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Körperschau mit Nacktmodellen
Werner von Schleiden 14.06.2011, 17:30
1.

Richtig nackt sind die Frauen doch gar nicht. Sie tragen, genau genommen, alle so todschicke kleine, schwarze Bikiniunterteile - ich vermute mal Schafwolle oder irgendein Fell.

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Marko Kuhn 15.06.2011, 10:13
2.

Bereits vor den 20er des 20. Jahrhunderts Jahren gab es übrigens äußerst erfolgreiche Bücher zum Naturismus und zur Freikörperkultur.

Heinrich Pudor war ein ähnlich schräger Vogel wie Surén - und auch er scheiterte unter den Nazis. Bereits ab 1893 veröffentlichte er erfolgreich Titel wie "Nackende Menschen. Jauchzen der Zukunft", "Katechismus der Nacktkultur" oder "Mutter-Milch. Offenbarung der Natur" (letzteres unter dem wunderbaren Pseudonym Heinrich Scham, er war zu der Zeit natürlich auch überzeugter Vegetarier).

Als Hitler an die Macht kam, hatte sich Pudor als Autor allerdings schon zu einem Antisemiten übelster Sorte gewandelt. Und er kritisierte den laxen Umgang der Nationalsozialisten mit den Juden und hinterfagte in seiner 1933 verbotenen Zeitschrift "Hakenkreuz" sogar die "arische Abstammung" von führenden Leuten der NSDAP. 1943 starb er nach mehreren Strafprozessen und Gefängnisaufenthalten.

Pudor gilt bis heute als einer der Begründer des Naturismus und der Freikörperkultur.

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Marian Schleidt 15.06.2011, 10:13
3.

1924!!! Neun Jahre zu früh geschrieben????? 1924 begann Suréns Tätigkeit als freier Sport-Schriftsteller. Dabei versuchte er hauptsächlich die Jugend zu Freiluft- und Sonnenleben, zu gesunder, harter Leibesübung auf gymnastischer Grundlage sowie zur Einfachheit und Naturverbundenheit hinzuführen. In seinem bekanntesten Buch Der Mensch und die Sonne (1924) legte er breit seine Gedanken zum sportlichen und nackten Leben in der Sonne dar. Dieses Buch wurde umgearbeitet zu einem Bestseller mit Weltgeltung; mehrere Auflagen wurden ins Englische übersetzt.

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15.06.2011, 10:13
4.

"Wenn Suréns Werk nicht so rassistisch wäre, [...]"

Was ist an seinen Werken rassistisch? Die Darstellung nackter Menschen keineswegs. Auch die Betitelung der dargestellten Personen als nordische Menschen ist nicht rassistisch.

Die Einstellung Suréns zum Rassismus ist ein ungeklärter Aspekt. Man weiß heute nicht, ob er wirklich aus Überzeugung für Hitler geschwärmt hat, oder ob es einfach nur dem Selbstschutz diente.

Viele seiner Fotos, seine Einstellung, sein Verhalten und Liebe zum männlichen Geschlechtsteil lassen beispielsweise den Schluss zu, dass Surén homosexuell gewesen sein könnte. Das ist wirklich nur eine wage Deutung. Die einzige Möglichkeit, um nicht als Homosexueller unter Hitler verfolgt zu werden, war jeden Verdacht im Keim zu ersticken und sich als überschwenglich treue Gefolgsperson darzustellen.

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16.06.2011, 11:52
5.


FKK als Massenveranstaltung ist Geschmackssache.
Das Zeigen ästhetischer Körper ist jedoch kein Markenzeichen der Nazizeit, sondern seit der Antike ist der menschliche Körper begehrtes Objekt von Malern, Bildhauern und Fotografen, Kunst veredelt, beseelt und distanziert die Nackten. Monarchen schmückten sich mit ihnen, Diktatoren nutzten sie für ihre Weltanschauung und heute werben nackte Körper für Konsum jeglicher Art..
Künstler lebten und leben von Aufträgen, so auch jene Körperkünstler im 3. Reich, allen voran Leni Riefenstahl als Fotografin und Arno Breker als Bildhauer. Brekers Vorliebe für antike Ganzkörperskulpturen und Portraitbüsten wussten Hitler und sein Architekt Speer natürlich für ihre Zwecke zu nutzen. Gefragt war der kraftvolle, ästhetisch perfekte, heroisierende Männerkörper als Muster des "arischen" Menschen. Begeistert von Arno Brekers Nackten waren jedoch nicht nur die Nazis, sondern auch 'Bruder' Stalin, der König von Marokko und viele andere Künstler, darunter Picasso und Dalí, deren Kunst im 3. Reich als "entartet" galt. Mit letzteren, wie auch mit Max Liebermann, war Breker sogar befreundet. Man sollte Künstler daher weniger nach ihren Auftraggebern,
als nach ihrem Können beurteilen.
Skulpturen aus jener Zeit noch Generationen später dem Publikum vorzuenthalten, ist kaum nachvollziehbar, ich denke z.B. an Brekers Zehnkämpfer, von dem man nur die Stehle stehen ließ ...
Letztendlich sind Kunstwerke auch Zeugnisse der Zeitgeschichte, die man
einem mündigen Publikum nicht vorzuenthalten hat.

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04.05.2012, 09:52
6.

Finde an den Bildern nichts verwerfliches und bin erstaunt über die "freizügigen" Fotos schon in der damaligen Zeit.

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Kai Bonte 14.03.2014, 12:10
7. Körperschau mit Nacktmodellen

Science Fiction, Witz und verbotene Liebe: Der Büchermarkt im "Dritten Reich" war überraschend bunt. Durch die Zensur schaffte es auch "Mensch und Sonne", der vielleicht skurrilste Bestseller der NS-Zeit. Das freizügige FKK-Buch wirkt wie ein Vorgriff auf die 68er-Bewegung - der Autor aber wurde zu einer tragischen Figur. Von Hilmar Schmundt

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