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Kasernenort in Polen: Die Geisterstadt, die keine mehr ist
Matthias Kneip

Erst waren die Deutschen da, dann die Russen. Bis 1992 war dieser Ort auf keiner polnischen Landkarte eingezeichnet: Jahrzehntelang existierte Borne Sulinowo nur im Geheimen. Aus gutem Grund.

Dietrich Torsch 15.05.2016, 10:52
1. Kaserne

"Ein Zentrum, geschweige denn einen Marktplatz, gibt es nicht." Wer eine Kaserne gesehen hat, müsste von Exerzierplätzen gehört haben.

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15.05.2016, 11:28
2. Lieber Herr Kneip

Ein schöner Artikel. Etwas mehr Sorgfalt wäre schon wünschenswert.

"Aleja Niepodlegoci"...?
"Aleja Niepodleglosci" wäre richtig, wenn man die polnischen Buchstaben nicht berücksichtigt.

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Ernst Jolitz 15.05.2016, 22:04
3. Borne Sulinowo

Ich bezweifele, dass Borne Sulinowo auf keiner polnischen Karte verzeichnet war. Neben dem russischen Kasernenkomplex gab es immer die Gemeinde und die jetzige Stadt Borne Sulinowo, in welche die benachbarten Dörfer schon vor 1992 eingemeindet worden waren. Borne Sulinowo ist so die jüngste Stadt Polens geworden. Richtig ist wohl, dass der von der Sowjetunion errichtete Kasernenkomplex, der räumlich getrennt vom ehemaligen deutschen Kasernkomplexes liegt, auf keiner Karte verzeichnet war. Ich weiß, wovon ich rede. Die Familie meiner Mutter kommt aus einem der Nachbardörfer (Silnowo/Eulenburg). Ich bin selbst schon in Bone Sulinowo/Groß Born gewesen. Der Ort liegt in Hinterpommern im früheren Kreis Neustettin. Hinterpommern ist erst nach 1945 zu Polen gekommen. Die von Hitler realisierten Planungen des Truppenübungsplatzes Groß Born stammten noch aus der Kaiserzeit.
Ernst Jolitz

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Magdalena von Esden 17.05.2016, 23:46
4. Anmerkung

Der Bereich zwischen Stettin und Danzig ist dicht besiedelt und prosperierend. Der Norden Polens, der lange Küstenstreifen ist kein Niemandsland, wie es der Artikel suggeriert. Und, die Aleja, unabhängig vom Flüchtigkeitsfehler, ist die Allee der "Nichtunterlegenheit". Ein schöner polnischer Begriff, der sich leider nicht so einfach in Unabhängigkeit übersetzen lässt.

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Olaf Nyksund 08.06.2016, 09:20
5. @ Magdalena von Esden

Hinterpommern / Pomorze Zachodnie und "dicht besiedelt"? Diese Behauptung mutet schon mal unplausibel an. Ein kurzes Googeln widerlegt Ihre Aussage entschieden. Eine schöne Visualisierung mit aussagekräftigen Zahlen finden Sie etwa unter folgendem Link:

http://landkartenindex.blogspot.de/2014/08/landkarte-zeigt-die-bevolkerungsdichte.html

Dicht besiedelt sieht nun wirklich anders aus.

Entlang der Ostseeküste mag der Tourismus boomen, mögen die Kurorte prosperieren - gar keine Frage, das taten sie auf eine ganz eigene, von der Mangelwirtschaft gezeichnete Art schon während des kommunistischen Regimes. Heute boomen dort die Reise-, Wellness- und vor allem die (Zahn-) Medizinbranche.

Fahren Sie aber - statt nach Kolberg und Danzig - die Nationalstraße von Stettin in Richtung Bydgoszcz / Bromberg, merken Sie, warum in dieser Gegend _keine_ Autobahn geplant ist: Wirtschaftlich nicht gerade prosperierend, von dichter Bevölkerung keine Rede. Das war nie anders, da sind vor allem Wälder, Wälder und wieder Wälder zwischen der Ostsee und der Warthe. Wälder und - na ja - eben militärische Sperrgebiete.

Zur Zeit des Sozialismus waren ganze Landstriche von der Karte getilgt, man denke nur an die gewaltigen Truppenübungs-/Manövergelände bei Drawsko Pomorskie / Dramburg, und das ist nur ein Beispiel, das mir aus Erfahrung bekannt ist. Da ist größtenteils immer noch entweder nichts oder ein Sperrgebiet.

Recht gebe ich Ihnen bei der Deutung des Wortes "niepodległość". Es gibt ein bedeutungsverwandtes Wort "niezależność" bzw. seine antiquierte Form "niezawisłość", welches sich in der Wortbildung und Semantik perfekt mit den Begriffen "Unabhängigkeit" / "independence" deckt. "Niepodległość" hat da tatsächlich ein leicht verschobenes semantisches Feld. Mal wieder ein Beispiel, wie viel die Sprache über die jeweilige Nation zu erzählen vermag.

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