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Helmut Kohl, verdruckster Patriarch
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19.04.2009, 21:02
1.

Abgesehen davon, daß mir spontan kein Politiker gleich welcher Partei einfällt, der als Vorbild dienen kann, wüßte ich nicht, wen ich mir sonst in diesem Land zum Vorbild nehmen sollte.... SPIEGEL-Redakteure etwa ???

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19.04.2009, 21:02
2.

Spiegel war Spiegel, Spiegel ist Spiegel und Spiegel bleibt Spiegel.
Ist doch klar, dass der Spiegel seine Hetzjagd, die er über Jahrzehnte gegen KOhl und Strauß berieb, auch heute noch fortsetzt.

Dennoch zeigt die gewünschte Schärfe gegen Kohl erst recht dessen historische Stellung in Deutschland und Europa.
Nur wer ein über den Tag hinaus gültiges und bedeutendes Werk geschaffen hat wie Helmut Kohl bietet schlechter Polemik wie in diesem Artikel genügend Angriffsfläche.

Es ist natürlich für selbsternannte Intellektuelle, zu denen sich diese "Krimiautorin" wohl zählen dürfte, sehr schmerzlich zu sehen, dass der geist nunmal nicht links stehen muss, und dass eine Symbiose zwischen heimatverbundenheit und Weltoffenheit nunmal kein Widerspruch ist.

Aber der Autorin sei zu Gute zu halten, dass sie für gewöhnlich Groschenromane schreibt und sich heute mal an der verfassung einer polemischen Schrift versucht hat, die Ausfluss ihrer schon zu Jugendzeiten und bis heute nicht geistig aufgearbeiteten Abneigung gegen Konservativismus ist.

Zur Bildung einer historischen Meinung über Bundeskanzler Helmut Kohl fehlt es ihr schlicht sowohl an Wissen (z.B: über die historisch bekannten Abläufe des Wiedervereinigungsprozesses) als auch an Objektivität.

Sei es drum.

Wie gesagt: Die versuchte Schärfe und totale Abneigung der Linken gegen Kohl zeigt erst dessen historische Größe.
Warum sonst, sollten die pseudointelektuellen Linken ihre sonst so ach geschätze Dialektik bei diesem Thema ablegen?
Einfach weil solche Hassschriften nicht Ausfluss einer geistigen Tätigkeit, sondern Ausfluss ihrer emotionalen Wut gegen den Erfolg des europäischen Ehrenbürgers ist.

PS: Vielleicht hätte helmut Kohl ja auch einen Künstlernamen annehmen soll.
Gruß

Willy

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Michael Lehn 19.04.2009, 21:02
3.

Die verbitterte alt-linke hat recht: ich bin 32, fand Kohl schon immer gut und wäre ich gefragt worde ... ich hätte auch für Kohl und niemals für Brandt oder Schmidt gestimmt.

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Hans-Joachim Funke 19.04.2009, 21:02
4.

Wie richtig lag Kohl dem Spiegel kein Interview zu geben .Fast wahnhaft mutet es an wie immer noch der Spiegel versucht Kohl abzuwerten . Als jahrzehntelanger Spiegelleser erinnere ich mich noch gut an die bewußt kränkend gemeinte von Spegelschreibern zuerst kreierte Kohlbeschreibung " Birne" Natürlich ist er als Kanzler ein Vorbild : er zögerte mit Recht Sozialabbau zu betreiben , Renten-und Arbeitslosengeld zu kürzen und mit schnarrendem Ton
Grundweisheiten zu verkünden .(Schmidt )Auch ist mir nicht bekannt ,daß persönliche (legale ) Bereicherung nach der Kanzlerschaft sein Hauptziel gewesen wäre ( Schröder ) Bezeichnend für Kohl ist die gute ( freundschaftliche ) Beziehung zu Willy Brandt -meinem politischen Vorbild

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19.04.2009, 21:02
5.

Der letzte Absatz des Artikels bestätigt das, was von Anfang an unterschwellig immer deutlicher wird: Die Autorin hat keinerlei Respekt vor der Persönlichkeit Helmut Kohls. Kritik ist eine Sache, Respektlosigkeit eine ganz andere. Und so etwas in einer Sonderausgabe über 60 Jahre BRD abzudrucken, ist meiner Ansicht nach absolut daneben und eine Beleidigung des Kanzlers, der maßgeblich an der deutschen Einheit beteiligt war.
Dies ist nicht das Niveau des Spiegels. Schande.

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19.04.2009, 21:02
6.

Frau Dorn, warum bezeichnen Sie die Generation der 30- bis 44-Jährigen, zu der ich mich auch zählen darf, als geschichtsvergessen und infantil egozentrisch? Haben Sie dafür andere Beweise als den Umstand, dass Helmut Kohl in den Augen unserer Generation eben einen bleibenderen Eindruck hinterlassen hat, als Adenauer, Brandt und Schmidt?
War z.B. Schröder, dessen Ausspruch "Das ist Frauen-Gedöns" mir im Gedächtnis geblieben ist, nicht ein viel größerer Patriarch?

