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Kriegsende 1918: Als Amerika eine neue Weltordnung entwarf
imago/United Archives International

Vor 100 Jahren präsentierte US-Präsident Woodrow Wilson ein 14-Punkte-Programm zum Weltfrieden. Er galt als Idealist - und scheiterte. Was war das Problem?

Joseph Greeks 08.01.2018, 12:20
1. Wir wissen....

....dass die nach ww1 entworfene Weltordnung durch Versailles torpefiert wurde. Die Weltordnung Trumans functionierte während des Duopols für uns recht gut und ersparte uns grossteils die Kosten für internationale Sicherheit. Seit den 1990er stand die Analyse, dass wir eine gewisse Zeit damals geschätzt 35 oder 40 Jahre nachdenen sich ein Multipol so weit entwickeln würde, dass kleinere Operatiinen wie im Irak nicht mehr genügen würden den Frieden weitgehend zu erhalten. Eine erfolgreiche Einigung der Eu wäre ein Beispiel der Multipolarisierung wie auch die erstarkenden BRICS et al. Es würde dann über kurz oder lang zu echten Kriegen kommen vermutlich mit Atomwaffeneinsatz, sollte man die Proliferation nicht stoppen. Clinton nahm die Herausforderung nicht an, eine neue Weltordnung zu schaffen. Bush begann damit und konnte eine einleitende Normenänderung der UNO 2005 unterwegs bringen. Leider haben die meisten Europäer nicht mitgeholfen und Russland blickierte. Obama machte wie die Europäer nichts.

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Armin Kammrad 08.01.2018, 12:45
2. Besonders folgenreich war

jedoch Wilsons Konzept in punkto Selbstbestimmung. Es führte auf den Balkan zur Entstehung neuer Staaten, aber auch zu Staaten wie der Tschecheslowakei, wo vor allen Deutsche und Tschechen in einem konfliktreichen Verhältnis standen.

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Christoph Färber 08.01.2018, 12:49
3. Wilson, ein Idealist? Nun ja, mit Abstrichen.

Er war ein (wie man sagt gemässigter) Rassist, er war verantwortlich für die Gründung der Fed, was er selbst so weit mir bekannt als schlimmsten Fehler seiner politischen Laufbahn ansah und er machte den katastrophalen Fehler, ethische Grundsätze in die internationale Politik einführen zu wollen. Da Politiker bekanntermassen mit Ethik so viel am Hut haben wie eine Kuh mit Hochseeangeln, war das Ergebnis eine überbordende Heuchelei übelster Provenienz, welche massgeblich zum Versailler Diktat, damit zum Scheitern der Weimarer Republik und somit letztlich zur Machtergreifung der Nazis führte.

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Christiane Bohnert 08.01.2018, 18:34
4. Ihm fehlte das Wissen

Wilson war kein Idealist in unserem Sinne. Er war der Präsident, der Jim Crow, die unbedingte Rassentrennung, in der US-Bundesbürokratie einführte, die bis dahin noch der Nachbürgerkriegsordnung verpflichtet war. Wilson glaubte, dass der amerikanische Ausnahmecharakter (exceptionalism) ihn dazu prädestinierte, Europa den Frieden aufzuoktroyieren, übersah dabei aber völlig, wie vergiftet die Atmosphäre aufgrund des Krieges war, den die Amerikaner ein Jahr und Europa fast fünf Jahre mitgemacht hatte. Wilson war der erste, aber nicht der letzte Präsident, dessen außenpolitische Ahnungslosigkeit zu enormen Problemen führte.

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D. St. 08.01.2018, 19:23
5.

Sehr geehrter Herr Greeks,

ich bin ein klein wenig überrascht über Ihren Beitrag, insbesondere zum Einsatz im Irak unter Präsident Busch. Das war keine Intervention um Frieden herzustellen, dass war ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg der dem Einmarsch von Deutschland in Polen in nichts nachsteht. Wenn die Erschaffung einer neuen Weltordnung bedeutet, dass man über die Rettung von Menschenrechten redet aber eigentlich Schürfrechte meint, dann sollten wir besser alles so lassen wie es ist. Was glauben Sie denn, warum Nordkorea Atomwaffen haben wollte? Um anzugreifen? Ich denke, es ist eher der Wunsch nach einer Versicherung, dass das Erfolgsmodell aus dem Irak nicht auf das eigene Land übertragen wird. Amerika wäre niemals im Irak einmarschiert, wenn das Land tatsächlich die Massenvernichtungswaffen gehabt hätte, dessen Existenz vom CIA ja zweifelhaft nachgewiesen wurde. Die Welt hat sich an einem 11. September verändert. Am 11. September 1973. Jeder der die Weltgeschichte kennt, weiß was an diesem Tag geschehen ist.

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Daniel Müller 08.01.2018, 19:38
6. Wiederwahl

Im letzten Absatz wird die mögliche Wiederwahl von Wilson angesprochen. Das ist so nicht ganz richtig: Es war immerhin bereits seine zweite Amtszeit, das heißt, auch wenn eine dritte Amtszeit damals noch erlaubt gewesen wäre, wäre es mehr als unüblich gewesen und hätte für Diskussionen gesorgt. Zum anderen war er seit 1919 gesundheitlich schwer angeschlagen und konnte seine Amtsgeschäfte aufgrund einer halbseitigen Lähmung nur bedingt ausüben, was auch ein Grund war, auf die Nominierung zu verzichten, die eh von niemandem ernsthaft in Betracht gezogen wurde.

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Rudolf Hege 09.01.2018, 16:28
7. Kind seiner Zeit...

Jeder von uns ist Kind seiner Zeit. Daher können wir Menschen auch nur unter den Gegebenheiten ihrer Zeit beurteilen. Zur damaligen Zeit war Wilson ein Idealist, der "revolutionäre" Ideen hatte. Allein die Idee eines Völkerbundes war eine Revolution. Zuvor betrachteten sich die Völker in der Regel als Konkurrenten, die sich bekriegten, wenn dabei etwas zu gewinnen war. Nicht viel anders als zuvor germanische Stämme oder die meisten Stämme der "Indianer". Die Idee einer "Menschheit" existierte noch nicht. (Und so sehr viel weiter sind wir da auch heute nicht - in der Praxis).

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