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Klassenkampf per Kartoffelkäfer
Michael Schnickers 26.10.2007, 12:02
1.

Sehr gutes thema!

Bitte mehr davon!
auch vergleichende Propaganda.

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26.10.2007, 13:18
2.

Hallo, Herr Schnickers,

zur vergleichenden Propaganda ein Hinweis:

Die DDR unterm Lügenberg
von
Ralph Hartmann, DDR-Botschafter a.D.
im Ossietzky Verlag Hannover, 2007 erschienen.

"Hier wird in 10 Kapiteln zu den wichtigsten Lügen in dieser Gesellschaft über die DDR Position bezogen. Hier werden die Lügen entlarvt und mit vielen Beispielen, Fakten und Zahlen argumentiert."

Ich habe es noch nicht gelesen, werde es mir mal besorgen, Trotzkis Ausspruch im Hinterkopf:

"Vielleicht kann ich die Wahrheit finden, indem ich die Lügen vergleiche." - Leo Trotzki 1925 während eines Schauprozesses

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Redaktion einestages 31.10.2007, 10:00
3.

hallo! funktioniert das hier überhaupt???

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21.12.2007, 10:28
4.

Es war, glaube ich, in der 7. oder 8. Klasse, da ging es im "Staatsbürgerkunde"-Unterricht um die Rolle West-Berlins als "Pfahl im Fleische" der DDR (Spionage, Westradio/TV etc.).
Da fragte ein Mitschüler ganz naiv:
"Ja könnten wir die nicht einfach blockieren, also keine Nahrungsmittel etc. mehr durchlassen?" Von der wirklichen Blockade 1948 wussten wir ja nichts.
Da sagte der Lehrer ohne mit der Wimper zu zucken:
"Das würden Sozialisten NIEMALS tun, weil wir ja vor allem den West-Berliner Arbeitern - den 'Klassengenossen' - schaden würden!"
Ich werde das nie vergessen.

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23.12.2007, 16:50
5.

Übrigens das Thema Kartoffelkäfer kenne ich auch habe diesen auch jagen müssen. Übrigens ameriknische,englische oder französische flugzeuge ,nämlich die der Siegermächte des 2.Weltkrieges konnte man schon hoch oben am Himmel ihre Bahn ziehen sehen.Für diese Maschinen wurde eigens ein 30 km breiter Luftkorridor durch die Sowjets zur Verfügung gestellt.In diesem Zusammenhang ist mir eine Sache in Erinnerung gebieben. Mein Vater kam eines Tages zu uns Kinder und zeigte uns ein rosafarbenes A5 Blatt. Es war ein sogenanntes "Hetzblatt" der Amis--so seine Aussage. Der Inhalt dieses Flugblattes ist mir leider nicht mehr geläufig.Es muss sich aber um tief unter der Gürtellinie gehendes verfasstes Pamphlet gehandelt haben. Wir Kinder bekamen nun den Auftrag die weit verstreuten Exemplare einzusammeln und sie den anwesenden Eltern übergeben. Da der sich der Luftkorridor auch über meine Heimatstadt Eisleben befand und wir Kinder dies auch wussten--hatte man natürlich den Amis die Schuld in die Schuhe geschoben. Was wirklich an der Sache dran war hab ich nie erfahren

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Olaf Nyksund 03.08.2009, 15:51
6.

Herr Neubauer, an der Geschichte war definitiv nichts dran. Wie wäre es denn sonst gekommen, dass die "Amerikaner"-Story auch in anderen sowjetisch besetzten Ländern Europas gleichlautend propagiert wurde? Wäre ein solcher Sabotageakt zumindest im westlichen Teil der DDR denkbar - technisch jedenfalls - so wären die "amerikanischen Flugzeuge" niemals nach Polen oder über die Tschechoslowakei hineingedrungen, ohne sofort den Dritten Weltkrieg auszulösen.

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19.08.2010, 12:21
7.

Aus meinen eigenen Erinnerungen an eine Kartoffelkäfer-Suchaktion als Schulkind: Nach der zweiten Unterrichtsstunde rückten wir, die Klassen 5 bis 8, zur Eliminierung der amerikanischen Sabotageakte und zur Vernichtung der gefährlichen Schädlinge in Richtung der Beelitzer Kartoffeläcker und der umliegenden Dörfer aus. Wie die Kartoffelkäfer und die Larven aussehen, hatte man uns erklärt. Bildmaterial stand nicht zur Verfügung. In fröhlicher Stimmung über den Unterrichtsausfall stürmten wir, die Mädchen und Jungen unserer 6. Klasse, die Kartoffelfelder beiderseits der Schönefelder Chaussee. Damals, 1948, wurde die Landwirtschaft noch von Einzelbauern betrieben, die Flächen waren überschaubar und von Feldwegen durchkreuzt. Es wurde nicht um Erlaubnis zum Betreten der Felder gebeten, die ?gesellschaftliche Notwendigkeit? bestimmte unser Tun. Also durchwanderten wir lachend und herumalbernd die angehäufelten, in Blüte stehenden Kartoffelreihen. Es war mehr Neugier als Plicht, unsere Augen waren aufmerksam auf die Pflanzen gerichtet, jeder von uns wollte der Erste sein, der diesen Unheil bringenden Käfer entdeckt. Wir fanden nur keinen, die Amis hatten wahrscheinlich dieses Feld bei ihrem schändlichen Treiben übersehen. Auch die beiden nächstdurchsuchten Äcker brachten keinen Erfolg. Unser Interesse lies nach, zumal es inzwischen recht warm geworden war. Uns war eher nach Badengehen zumute, die Nieplitz mit der Arche lag unweit von unserem Aktionsbereich entfernt, das lockte.
?Ich kann nicht mehr, ich habe mir bereits eine Wasserblase am Hacken gelaufen,? jammerte Waltraud Rose. Mit herabgezogenen Mundwinkeln setzte sie sich ins Gras am Rand des Chausseegrabens. ?Ich habe auch die Nase voll. Unser Umherlatschen bringt doch nichts,? ergänzte Ingrid Schütze. Etwas deutlicher äußerte sich Gerhard Hensch, ?das ist sowieso alles nur Spinnerei mit den Kartoffelkäfern, unsere Oma, obwohl sie kaum noch krauchen kann, schafft es gerade mal bis zum Kartoffelacker, hat auch noch keinen der abgeworfenen Schädlinge aufgespürt. Laufen kann Oma kaum noch, aber Augen hat sie wie ein Adler, der entgeht nichts. Außerdem, hier kommt überhaupt kein Flugzeug rüber, und oben in Heilstätten, da wo die rüberfliegen, ist nur Wald, da können die Amikäfer bloß Kiefernnadeln knappern.?
Gerhard sagte wirklich ?Amikäfer?. Es ist aber nicht verbürgt, dass hier der später recht häufig verwendete Begriff ?Amikäfer? geboren wurde. ?Naja, so schlimm war dieser Einsatz auch nicht, wir hatten zumindest keinen Schulunterricht,? sagte Kurt Kirchner. ?Und bekommen keine Hausaufgaben auf,? freute sich Gerhard Hensch. Er war der einzige Bauernsohn in unserer Klasse. Er wurde damals nicht, wie die anderen Bauernkinder in die Förderklasse übernommen, wahrscheinlich war die Landwirtschaft zu klein, die er, der 12-Jährige, mit seiner Mutter und den gebrechlichen Großeltern betreiben musste. Dass Gerhard ein aufmerksamer, und ein schnell begreifender Schüler war, der leider nur selten Zeit für die Schularbeiten fand, das bescherte ihn nur die einfache Grundschulklasse.
Wir standen lustlos auf der Chaussee, einige hatten sich an den Rand ins Gras gesetzt. Es war nicht zu übersehen, wir hatten einfach keine Lust, ein weiteres Feld zu durchlaufen. Fräulein Busch, die anstelle von Herrn Holder die Aufsicht übernommen hatte, sah und hörte unsere erloschene Bereitschaft. ?Ich denke wir machen Schluss für heute, ihr dürft gehen, aber bitte ohne Geschrei und irgendwelchen Albereien.?

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10.12.2010, 11:04
8.

Ich habe auf meiner Homepage die Broschüre "Dokumente zum Kartoffelkäferabwurf" als PDF (4.8 MB) bereitgestellt:
http://www.neozoen.ch/pdf/dokumente.pdf

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Kai Bonte 14.03.2014, 12:05
9. Klassenkampf per Kartoffelkäfer

Erinnern Sie sich auch an all die kleinen und großen Absurditäten, die leicht und schwer erkennbaren Unwahrheiten, Dummheiten und bewusst falschen Nachrichten, die zu DDR-Zeiten in der Schule, im Betrieb, in der Presse verbreitet wurden? Zeitzeuge Rainer Schinzel hat sich einige skurrile bis abstruse Beispiele notiert - kennen Sie noch mehr?

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