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Flucht beim Grenz-Picknick 1989: "Es hätte auch ein Blutbad werden können"
DPA

Mit Gulasch und Bier wollten Aktivisten an der ungarischen Grenze 1989 ein Picknick für die Freiheit feiern - und symbolisch den Zaun abbauen. DDR-Bürger bekamen Wind davon und stürmten plötzlich den Eisernen Vorhang.

Jörg Gaßmann 19.08.2019, 09:30
1. Budapest

Ich war damals mit meiner Freundin auf der Rücktour aus Bulgarien für ein paar Tage in Budapest. Sie wollte sich eine Jeans kaufen, da Westverwandschaft nicht vorhanden und die Stadt kennenlernen, die sie bis dato nicht kannte. Wir hatten im Vorfeld nichts mitbekommen, dass Budapest förmlich von Landsleuten belagert wurde. Als wir auf dem kostenlosen Übernachtungsplatz unser Zelt aufbauten waren wir schon überrascht, wie viele Leute dort waren. Meine Freundin hat dann ihre Dokumente vor dem Zelt liegen lassen und die waren am nächsten Tag weg. Also zur DDR Botschaft, neue Dokumente besorgen. Im Vorjahr hatte mir ein Freund erzählt, dass er dort wie ein Aussätziger behandelt wurde. Die Ungarn konnten gar nicht glauben, dass wir nicht die BRD Botschaft suchten. Als wir dann das blaue Wunder der Botschaft erreichten gab es sogar einen Kaffee und nettes Personal. Wieder raus, stellte sich die Frage, ob wir auch gleich mit über die österreichische Grenze abhauen. Meine Freundin wollte aber ihr Wirtschafts wissenschaftliches Studium beenden und ich hatte für den Herbst eine besuchsweise Ausreise in die BRD zu meiner Oma geplant und letztendlich siegte dann doch die Liebe. Wir haben dann noch unseren Weg im wiedervereinten Deutschland gefunden

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Hans Krischanitz 19.08.2019, 12:22
2. Danke

Ein Dank an die Ungarn, die das Ende des Eisernen Vorhangs eingeleitet haben!

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Claus-Martin Cremer 19.08.2019, 13:33
3. George H.W. Bush

Anmerkung: George W. Bush war damals noch nicht US-Präsident, sondern sein Vater, George Bush senior (oder George H.W. Bush). Insofern ist die Bildunterschrift nicht ganz korrekt.

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Thomas Bünder 19.08.2019, 14:00
4. ich war damals

noch recht jung (12) aber da wir Verwandte in der DDR hatten habe ich das Ganze aufmerksam verfolgt auch wenn ich mich an die damaligen DDR-Besuche nicht erinnern konnte. Mein Opa hat mir immer erzählt das er schweissgebadet an der Grenze war um West-Sachen zu schmuggeln.

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Peter Racz 19.08.2019, 19:31
5. Wie sich die Zeiten und die Menschen ändern

Ich, gebürtiger Ungar der donauschwäbischen Minderheit, hielt die DDR-ler (das Wort "Ossi" kannte ich noch nicht) damals für sympatisch. Meine Mutter hat sie sogar mit Essen versorgt in den diversen Zeltlagern um die deutsche Botschaft in Budapest. Nach der Wende bin ich mit einem großen "Aufbau-Ost" Aufkleber auf meinem Auto herumgefahren und war total begeistert.
Heute, nach 20 Lebensjahren in Berlin, muss ich sehen, wie die Söhne und Töchter des selben Volkes für Pediga marschieren, die AfD zu einer Mehrheit verhelfen und meine schlimmsten Vorstellungen über Intoleranz immer wieder übertreffen. Ich bin mit einem ungarischen Buch in der Hand in der Berliner U-Bahn bespuckt und verjagt worden. Ich musste oft genug anhören, dass "ihr" lieber "unter euch" geblieben wart, ohne diese ganzen Ausländer.
Leute! Hätten wir euch alle damals an der Grenze verhaften sollen? Hätten wir gar schießen sollen? Habt ihr alles so schnell vergessen, oder war eure Motivation nur Egoismus und die schnelle D-Mark? Ihr sollt euer Gewissen noch einmal prüfen! Vielleicht ist es noch nicht zu spät.

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Siegfried Wittenburg 19.08.2019, 21:42
6. @ Peter Racz

Ich verstehe Ihre Enttäuschung, doch möchte ich Sie bitten, die Menschen zu differenzieren. Pegida ist zwar laut, doch eine Minderheit. Viele Menschen, aus der DDR, denen Sie damals geholfen haben, treffen Sie als freie Menschen irgendwo auf der Welt wieder. Das wird den Ungarn genauso ergangen sein.

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Hermann Barges 20.08.2019, 09:01
7. dies Picknick war eine Inszenierung Otto von Habsburg´s

wie der "Mauerfall" und der Fall des "Eisernen Vorhang" auch eine Inszenierung war, die sogenannte "Operation Lysakus"

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Siegfried Wittenburg 20.08.2019, 10:16
8.

Ein filmreifes Märchen, das sich ein vermeintlicher Journalist entgegen aller belegten historischen Forschungen ausgedacht hat und im privaten Blog verbreitet. Das Recht dazu hat er heute und möge es behalten, bis in alle Ewigkeit...

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Peter Racz 21.08.2019, 22:59
9. Die, die frei sind, sind nicht mehr im Osten

Zitat von Siegfried Wittenburg
Ich verstehe Ihre Enttäuschung, doch möchte ich Sie bitten, die Menschen zu differenzieren. Pegida ist zwar laut, doch eine Minderheit. Viele Menschen, aus der DDR, denen Sie damals geholfen haben, treffen Sie als freie Menschen irgendwo auf der Welt wieder. Das wird den Ungarn genauso ergangen sein.
Ungarn war schon immer mehrheitlich intolerant gegenüber Fremden, wenn diese keine Touristen waren. Das war schon in meiner Jugend so, und das zeigen die Wahlen und Orbáns Erfolge. Die das nicht aushalten wollten, sind dort bereits alle weg.
Die Pegidisten mögen in der ex-DDR nur eine Minderheit sein, die Intoleranz ist aber auch in Ostdeutschland sehr weit verbreitet. Fast genauso weit wie in Ungarn. Darum bin ich so enttäuscht. Es gibt aber auch ein Unterschied. Die Ungaren jammern weniger und suchen die Schuldigen nicht bei Ihren Westverwandten. Sie wissen es selbst, dass das Land schon immer rückständig war und scheinen es zu akzeptieren. Währenddessen messen sich die Ossis mit Westdeutschland und suchen die Ursachen auch dort, anstatt in sich zu gehen.
Und ja, sie haben recht, viele aus der DDR sind irgendwo, meistens in Westdeutschland, weil sie dort frei sein können und nicht ihre intoleranten Nachbaren aushalten müssen. Und viele, die im Osten geblieben sind, sind dadurch noch verbitterter und suchen die Ursache noch mehr außerhalb.

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