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Hochglanz und Gloria
Oliver Kluge 18.10.2011, 12:27
1.

Kodaks Produktpolitik ist immer noch verkorkst. Es gibt ja noch eine kleine, aber treue Gemeinde analoger Fotografen.

Nun kündigt Kodak nach und nach Diafilme ab, aber skurrilerweise in völlig verquerer Reihenfolge. Von zwei Serien (mit und ohne vierte Farbschicht, drei Geschwindigkeiten) kündigt Kodak zuerst den 400er ab und behält den 200er, den eigentlich eh keiner braucht. Jetzt ist der auch noch abgekündigt, aber die alten drei-Schicht-Filme sind noch im Angebot...

Das verstehe wer will. Ich hätte zuerst die alten Filme abgekündigt und dann den 200er...

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18.10.2011, 13:12
2.

"Den Auslöser drückte der Kunde zwar immer noch. Nur den Rest machte nicht mehr Kodak, sondern der Fotograf selbst. "

Stimmt nicht. Ich habe erst gestern wieder Digitalabzüge machen lassen bei einer Firma, die Kodak Royal plus Papier benutzt. Man sollte nicht unterschätzen, dass heutzutage noch viele Leute Fotos auch gerne in Händen halten, in Alben einkleben oder verschenken. Kodak sollte sich einfach auf hochwertiges Fotopapier spezialisieren und hier seine Vielfalt erweitern, um weiterhin am Markt teilzuhaben.

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18.10.2011, 13:46
3.

Da wird man ja direkt wieder nostalgisch...

Ich gehöre auch zu dieser treuen analogen Gemeinde und natürlich ärgert man sich, wenn gefühlt alle 2 Monate eine weitere Filmserie eingestellt wird. Andererseits werden sie das bei Kodak genau durchrechnen und einfach wirtschaftlich handeln. Ich hätte auch lieber immer noch Portra VC und NC anstatt einen, der beide ersetzt, aber ich bin froh, dass man überhaupt noch professionelles Filmmaterial bekommt. Bleibt abzuwarten, wie lange Kodak und Fuji das noch durchhalten - ich erwarte eher das in den nächsten Jahre kleinere Unternehmen in die Nische stoßen werden. Bei SW-Filmen ist das ja schon seit einiger Zeit zu beobachten (Foma, etc.) und auch das Polaroid-Projekt geht ja in die Richtung.

Schwieriger wird's wahrscheinlich, wenn die (von mir sonst nicht gerade geliebte) Lomography-Welle langsam abebbt (eine Frage der Zeit). Die einigermaßen konstante Nachfrage nach Film in den letzten 2-3 Jahren ist m.E. nämlich hauptsächlich dieser zuzuschreiben.

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18.10.2011, 14:24
4.

Tragisch, denn Kodak hat auch die erste funktionsfähige Digitalkamera entwickelt. Konkret war es Steven Sasson, der aus dem von Bell Laboratories zuvor entwickelten CCD Chip plus einem Monitor und einer Datenkassette zum Speichern die erste Digicam bastelte. Das war Mitte der 70er Jahre. Das Geschäft machen heute die Asiaten.

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18.10.2011, 14:33
5.

Wow... ich denke, dass auch aus wirtschaflicher Sichtweise die Entwicklung dieses Unternehmens sicherlich sehr interessant ist. Klar, wie christel sagt, sollte man vielleicht mit dem markt gehen und nicht in der Vergangenheit stecken bleiben. Das online Angebot könnte ausgeweitet werden, aber auch die erweiterung in Nieschenprodukte offline ist sicher keine schlechte idee. Fotopapier bieten schon viele an, aber immer nur ein und das selbe. Ich könnt mir da nostalgisches papier vostellen mit krummen ecken und kaffee flecken ;)

so hier, vielleicht <a href="http://www.adpic.de/data/picture/detail/Altes_Papier_159074.jpg"> http://www.adpic.de/data/picture/detail/Altes_Papier_159074.jpg </a>

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joerg behring 18.10.2011, 15:48
6.

als erfolgreiches unternehmen und wenn man es bleiben will, wird man sich wohl immer wieder "neu" erfinden müssen.
als beispiele fallen mir da IBM ein, die ende der 40er meinten einen computer brauchten weltweite keine 3 leute (sinngemäß). Und IBM hätte es besser wissen müssen, hatte man sich doch mit Hollerithmaschinen eine goldene nase im 3. reich verdient.
oder leica, ein unternehmen fast schon den bach runter scheint sich neu erfunden zu haben, im zeitalter der digitalknipserei.
es gibt manchmal entwicklungen, die scheinen erfolg versprechend zu sein, disc-kameras, ritsch-ratsch pocketkameras doch es waren immer nur zwischenlösungen, die schon in der sackgasse waren bevor es richtig los ging. das APS-format war auch so eine entwicklung der man anfangs vertraute und nach kaum 10 jahren war es vorbei auch wenn die entwicklung der dazu gehörigen filmpatrone nicht die schlechteste war, nur eben für einen selbstverarbeiter wie mich, kein thema.
doch an mir wird Kodak nicht zerbrechen, dafür kaufe ich von denen immer noch Tri-X, T-Max, Plus X Pan oder auch farbpapier und Portra für die eigene dunkelkammer.
weitsicht und das sichere gespür wohin sich der markt bewegt zeigen den erfolg einer marke oder eines produktes.
vergleicht man mal den mitbewerber Fuji, wird man feststellen, daß dort das sortiment im analogen bereich schon sehr dünn ist und 120er rollfilme ein schattendasein fristen, falls man sie noch bekommt.
insofern muß man schon fast dankbar sein wenn Kodak noch brauchbares im angebot hat, trotz einiger schmerzlicher verluste wie das barytpapier oder der TechPan, um nur einige zu nennen.
sollte sich doch noch das analogmaterial vor meinem ableben verabschieden, dann höre ich auch auf, mit knipsen, dann erfinde ich meine bilder mit anderen techniken neu, lith, cyanotypie oder was weiß ich, genug material habe ich dann ja.
auch wenn Kodak verstorben sein sollte, analog wird weiter rocken, ganz sicher.

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Alexander Hohmann 18.10.2011, 15:48
7.

Ein bisschen schade finde ich, dass gar nicht erwähnt wird, dass Kodak auch eine große Geschäftssparte im "Imaging" hat, also etwa im Bereich von Scannern von teils industriellem Ausmaß. Gerne hätte man gewusst, welche Rolle diese Sparte in den finanziellen Problem von Kodak spielt.

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Thomas Ludwig 19.10.2011, 09:25
8.

In den Achtziger Jahren reisten die Kodak Mitarbeiter der DIGITALEN Abteilung in Hundertschaften zur Photokina
Was haben die Herrschaften in den Jahrzehnten eigentlich gearbeitet ?

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Kai Bonte 14.03.2014, 11:58
9. Hochglanz und Gloria

Unschöne Entwicklung: Mehr als ein Jahrhundert beherrschte Kodak die Welt der Fotografie und wurde mit bahnbrechenden Innovationen zum Weltkonzern. Doch vom Ruhm ist nicht viel geblieben, das Unternehmen steckt tief in der Krise. einestages über den Abstieg eines Giganten - und seine Geniestreiche fürs Foto-Volk. Von Christian Gödecke

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