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Malcolm ohne Maske
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08.04.2011, 10:19
1.

Einige Dinge werden in diesem Artikel leider falsch dargestellt und ich frage mich ob der Autor das auch von ihm genannte Standardwerk "The Autobiography of Malcolm X" überhaupt gelesen hat.

"Marable enthüllt, dass Littles Mutter 24 Jahre lang in einer Irrenanstalt war."
Dies war schon lange bekannt und kommt im oben genannten Buch auch vor, wurde somit nicht von Marable enthüllt.

"Hinter dieser Maske steckte aber nach Marables Recherchen eine gequälte Person: Politisch agierte er nicht immer klug, privat sei er schwierig gewesen - von Selbstzweifeln über seine öffentlich so vehement vertretene militante Linie zerfressen, [_]frauenfeindlich[_] und sexuell zeitweise verwirrt. "
Seine Haltung gegenüber Frauen war ebenfalls schon lange bekannt und kommt sehr gut in oben genanntem Buch zur Geltung.

Ebenso kommt seine eher positive Haltung gegenüber weißen Rassisten zum Ausdruck, da er diese für konsequenter und weniger heuchlerisch hielt um nun nur einige Punkte zu nennen.

Das alles ist nicht so neu wie es dargestellt wird und Malcolm X war schon immer kontrovers diskutiert. Natürlicht schmälert dies nicht die Wichtigkeit der Veröffentlichung dieses Buches, da es allgemein an unabhängigen Recherchen über Malcolm X zu mangeln scheint. Nur der Artikel ist in meinen Augen nicht sonderlich gelungen, auch wenn er mir doch manch neue Erkenntnis brachte.

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08.04.2011, 10:19
2.

Welcher schmierige "Junge Freiheit"- oder "BILD"-Redakteur hat diesen Artikel geschrieben? MalcolmX wird zum "sexuell verwirrten", nur weil er scheinbar bisexuell ist? Homophobie im SPIEGEL!!! sehr traurig wie man sich hier nach und nach vom Qualitätsjournalismus verabschiedet.

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paul osten 08.04.2011, 10:19
3.

Man sollte immer vorsichtig sein, mit der Glorifizierung irgendwelcher Leute. (Über "Fehlleistungen" von z.B. Gandhi hat A. Koestler schon ca. 1964 geschrieben) Wir sind alle Menschen und haben und machen Fehler. Deswegen ist es sicher klüger sich für eine SACHE einzusetzen und selbst zu denken, unabhänging von Führern, Vorbildern usw.

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08.04.2011, 11:04
4.

"Sexuell verwirrt"? Kann mir einer erklären, was das bedeutet? Weil einer mit einem Mann Sex hat, ist er verwirrt? Ich nehme mal an, der Autor wollte seinen Beitrag damit ein wenig aufhübschen, denn tatsächlich findet sich in seinem Text keinerlei Hinweis für "sexuelle Verwirrtheit", worunter ich Zweifel über die eigene sexuelle Identität verstehen würde, unter denen der Betroffene leidet. Das ist dem Artikel nach nicht der Fall. Also soll, deshalb auch die Positionierung im Teaser, der Artikel nur aufgegeilt werden. Das ist wirklich, Pardon, erbärmlich.

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08.04.2011, 12:26
5.

Ich kann der Empörung gegenüber der Wortwahl "sexuelle Verwirrung" ehrlich gesagt nicht ganz folgen. Ich glaube kaum, dass die Anspielung des Autors nur in Zusammenhang mit der eventuellen homosexuellen Beziehung zu sehen ist. Was der Artikel meines Erachtens hervorheben will, ist die wohl bekannte "kontroverse" der Person von Malcolm X. Da ist Verwirrung am passendsten, denn das was über Malcolm X weitestgehend bekannt ist sich mit diesem Bild nicht deckt.

Er war ein großer Name im Kampf der schwarzen Bevölkerung in den USA gegen die Segregation, doch darf er keinesfalls in einem Atemzug mit Martin Luther King genannt werden, denn seine Motive und seine Art diesen Kampf zu führen waren ganz andere. Und interessant ist es da nunmal Einzelheiten über diese Persönlichkeit zu erfahren, und Homosexualität passt nicht zu dem Dargestellten in seinen oft sehr aggressiven Reden. Das hat wenig mit Homophobie zu tun...

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08.04.2011, 14:24
6.

>Ich kann der Empörung gegenüber der Wortwahl "sexuelle Verwirrung" ehrlich gesagt nicht ganz folgen. Ich glaube kaum, dass die Anspielung des Autors nur in Zusammenhang mit der eventuellen homosexuellen Beziehung zu sehen ist. Was der Artikel meines Erachtens hervorheben will, ist die wohl bekannte "kontroverse" der Person von Malcolm X. Da ist Verwirrung am passendsten, denn das was über Malcolm X weitestgehend bekannt ist sich mit diesem Bild nicht deckt.
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>Er war ein großer Name im Kampf der schwarzen Bevölkerung in den USA gegen die Segregation, doch darf er keinesfalls in einem Atemzug mit Martin Luther King genannt werden, denn seine Motive und seine Art diesen Kampf zu führen waren ganz andere. Und interessant ist es da nunmal Einzelheiten über diese Persönlichkeit zu erfahren, und Homosexualität passt nicht zu dem Dargestellten in seinen oft sehr aggressiven Reden. Das hat wenig mit Homophobie zu tun...

