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Frauensiedlung Loheland: "Eine neue Generation Weib"

Loheland-Stiftung Archiv Bei Fulda gründeten zwei Gymnastiklehrerinnen vor 100 Jahren einen einzigartigen "Amazonenstaat". Die Loheländerinnen waren erfolgreich - mit Kunsthandwerk, einer Doggenzucht und freizügigem Tanz.

04.07.2019, 15:27
1. Warum im Dritten Reich Loheland nicht geschlossen wurde

ist eine interessante Frage. Denn mehr Esoterik geht eigentlich nicht. Vermutung: Die galten als "Lesbentruppe" - und da hielten sich SS und Gestapo raus.

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Thomas Schröter 04.07.2019, 16:14
2. Die Nazi integrierten erfolgreich die meisten Frauenbewegungen

Die Nazis verstanden es hervorragend sich die überwiegende Mehrzahl der Frauenbewegungen und da insbesondere die Frauenemanzipation zu Nutze zu machen.
Das Versprechen Frauen stärker an der Macht und in Führungspositionen partizipieren zu lassen verschafte eine breite Unterstützung gerade in der weiblichen Bevölkerung und half den Widerstand aus konservativeren Bevölkerungsgruppen zu brechen.
Organisationen wie der BdM oder der Reichsarbeitsdienst leisteten in diesem Sinne einiges.
Später im Krieg wuden Bdm-Führerinnen auch an der Waffe ausgebildet und nicht selten verpflichtet.

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04.07.2019, 16:38
3.

Ähhh, ein auffälliges Loch in der Darstellung der Geschichte Lohelands während des Nationalsozialismus.
Und eine gewisse Nähe von Naturmedizin, Frauentanz, rytmische Erziehung gibt es da durchaus.
Man findet Loheland zB. durchaus im Kontext von Erziehungsratgebern in dritten Reich (ohne daraus direkten Zusammenhang konstruieren zu wollen)
Ein genauer Blick wäre da sicher angebracht.

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Peer Voss 04.07.2019, 16:47
4. und wie war deren Sex- und Liebesleben so?

ist ja nunmal ein wichtiger, oder der wichtigste Teil unseres Lebens, zumal wenn im Alter der Loheländerinnen. Waren sie zur Hälfte lesbisch, mit Beziehungen untereinander? Und die andere Hälfte ab und zu mit Affairen zu Männern "draußen"? Und hatten jene dann eher Hausverbot oder wurden die auch mal mit angebracht. Ich fand es sehr interessant, durch diesen Artikel zum ersten Mal etwas von Loheland zu erfahren, aber diese Fragen hätten mich auch sehr interessiert

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Thomas Jenny 05.07.2019, 08:01
5.

Um die die Zeit des Nazi Deutschland hat man hier elegant einen großen Bogen gemacht. Es fehlt z.B. der Hinweis, daß nationalsozialistische Lehrinhalte in der Ausbildung unterrichtet wurden - wenn auch unter politischen Druck - was dann zur Trennung der beiden Gründerinnen führte. Einen ähnlichen Artikel gab es vor ca. 15 Jahren in der FAZ, wo dies zumindest erwähnt wurde.

Dennoch interessanter Beitrag über Menschen, die nicht gejammert haben, sondern ganz einfach ihren Traum unter schwierigen Bedingungen verwirklichten.

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Christian Herdt 05.07.2019, 13:09
6. Wirklich ein interessanter Bericht

Ich finde es sehr beeindruckent wie diese Frauen quasie aus dem Nichts etwas aufgebaut haben, vor allem wenn man bedenkt welche Stellung Frauen zur damaligen Zeit hatte. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen das man während der NS-Herrschaft einfach so unter dem Radar weitermachen konnte. Hier muß ich mich der Kritik der übrigen Foristen anschließen, dieser Aspekt kommt mir doch ein bisschen zu kurz und erweckt bei mir eher das Gefühl das man hier einfach den Mantel der Vergessens darüber ausbreiten möchte.

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Johannes Mueller 05.07.2019, 13:59
7. Ruf und Realität

Auf dem Hof meiner Verwandtschaft nahe Loheland lebten in den fünfziger und sechziger Jahren viele junge Mädchen, die eine Ausbildung - irgendwas mit Gymnastik oder so- dort machten. Die meisten eher aus begütertem Haus. Natürlich würde über das Leben der Mädels viel geflüstert. Phantastereien aus der eher kargen Rhön oder Hörensagen gespeist aus der Vergangenheit: keine Ahnung nach so vielen Jahren. Meine Erinnerung und ich lebte dort oft mehrere Wochen am Stück: eher selbstbewusste Teenager, die froh waren den zu jener Zeit noch ängstlichen Elternhäusern entflohen zu sein, die bei der Ernte auf den Höfen mit anpackten. Mädels mit viel Spass am Leben und damit auch an Jungs. Naja, aber vielleicht verklärt das Alter auch nur die Erinnerung.

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Erhard Stammberger 05.07.2019, 14:31
8. Mir scheint da ohnehin einiges lückenhaft und beschönigend

Ich war 1961 an der Schule Loheland, die damals auch ein Internat beherbergte. Was da gelehrt wurde, habe ich erst später begriffen: Im Musikunterricht "skurrile" Lieder mit rassistischem Einschlag, Sonnwendfeier vor Frau Langgaards Haus mit "Flamme empor ... dass Deine Feinde weichen". Am schlimmsten die Erzieherin von Erst- bis Viertklässlern, die eher den Eindruck machte, ihr pädagogisches Handwerkszeug beim BDM gelernt zu haben als bei "befreiten Frauen". Die Prügelstrafe (mit Holzkleiderbügel auf den nackten Hintern) war ihre Lieblingsstrafe. Auch das war zumindest Loheland, für mich glücklicherweise nur ein halbes Jahr, weil meine Eltern die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit schnell durchschauten.

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Ingrid Scherübl 08.07.2019, 18:37
9. Das Lesbische getilgt -- wieso nur immer wieder?

Lesbisches Leben ist kein schmutziges Laster, es ist eine -- wie man an diesem Beispiel sieht -- kreative Realität. Dieses Verschweigen dieser lesbischen Lebensentwürfe finde ich unzeitgemäß. Wieso wird das nicht benannt?

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