Forum: einestages Blogs
Ganz nah Ost
max muetze 14.04.2009, 09:41
1.

Danke für den schönen Bericht und die neutralen Bilder. Sie reisten in einer aufregenden Zeit durch den Osten. Erschreckend fand ich, dass die Suite von Honecker nicht viel anders als die "schrömmeligen" Wohnungen aussah. Selbst seine Behausung in Wandlitz wirkte wie von einem Sozialhilfeempfänger.

Damals war es noch fast normal, dass man fremde Leute bei sich übernachten ließ. Und davon profitierte ich wie viele andere Tramper, die quer durchs Land zogen. Irgendwo kam man immer unter.

Auch später, als ich gleich nach der Wende für einen Verlag im Außendienst arbeitete, schlief ich hauptsächlich bei Familien. Einerseits, weil es kaum Hotels gab, andererseits weil ich so hautnah miterlebte, wie sich die Wende auf die Schicksale der Menschen auswirkte.

Was mich damals an vielen meiner Landsleuten nervte, war ihr devotes Auftreten auftreten gegenüber Westlern. Das bekam ich immer wieder zu spüren, weil sie mich für einen von "drüben" hielten und sich eben auch ständig entschuldigten, weil sie meinten, das, was sie zu bieten hatten, wäre nicht gut genug.

Inzwischen ist in Sellin der Luxus eingekehrt. Die alten Häuser prächtig renoviert. Wobei mir auch der marode Charme zusagte, weil er in sich die Möglichkeit der Veränderung zum Positiven birgt. Während das Fertige Stagnation oder Niedergang beinhaltet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Siegfried Wittenburg 01.07.2010, 17:04
2.

Beim Stöbern bin ich auf diesen einfühlsamen Beitrag mit den Bildern gestoßen und erinnere mich im Gegenzug, als ich 1988 einen Pass zur zeitweiligen Ausreise aus der DDR in die Bundesrepublik erhielt. Der Anlass war der 85. Geburtstag meines Onkels in Essen. Allein die Beantragung und die Umstände, die zur Erteilung der Ausreisegenehmigung führten, sind eine skurille Geschichte.

Auch ich hatte eine Kamera mit, doch mein Kopf hat im Westen seinen Dienst versagt. Als ich in einen Supermarkt ging und am Backshop Unmengen von Brot- und Brötschensorten sah, war das für mich ein Kulturschock.

Wie Karlheinz Jardner eine Stunde an den Kreidefelsen saß, so saß ich eine Stunde im Museum Folkwang und habe mir einen riesigen Chagall im Original angeschaut. Zu den Kreidefelsen auf Rügen zu gelangen, war auch für die Menschen in der DDR nicht einfach. Ich habe sie auch erst 1990 das zweite Mal gesehen und dort oben und unten tief durchgeatmet. Das Rügen-Bild von Caspar David Friedrich habe ich 2007 in Hamburg sehen können und mir gedacht: Welchen Kultur- und Naturreichtum wir uns in Deutschland gegenseitig eröffnet haben!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Kai Bonte 14.03.2014, 12:12
3. Ganz nah Ost

Eigentlich wollte er nur mal die Kreidefelsen auf Rügen sehen - doch dann entdeckte er den spröden Charme des Ostens: Bei einer Reise durch die DDR machte der Fotograf Karlheinz Jardner im Wende-Frühling 1990 faszinierende Fotos - und dokumentierte eine Welt, die bald für immer verschwand.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Martin Benschneider 23.05.2014, 15:58
4. Erinnerung

An das Sowjet-Denkmal in Bild Nr.9 kann ich mich noch gut erinnern. Auf dem Weg von Neubrandenburg, zu den Großeltern nach Rheinsberg, musste man in Neustrelitz über den gepflasterten Kreisel fahren, in dessen Mitte das Denkmal stand. Irgendwann war es dann aber verschwunden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Gregor Schulz 11.08.2015, 16:36
5. Honnis

Die Honecker-"Suite" ist der Knaller. Da wohnt man heutzutage ja in jeder Jugendherberge besser.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Rolf Dießner 11.08.2015, 17:56
6. Das Cliff-Hotel...

... hieß zu DDR-Zeiten noch unverfänglich "Erholungsheim Baabe". Abgesehen vom damaligen Interieur hatten die Bonzen Geschmack. Der Blick aus den oberen Etagen auf Insel und Ostsee ist auch den heutigen Preis wert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Daniel Brosowski 12.08.2015, 08:13
7. Bild 17

Das Foto zeigt nicht das neueste DDR-LKW-Modell, sondern einen wohl ziemlich betagten IFA W50. Erst kurz vor der Wende kam der "neue" L60 mit Diesel-Sechszylinder auf den Markt. Der W50 hatte nur einen 4 Zylinder Diesel mit 125 PS. Ansonsten sehr schöne Fotos und eine gute Story!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Erwin Jeschke 12.08.2015, 08:31
8. Herr Wittenburg !

Warum war es selbst für Leute aus der DDR ein Problem zu den Kreidefelsen zu gelangen ?
Kann ich nicht nachvollziehen !
Gruß ein Rüganer

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Tania Loran 12.08.2015, 09:31
9. Bild 26

Wenn das mal nicht ein STRING-Regal auf Bild Nr. 26 ist! Ein Designklassiker in DDR Schick ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren