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Jagd auf 007
Ralf Bülow 07.08.2008, 16:22
1.

Apropos Straßenfeger: Das war auch der DEFA-Agentenfilm "For Eyes Only" von 1963, in dem Alfred Müller als DDR-Bond einen Tresor mit Geheimakten aus einer westdeutschen CIA-Residentur entwendet. Das Drehbuch basierte auf Tatsachen, blies den realen Fall aber etwas auf, wie zum Beispiel hier geschildert: www.super-illu.de/kino-tv/_For_eyes_only__264708.html

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Olaf Nyksund 07.08.2008, 16:22
2.

Naja, so ganz einseitig und öde war der "Ostblock" (war ja auch nicht wirklich ein "Block") auch nicht, wenngleich es sich um ein verbrecherisches System handelte - auch dort gab es Schriftsteller mit Witz.

Ich kann nur von polnischer (Populär-)Literatur sprechen, die hatte gleich mehrere Bond-like Helden - teils gelungen, teils richtig übel.

Gelungen:

Pan Samochodzik

Eine Mischung aus Superman, Indiana Jones und eben 007. Verbreitet in den 1970er. Protagonist einer ganzen Reihe gleichnamiger Romane von Zbigniew Nienacki. Eigentlich kein Geheimagent von irgendwas, sondern schlichtweg ein Kunsthistoriker, der in seiner Freizeit Legenden der Kunstgeschichte und Kultur nachgeht und dabei unversehens in meistens internationale Affären verwickelt wird - meistens wollen natürlich die ganz bösen westlichen Kunstliebhaber irgendwelche legendären Kunstwerke oder Dokumente (diese gern aus dem Zweiten Weltkrieg) aus der Volksrepublik bringen.

Sein Spitzname, übersetzt: "Herr Kleinauto", stammt von seinem Auto, einem von einem Onkel (wer braucht denn schon einen Q) in ein häßliches Blechkleid notdürftig (Ostblock-Realität eben) verbastelten und mit Amphibienfähigkeiten ausgestatteten Ferrari 410. Der Wagen spielt in jedem Roman natürlich im entscheidenden Moment eine Schlüsserrolle bei Verfolgungsjagden.

In einem der Romane wird unter anderem die Figur James Bond audrücklich und ausführlich besprochen, natürlich nicht ohne propagandistische Züge, aber auch nicht ohne Ironie - mit dieser war Pan S. durchaus ausgestattet, genauso wie mit gesunder Selbstironie.

Das Wirkungsspektrum des Kunsthistorikers erstreckt sich zwischen der Masurischen Seeplatte und einem Schloß an der Loire (hier jagt er den Fantomas!).

Die Bücher waren generell recht spannend, gleichzeitig jugendfrei und für Erwachsene geeignet - ganz Polen las sie, neue Folgen waren sofort ausverkauft, ältere längst aus Bibliotheken geklaut. Neben den ganzen Abenteuern wusste der Autor auch ganze Mengen an naturwissenschaftlichen und historischen Informationen hinein zu streuen, unter anderem über die Freimaurerei, Tempelorden, Kunstgeschichte insgesamt, inklusive Architektur, Malerei etc. -- aber auch - leider - hier und dort propagandageprägte, antigermanische Ressentiments.

Der Autor gab sich später anderen, nicht mehr ganz jugendfreien, Literaturbereichen hin und konnte für sich die Ehre reservieren, den wohl ersten (soft-)pornographischen Roman im "Ostblock" offiziell zu veröffentlichen :-)

Bei echten Agentenstories gab es da nicht allzu viel, die meisten Sensationsautoren flüchteten stattdessen gern in den Bereich von Science Fiction.

Es gab auch einen Versuch, mittels einer Fernsehserie "Zycie na goraco" (übersetz etwa "Das pralle Leben") eine Art James Bond zu etablieren, das war Ende 1970er, die Serie floppte hoffnungslos, weil der adrette Hauptheld, der als "Friedenskämpfer" die ganze Welt immer wieder bereiste, einfach nur unfreiwillig komisch wirkte und die Handlung eine einzige Peinlichkeit darstellte. Die Serie war ein beliebtes Witzobjekt kurz vor dem August 1980 :)

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Kai Bonte 14.03.2014, 11:59
3. Jagd auf 007

Der berühmteste Held des Kalten Krieges war eine literarische Erfindung. Gegen James Bond wurden in Osteuropa fiktive "Kundschafter des Friedens" ins Feld geschickt. Von Peter Münder

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