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Kannibalen im Stalag XB
18.01.2010, 12:28
1.

Nicht vergessen sollte man, daß Reste von Stalag XB nach dem Krieg weiter benutzt wurden. Als damaliger "SBZ-Flüchtling" wurde ich vom 7.Januar 1954 bis zum 26. Januar 1954 im "Jugendlager Sandbostel" (Notaufnahmelager für Jugendliche unter 21 Jahren) untergebracht und auf einen Wohn- und Arbeitsplatz in Süddeutschland vorbereitet. Dieses Jugendlager bestand aus mehreren renovierten Stalag-Baracken sowie dem Vorlager für Verwaltung und ärzliche Betreuung.

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18.01.2010, 14:42
2.

Es sind nicht nur die vergessenen Orte, auch die Opfer sind "vergessen". Mindestens 20.000 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene, die diese Schreckenslager überlebt haben, haben Anträge auf "Zwangsarbeiterentschädigung" gestellt, nur um einen Bescheid zu erhalten, dass sie nach dem Stiftungsgesetz der EVZ als Kriegsgefangene nicht leistungsberechtigt sind. Ihre völkerrechtswidrige "Sonderbehandlung" d.h. die Nichtanwendung der Genfer Konvention auf sowjetische Kriegsgefangene begründete Deutschland damit, dass die Sowjetunion die Genfer Konvention nicht oder nur in Teilen anerkannt hatte. Die polnischen Kriegsgefangenen waren da allerdings schon lange (wenn auch völkerrechtswidrig) in den Zwangsarbeiterstatus überführt worden und offiziell aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Anders als für die italienischen Militärinternierten gibt es allerdings für die Schicksale der ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen und die sog. "Russenlager" der Wehrmacht in Deutschland kein großes Interesse.

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18.01.2010, 16:37
3.

"Es sind nicht nur die vergessenen Orte, auch die Opfer sind "vergessen"."

Es wäre vielleicht eine ganz gute Idee, wenn Russland seinerseits anfangen würde, die Opfer sowjetischer Kriegsverbrechen zu entschädigen -die Ukrainer, die im Holodomor starben, die Offiziere von Katyn, die Millionen von Kasachen und Tschetschenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und umgebracht wurden, Frauen in Deutschland, Polen und der Tschechoslowakei, die vergewaltigt wurden, Balten und Rumänen, die in Gulags verschleppt wurden, darunter 13-jährige Mädchen, die im Nachthemd auf Viehwagen nach Sibirien abtransportiert wurden. Ein guter Anfang wäre, Entschädigung an die Kinder in Afghanistan zu zahlen, die Arme und Beinedurch sowjetische Landminen verloren. Dann erhöht sich vielleicht auch die allgemeine Akzeptanz, Entschädigungen an Sowjetsoldaten zu zahlen.

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20.01.2010, 16:41
4.

@ Susanne Modeski
Darf ich fragen was das mit dem Thema zu tun hat?
Um es mit Ihren Worten zu sagen,... es wäre vielleicht eine gute Idee nicht immer auf die anderen mit den Fingern zu zeigen und bei dem Thema zu bleiben.
Es wäre vielleicht eine gute Idee darüber nachzudenken, wer jetzt die Sowjetunion überfallen hat und es wäre vielleicht eine ganz gute Idee darüber nachzudenken, dass 20 (laut neuen Forschungen bis zu 40) mio toter Sowjetbürger infolge des Krieges umgekommen sind.
Na ja, ich bin auch kein Freund der russischen Politik, aber immer irgendwas hervorzuholen was nicht mit dem Thema zu tun hat, ist einfach lächerlich.
Oder soll ich das genauso machen?
Sie regen sich bestimmt auch über Israel auf, wie? Die sind doch auch ganz böse!!!
Ach ja, die USA sind Ihrer Meinung sicherlich ganz schlimm und sooooooo schlimm waren die Deutschen nun auch nicht, oder?

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21.01.2010, 17:37
5.

Mit Verlaub - die Überschrift des Beitrags "Kannibalen im Stalag..." ist ein Beispiel für eine ungeheure Geschmacklosigkeit, und das von deutschen (Spiegel?-)Journalisten, die es doch immer so gut meinen: Sie suggeriert, das Kannibalen eingesperrt wurden. Das die armen Kerle dies taten - wie auch in Leningrad während der deutschen Belagerung - weil sie verbrecherisch behandelt wurden, gehört ausreichend ausgedrückt - auch und gerade in einer Überschrift, die zuweilen nur flüchtigh gelesen wird. Das hat überhaupt nichts mit Gutmenschentum zu tun, sondern mit normalem Menschenverstand und Geschichtsverständnis. Wir Deutschen meinen immer, mit unzähligen TV-Dokumentationen und Kopien in den Schulen das 3. Reich abhandeln zu können, und dann passieren solche Sachen, die mit Gedankenlosigkeit schwer zu erklären sind. Gerade weil ich auch um unsere deutschen Opfer im und nach dem 2. Weltkrieg trauern können möchte, muss ich mir auch die Gefühlslage der anderen, gerade östlich gelegenen Völker bewußt werden; wie könnte ich sonst angesichts dieses Artikels trauern, wenn mann in das Brückenmuseum in Remagen geht, wo an die - verhältnismäßig wenigen! - in amerikanischer Lagerhaft gestobenen Wehrmachtssoldaten erinnert wird? Es geht nicht um´ s aufrechnen. Aber es sind eben doch verschiedene Dimensionen gewesen, bedingt durch eine Rassenideologie. Dann lasst uns aber auch die Konsequenz für angemessene Formulierungen und Überschriften ziehen.

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22.01.2010, 09:22
6.

Ich kann mich noch sehr gut an meine Jugend erinnern (1980er Jahre), als das Thema "Lager Sandbostel" kontrovers in der Zevener Zeitung diskutiert wurde. Und mit kontrovers meine ich, dass mein alter WuK-Lehrer Borgsen (siehe Bericht) und ein paar andere sich gegen den Rest der Samtgemeinde / des Landkreises ROW Leserbriefschlachten in der Zevener Zeitung geliefert haben - als ob irgendjemand den Sandbosteler Einwohnern jemals einen Vorwurf gemacht hätte - genauso gut hätte das Lager in Ochelhusen, Selsingen oder meinem Heimatdorf Rockstedt stehen können.
Und an Herrn Eul: Den Titel "Kannibalen..." mögen Sie zwar reißerisch finden - für mich selbst verdeutlicht er jedoch ausschließlich die Zustände im Lager - wie schlimm muss es gewesen sein, dass Menschen so etwas tun. Niemals würde ich aus dem Titel schließen, dass dort Menschen aufgrund ihres Kannibalismus eingesperrt gewesen wären.

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Kai Bonte 14.03.2014, 12:06
7. Kannibalen im Stalag XB

Rund 150 Kriegsgefangenenlager betrieben die Nazis während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. Stalag XB war eines der größten. Dort schufteten und starben Tausende. Bis heute stehen Lager wie dieses als Erinnerungsorte im Schatten der KZs - doch oft ging es dort nicht weniger grausam zu. Von Jochen Bölsche

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