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Koloniale Vergangenheit: "Konzept des rassistischen Terrors"

Ist die koloniale Vergangenheit wirklich vergangen? Ein Interview mit dem Historiker Jürgen Zimmerer

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Emanuel Gold 06.03.2016, 09:49
1.

Dieser Artikel ist ein weiteres Beispiel des Versagens der deutschen Historiker, anders kann man es nicht sagen. Ja, Kolonialismus geht bisweilen mit Völkermord einher, das war schon immer so und wird sich auch nie ändern. Peinlich ist, wenn ein gestandener Professor hier wieder mal Opferzahlen zum Besten gibt, die er durch nichts, aber auch gar nichts belegen kann, denn die Anzahl der in den Kolonialkriegen Getöteten ist faktisch unbekannt. Im Kongo dürften es mehrere Millionen gewesen sein, bei den Tasmaniern tutti completti, in Indien hat Lord Lytton wissentlich 10 Millionen Menschen verhungern lassen, die Amerikaner haben die First Nations wie Freiwild abgeschossen, die Franzosen in Algerien und anderswo gewütet, wie nichts gutes, die Russen im fernen Osten genauso.

Wer wissen will, was die Afrikaner heute über den Kolonialismus denken, der sollte dringend das Nationalmuseum Tansanias in Dar-es-Salaam besuchen.

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Tobias Witschke 06.03.2016, 09:55
2. es sei

darauf hinzuweisen, dass die Kolonialfrage in Südwestafrika in der deutschen Öffentlichkeit hoch umstritten war - SPD, Zentrum und die Polenpartei hatten der Regierung die Kriegskredite verweigert, was zu einer Reichstagsauflösung und Neuwahlen führte. In diesen sogenannten 'Hottentottenwahlen' wurde dann Sozialdemokraten aber auch Katholiken Vaterlandsverrat vorgeworfen, da diese sich mit den 'Wilden' zusammen tun würden...

So bestimmte die Kolonialfrage zum Beispiel die Wahlen in Bielefeld:

https://www.bielefeld.de/de/biju/stadtar/rc/rar/01022007.html?medium=mobile

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Hans-Gerd Wendt 06.03.2016, 10:06
3. Note eins

In der Kürze spannend, konsequent und vor allem der Wirklichkeit nahe! Ein gutes Interview mit einem sehr guten Interviewpartner!

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Emanuel Gold 06.03.2016, 10:11
4.

Dieser Artikel ist ein weiteres Beispiel des Versagens der deutschen Historiker, anders kann man es nicht sagen. Ja, Kolonialismus geht bisweilen mit Völkermord einher, das war schon immer so und wird sich auch nie ändern. Peinlich ist, wenn ein gestandener Professor hier wieder mal Opferzahlen zum Besten gibt, die er durch nichts, aber auch gar nichts belegen kann, denn die Anzahl der in den Kolonialkriegen Getöteten ist faktisch unbekannt. Im Kongo dürften es mehrere Millionen gewesen sein, bei den Tasmaniern tutti completti, in Indien hat Lord Lytton wissentlich 10 Millionen Menschen verhungern lassen, die Amerikaner haben die First Nations wie Freiwild abgeschossen, die Franzosen in Algerien und anderswo gewütet, wie nichts gutes, die Russen im fernen Osten genauso.

Wer wissen will, was die Afrikaner heute über den Kolonialismus denken, der sollte dringend das Nationalmuseum Tansanias in Dar-es-Salaam besuchen.

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Peter Zack 06.03.2016, 10:28
5. Ein freies Volk zahlt keine Tribute für eine überholte Vergangenheit

Dieser Beitrag reiht sich ein in eine Reihe von Publikationen, die die deutsche Erbschuld an alles Mögliche propagiert, um irgendwelche Trubutzahlungen an ausländische Mächte zu rechtfertigen. Dabei geht es aber gar nicht um die Begünstigung der dortigen Bevölkerung, sondern um die Veteilungsmacht der herrschenden Elite, die das Geld von der einfachen Bevölkerung zu Hause abzieht, damit sie nicht die Früchte ihrer Produktivität genießen können und ihre sozialstaatlichen Ambitionen in den Wind schießen können.
Die Idee, dass sich Bevölkerungen, die selbst keinerlei ausreichende Produktivität an den Tag legen, um ihrer korrupten Elite Superreichtum und internationalen Einfluss zu verschaffen, nunmehr wenigstens für die heroischen Kämpfe ihrer Ahnen als widerständige Opfer des Kolonialismus bezahlen lassen, ist ein netter Versuch nach dem Motto: wer sonst nichts hat, hat zumindest Vergangenheit. Aber es klappt nicht, weil schon die Herleitung irrig ist.

Das aristokratische Herrschaftsregime war ein Unrechtsregime, das über den Köpfen der Bevölkerung seine Privilegien aus einem elitären Gottesgnadentum herleitete und mit diesem, schon seit der Aufklärung überholten Mythos der Selbstbeweihräucherung, die deutsche Bevölkerung unterwarf. Die einzige Verfehlung, die der deutschen Bevölkerung vielleicht angehängt werden kann, war ihr scheitern in den revolutionären Barrikadenkämpfen von 1848. Den Preis der Verlierer zahlten ja nicht nur die Hereros, sondern Jahrzehnte später auch die Deutschen auf den Schlachtfeldern von Verdun und an der Marne, wo sich ihre Leichen in den Himmel türmten, als die aristokratische Gesellschaft Selbstmord machte. Die grauslichen Verbrechen an den Hereros wurden ja in Europa quasi nur in noch ungeheuerlichem Maßstab fortgesetzt, wobei genau dieselben Prinzipien des Kolonialismus nunmehr gegen die europäische Bevölkerung angewandt wurden. Im zweiten Weltkrieg wurde dies noch deutlicher fortgesetzt, um schließlich in Auschwitz zu gipfeln. Der elitäre Geist des Übermenschen und des Untermenschentums war keine Idee der Arbeiter und keine nationalstaatliche Idee, sondern eine imperialistische.

