beeindruckend: es wird ja nur ein einziger Tag aus dieser schlimmen Zeit erzählt, und dennoch wird deutlich, wie nah uns das alles noch ist.

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Yael Schlichting 06.11.2013, 09:01
5.

Für mich sind solche Erinnerungen beklemmend.
Viel schlimmer als diese Erinnerungen sind allerdings Zusammenhänge wie diese:
Das Haus in dem die Jüdische Mädchenschule untergebracht war, wurde erst im Jahr 2009 an die Jüdische Gemeinde zurückgegeben. Und nicht nur das. Es gibt viele Fälle von zwangsarisiertem Jüdischem Eigentum, das bis heute in Deutschem Besitz ist und bei dem sich Deutsche Behörden zieren sie zurückzugeben. Und dann die Sache mit den Bildern in München..... Eine Endlose Geschichte.
Auf der anderen Seite gibt es ein riesen Geschrei, wenn Deutschland U-Boote an Israel liefert und keine große Aufregung, wenn Deutschland Grundstoffe für die Chemiewaffenproduktion an Syrien liefert.
Die allermeisten Deutschen, die heute leben tragen keine Schuld an dem, was von 1933-45 geschehen ist.
Aber wer der Verantwortung, die daraus erwächst nicht gerecht wird, erzeugt neue Schuld.
Diese Verantwortung lastet freilich auch auf den Medien. Es reicht eben nicht, wenn pflichtbewußt an Tagen, zu denen sich die Reichskristallnacht jährt berichtet wird. Ich würde viel lieber eine deutliche ausgewogenere Berichterstattung zum Thema Israel und und Palästinaflüchtlinge entdecken. Es ist nicht gerade ein Ruhmesblatt, wie unreflektiert und unausgewogen da berichtet wird!

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Sascha Otto 06.11.2013, 16:50
6.

Danke Herr Schlichting !

Ich bin absolut Ihrer Meinung, daß zwangsarisiertes Eigentum an die Nachkommen zurückgegeben werden muss, so daß noch immer nicht geschehen ist. Oder im Zweifel, was sicher sehr wahrscheinlich ist, an eine jüdische Organisation die als Interessenvertreter ermordeter Juden das Vermögen verwendet, um beide Völker zu versöhnen oder um jüdischem Leben in Deutschland eine Grundlage zu geben.

Und richtig ! Eine ausgewogene Berichterstattung über Israel und Palästina wäre extrem wünschenswert. Ich will keine Schnappreflexe bei Kritik an der Staatspolitik (!!) Israels und ich will wirklich verstehen, was Israelis und Pälestinenser, Juden und Araber umtreibt.

Vom warmen, bequemen Deutschland aus ist es nur zu einfach, irgendwas zu kritisieren, ohne die Hintergründe zu kennen.

Ich würde es mir z.B. wünschen, wenn ich mit meiner Familie einen aktiven Beitrag dazu leisten könnte, daß sich beide Völker näher kommen. Daß eine jüdische Familie jüdisches Leben erklären und zeigen kann, ohne das Gefühl zu haben, wie ein Zootier begafft zu werden. Wenn Jüdisches Leben wieder mehr zum Alltag wird und nicht als eine Form von Außerirdischem in Deutschland wahrgenommen wird, weil bei 0.2% Anteil an der Bevölkerung schlicht kaum ein Deutscher überhaupt mal einen Israeli gesehen, geschweige denn, kennengelernt haben kann.

Übrigens: gestern auf RBB lief ein ausgesprochen interessanter Filmbeitrag zu genau diesem Thema unter dem Hintergrund der Familie Adler.

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Juergen Frey 07.11.2013, 09:20
7.

Im Juli 1943 wurde sozusagen Hamburg total zerstoert! Ueber 30,Tausend Tote. Die meisten von Ihnen sind erstickt!!!!!
Damals sass ich mit meiner Mutter tagelang imLuftschutzkeller, einmal sogar 3 Tage lang, als der Eingang verschuettet war. Damals war ich 4,5 Jahre alt.

Googeln sie WW2Hamburg, dann sind Sie mitten im Geschehen.
Darueber wird kein Artikel geschrieben und zum 70. Jahrestag geht der Bundespraesident nach Oradour in Suedfrankreich.
Find ich sehr nett von IHM.

Bitte hoert endlich auf damit. Die deutschen Taeter sind laengst alle
verstorben !!!!

PS, Ich habe auch noch Bilder, die mich in dem Alter umgeben von Schuttbergen und Ruinen zeigen. Meine Mutter hat sie geknipst, obwohl es streng verboten war!!!

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Jens Johannsen 07.11.2013, 10:09
8.

Was hat denn jetzt schon wieder die Politik Israels oder die Behandlung der Palästinenser mit dem millionenfachen Mord jüdischer Menschen durch den deutschen Staat und deutsche Staatsangehörige zu tun? Das ist doch nur die übliche Relativierungsrhetorik des rechten Randes, die hier sofort wieder aufschlägt. Der allererste Kommentar zu diesem Artikel, der ja glücklicherweise schon gelöscht wurde, zielte ja genau in dieselbe Richtung.

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Unknown Unknown 07.11.2013, 11:18
9.

Hallo Herr Frey,

abgesehen davon, dass ich nicht erkennen kann, dass Ihr Beitrag direkt etwas mit dem Thema des Zeitzeugenberichts zu tun hat, ist es weniger relevant dass angeblich "deutsche Taeter laengst alle verstorben" sind, sondern der eigentliche Wert besteht darin, zu zeigen zu was Menschen fähig waren um damit ähnliche Tendenzen und Methoden die schlussendlich zu den Auswüchsen ausgeartet wie in diesem Bericht eindrucksvoll gezeigt, frühzeitig zu erkennen und dem entsprechend entgegenzuwirken.

Es spricht sicher nichts dagegen, einen Zeitzeugenbericht vom Bombenkrieg auf deutschen Städten auf "einestages" zur Veröffentlichung vorzuschlagen. Derartige Berichte sind hier übrigens bereits zu finden.

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Jan Hagen 07.11.2013, 17:32
10.

"Von der anderen Seite der Schule sahen wir, wie dichter Qualm aus der Kuppel der Synagoge in der Oranienburger Straße stieg." - Bei allem Respekt: die Neue Synagoge in der Berliner Oranienstraße ist in der Reichskristallnacht nicht in Flammen aufgegangen sondern erst 43 im Bombenhagel amerikanischer und britischer Bomber zerstört worden!

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