Irgendwie liest sich Ihr Beitrag wie das wortgewordene Aufstampfen eines kleinen Kindes. Da fehlt der Witz.

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Gregor Rosen 19.04.2009, 21:06
7.

Nach 16 Jahren Kanzlerschaft und nochmal 10 Jahren Dasein als Altkanzler bleibt nur das Bild von Birne? Eine harmlose, nette, aber irgendwie unförmige Figur? Diese Beschreibung geht wohl genauso an der Realität vorbei wie die zitierte Umfrage, wonach ausgerechnet Kohl ein großer Deutscher sein soll.

Kohl war in Wirklichkeit vor allem eine Machtmaschine. Jemand, der es verstand wie kaum ein anderer, die Mehrheiten immer wieder zusammenzutragen, mit denen er dann zu operieren verstand und immer wieder weiterregieren konnte. Mal musste er dafür Parteifreunde ausschalten, mal einen Skandal ummünzen und am liebsten eigene Konflikte aussitzen. Manchem gilt sein ungeklärter Spendenskandal als Indiz dafür, dass er Mehrheiten notfalls auch schlicht gekauft hat.

Größe jedenfalls ist etwas anderes, als einen Apparat zu beherrschen. Größe bedeutet, heraus zu ragen. Heraus aus dem Apparat, etwas anzubieten, was über den Apparat hinaus reicht. Eine Botschaft, ein Ziel, eine Haltung - irgendetwas. Kohl aber ragte nicht heraus, er buddelte sich ein. Jeden einzelnen Abweichler konnte er Jahrzehntelang persönlich verfolgen. Verzeihen, Größe zeigen, darüberstehen, das war nicht sein Ding, nicht seine Denke, nicht sein Wesen.

Auch den letzten großen Konflikt - sich mit dem klaren Verfassungsbruch eines handfesten Parteispendenskandals aus der Politik zu verabschieden - will er nicht aufklären, sich nicht entschuldigen, ihn nicht bewältigen. Stattdessen seit zehn Jahren das alte Muster - aussitzen.

Aber genau das funktioniert nicht mehr in gewohnter Weise. Den Abgang vergessen wir nicht. Verzeihen würden wir vielleicht, nur müsste Kohl dafür um Verzeihung bitten und um das zu können, müsste er entweder die Spender nennen oder eben zugeben, dass es keine gab und dann erklären, woher das Schwarzgeld ansonsten kam. Und so bleibt es dabei, das Kohl nicht mehr als ein gut funktionierender Apparatschik war.

Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger verfügt er als Altkanzler aber über kein persönliche Autorität. Ein bitteres Zeugnis nach der längsten Kanzlerschaft der Bundesrepublik. Nicht weil auch er mal Fehler gemacht hat, fehlt es ihm an Autorität, sondern weil es ihm genau an einem fehlt, an Größe.

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19.04.2009, 21:06
8.

Das Zitat "Wichtig ist, was hinten rauskommt!" wird gemeinhin Helmut Kohl zugeschreiben.
In dieser stilistisch - sagen wir ruhig "birnigen" - Formulierung erkennt der Zeitgenosse : Es war Helmut Kohl schlichtweg egal, ob Margaret Thatcher von ihm genervt war oder ob er als intellektuell-weltläufiger Staatsmann wahrgenommen wurde. Und: Sein Antrieb waren seine Ziele.
Und das, "was herauskommt", liebe Thea Dorn, ist immer wichtiger als der Weg zum Ziel.
Freuen wir uns doch, dass Helmut Kohls Zeitgenossen dies offensichtlich verstanden haben.

Dirk Albrecht

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19.04.2009, 21:06
9.

Als Mitglied der sogenannten Generation Golf bin ich von diesem Urteil auch ueberrascht. Kohl war nie "cool" bei uns (Abi '93), er verkoerperte Biederhaftigkeit und Langweiligkeit. Allerdings glaube ich das diese Eigenschaften ihm heute zugute gehalten werden. Die heutigen Zeiten sind vielen Deutschen zu stuermisch.

Ausserdem glaube ich das Kohls Harmlosigkeit auf seiner Ideologielosigkeit beruht. Kohl ging es um sich selbt und um die Macht, da hatte er keinerlei Hemmungen. Sehr post-ideologisch und passend in unsere Zeit. Bis jetzt jedenfalls.

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20.04.2009, 09:54
10.

Von allen Kanzlern, die ich bewusst erlebt habe, der unsäglichste, mir am wenigsten Respekt einflößende ist mit großem Abstand Helmut Kohl!
Er steht in meinem Augen für unpassende politische Vergleiche (Gorbatschow und Goebbels), eine mangelhafte Beherrschung der deutschen Sprache, Politik als Reduktion auf Parteigeklüngel und Machtspielchen und das "Ehrenwort" gegenüber Steuerhinterziehern (allein beim Gedanken dabei, kann ich es nicht ertragen, dass Kohl für viele zu den "großen Deutschen" zählt).

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