Eine behauptete Identifizierung der heutigen Bevölkerung mit dem Kaiserregime ist ja geradezu noch lächerlicher als die Behauptung, wir wären die Nachfolger des Hitlerreiches. Tatsächlich kommt es darauf an, sich von der Vergangenheit seiner Ahnen zu befreien, wenn sie es schon selber nicht konnten.

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Emanuel Gold 06.03.2016, 10:35
6. Herr Wendt

Das Interview verkürzt die Sachlage extrem und ist daher der Wirklichkeit extrem weit entfernt. An den Intentionen des Lothar von Trotha besteht ja längst kein Zweifel mehr, aber dass er mit seinem Wirken jemals den Willen der damaligen Regierung umgesetzt hat, ist nicht nur umstritten, sondern angesichts der Faktenlage vollkommen absurd. Die Historiker haben sich verrannt und können nun ohne Gesichtsverlust nicht mehr zurückrudern. Fakt ist: Trothas Proklamation an die Herero, auf die sich die komplette Völkermordtheorie zentral stützt, wurde nachweislich unmittelbar nach Bekanntwerden in Berlin zurückgezogen und zwar nicht nur vom Reichstag, sondern vom Kaiser höchstpersönlich. Des weiteren wurde Trotha relativ bald das Kommando über die deutschen Kolonialtruppen entzogen und er niemals wieder mit einem Kommando betraut.

Der Vorwurf, das Kaiserreich wollte wissentlich in der Kolonie einen Völkermord begehen, ist damit hinfällig. Stattdessen werden heute noch von den Historikern die Hereros zu Wilden, willenlosen Subjekten degradiert, mit denen man umspringen konnte wie man will. Fragen Sie doch mal auch nur einen einzigen Herero, ob der das genauso sieht.

Diese Form der Geschichtsschreibung ist für mich nichts anderes als Neokolonialismus, weil sie die Auswüchse des Kolonialismus generell gar nicht wirksam kritisiert, sondern mit falschen Fakten, Auslassungen und fahrlässigen Interpretationen unkritisch Quellen für ihre ideologisch gefärbten Zwecke ausschlachtet. Dafür gibt es in der Literatur tatsächlich hunderte, wenn nicht tausende Beispiele.

Wer Imperialismus bekämpfen will, der sollte ideologiefrei die nüchternen Fakten auswerten.

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Michael Blay 06.03.2016, 11:18
7. Nicht ganz richtig, Herr Zimmerer

Es gab schon einen Unterschied der Kolonialmächte: Die Deutschen bauten Schulen für die Einheimischen. Was die Greueltaten nicht entschuldigt, natürlich. Ich habe aber selber einmal in einer Doku über die deutschen Kolonien ein Interview mit einem tansanischen Bildungsminister gesehen, in dem von diesem wortwörtlich geäußert wurde, sein Land wäre heute besser dran, wenn es länger deutsche Kolonie gewesen wäre.

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Ingo Meyer 06.03.2016, 11:21
8. Forschung muss sein - wenn die Ergebnisse nicht zu

....führen. Der Herr Professor sollte froh sein, dass diese Gesellschaft die finanziellen Mittel für seine Forschung aufbringt. Wir wissen auch, dass es nicht "bessere" und "schlechtere" Menschen gibt. So werden die weißen Deutschen in ihren Kolonien nicht grundsätzlich anders gehandelt haben, als Franzosen, Briten und Co.
Die "Untaten" von Leuten, wie von Trotha und Lettow-Vorbeck sind denn auch unter dem generellen Bewusstsein der damaligen Zeit zu beurteilen. Wenn nicht, so würde man evtl. noch Albert Schweitzer ein "Dünkel" vorwerfen können.
Ich kann mich bei dem Interview des Eindrucks nicht erwehren, dass hier "zeitgeistige" Interpretationen der Geschichte vorgenommen werden. Sollen sie nach 100 Jahren ein schlechtes Gewissen erzeugen? Soll damit Migration aus Afrika nach hier, als logische Folge des (deutschen) Kolonial-Imperialismus gerechtfertigt werden?
Ich halte es dann doch lieber mit "unverfänglicher" Literatur über das Afrika des frühen 20. Jahrhunderts. Als Beispiel der Roman von Alex Capus "Eine Frage der Zeit" , der über Kolonialismus, Krieg, und deutsche Ingenieurskunst ( Meyer-Werft Papenburg ) mindestens so aufschlussreich ist, wie die Forschung des Hamburger Professors!

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Richard Jas 06.03.2016, 11:28
9. auch Zimmerer schönt

z.Bsp. wenn er tatsächlich sagt der CIA hat Lumumba BESEITIGEN lassen.Warum sagt er nicht was es war?Es war Anstiftung Beihilfe zum Mord und es sollte immer nach den Fakten benannt werden.Die Amerikaner würden es auch so nennen wenn es ein anderer getan hätte plus was es auch war da es von einem Staat ausging Staatsterrorismus.Was man generell Zimmerers Aussagen entnehmen kann auch wenn er es wieder politisch korrekt nicht deutlich sagt ist daß unsere 'Freunde' eindeutig schuld daran sind wie kaputt heute die Welt ist.Deutschland wurde nur aus dem Club erfolgreicher Kolonialmächte ausgeschlossen weil es die Kriege verloren hat leider nicht weil die Engländer Franzosen Portugiesen etc auf einmal ihre faschistische Politik hätten ändern wollen.

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