1) Malcolm X war die längste Zeit seines Lebens öffentlich _für_ Segregation. Erst 1954 hat er dieses Gedankengut öffentlich aufgegeben.
2) Das Motiv von Martin Luther King und Malcolm X war genau das gleiche und zwar die Beendigung der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung. Die Art wie sie sich dies vorstellten war jedoch in der Tat anders, siehe 1).
3) Inwiefern passt Homosexualität (bzw. korrekt Bisexualität) nicht zu seinen "oft sehr aggressiven Reden"? Seinen "Weißenhass" entwickelte er erst in seiner Haftzeit, die mit großer Wahrscheinlichkeit nach dieser vermuteten Affäre liegt, da er vor allem in diesen Tagen mit Geldproblemen zu kämpfen hatte. Und dass er in seinen Reden jemals ein schlechtes Wort über Homo- bzw. Bisexualität verloren hätte, wäre mir auch neu, das kann ich jedoch nicht ausschließen. Ich hoffe mal stark, dass diese Aussage nicht darauf bezogen war, dass Homosexuelle keine aggressiven Reden halten könnten...
4) Da der Autor die "sexuelle Verwirrung" sonst nicht anders spezifiziert und nur dieses Beispiel später im Text kommt, liegt nahe, dass dieser Hintergedanke bei dem Ausdruck dabei war.

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08.04.2011, 15:13
7.

Da hat sich ein Fehler eingeschlichen: Ich meinte natürlich das Jahr 1964 und nicht 1954!

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09.04.2011, 12:24
8.

Leider eine stark fehlinterpretierte Darstellung des wirklich großartigen Buchs und Lebenswerks von Mr Marables!

Anscheinend hat der Autor des Artikels sich nicht wirklich mit der Materie auseinandergesetzt, sonst wüsste er z.b. dass die Überwachung von Malcolm X durch polizeiliche und staatliche Organe der USA nicht zu den neuen Erkenntnissen des Werks von Marables zu zählen sind.

Dass die Mutter von Malcolm X in der "Irrenanstalt" saß, wurde so schon in der Haley Autobiographie erwähnt und im Film von Spike Lee angedeutet - dies zählt also ebenfalls nicht zu den neuen Erkenntnissen.

Neu hingegen sind die bisher unter Verschluss gehaltenen Kapitel des Haley MAnuskripts, welche bei einem Anwalt in Detroit im Safe lagern und die Rückschlüsse Marables aus der Sichtung jener ziehen konnte!

Dieses allerdings erwähnt der Autor überhaupt gar nicht -
Ich empfehle dem Autor und allen Interessierten den Beitrag, der vor kurzem bei "Democracy Now" gesendet wurde:
http://www.democracynow.org/2011/4/4/african_american_historian_manning_marable_dies

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Jan Doeblin 09.04.2011, 12:24
9.

>Ich kann der Empörung gegenüber der Wortwahl "sexuelle Verwirrung" ehrlich gesagt nicht ganz folgen. Ich glaube kaum, dass die Anspielung des Autors nur in Zusammenhang mit der eventuellen homosexuellen Beziehung zu sehen ist.<

Na das glaube ich aber für Sie mit! Allerdings glaube ich auch, dass es hierbei nicht um irgendwelche Homophobie(n) unserer Zeit geht, sondern um die Perspektive und das Verständnis von Sexualität im Amerika der 60er!

Zwar waren zu der Zeit z.B. die Kinsey Reports schon bekannt, aber Sexualität war dennoch alles andere als aufgeklärt und frei, oder irre ich mich hier? Und bezogen auf das Bildnis und das Selbsverständnis eines Mannes/einer Frau um 1960 können wir uns doch recht sicher sein, dass so mancher (und manche) mit sich selbst gekämpft hat nachdem er/sie gemerkt, dass das eigene Verhalten nicht der "Norm" enspricht.
Wenn man das jetzt noch mit einem mütterlicherseits schlecht geprägten, politsch engagierten Afroamerikaner der in jungen Jahren Zuhälter war zum Islam übergetreten ist verbindet, passt verwirrt doch ganz gut.

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29.04.2011, 09:12
10.

Also ich bin mit dem Artikel ganz ganz unzufrieden und versuche das wie folgt zu begründen:
Die Lebensphase, in der Malcolm X ein Krimineller war, stuft er doch selbst (Autobiographie) so ein, dass er nach völlig falschen Werten strebte. Abzocke, weiße Frauen als Freundinnen haben nur als Statussymbol, Drogen. Diese Phase wird von ihm als eine an falschen materiellen und sexuellen Werten orientierte Selbstflucht beschrieben- genau wie die Tatsache, dass er sich die Haare in einer schmerzhaften Prozedur glatt "conken" ließ, nur damit er wie ein Weißer aussieht. Worin liegt also die neue Erkenntnis, dass Malcolm mit einem weißen Reichen gevögelt haben könnte? Er wollte zu jener Zeit möglichst viel Geld haben und möglichst weißer als weiß sein, also doch kein Wunder mit dem Reichen. Mir ist das aber auch Alles zu viel Klatsch. Ich möchte doch gar nicht wissen, ob Malcolm seine Frau befriedigt bekommen hat- das Problem hatten nun wirklich viele Männer. Deswegen war er doch nicht frauenfeindlich- Er wollte als erster Afroamerikaner auch Frauen in Führungspersonen während des Freiheitskampfes und bewunderte seine Schwester Ella- King hat seiner Liebsten höchstens in den Hintern gezwickt. Mich interessiert die ungeheure Denkleistung, die dieser Mann als Autodidakt vollbracht hat, dass er dem ganzen Freiheitskampf mit der Betonung "Black is beautful" und dem Verweis auf die verloren gegangene afrikanische Identität ganz neue Dimensionen verliehen hat, dass er, obwohl weiße Rassisten sein Haus niederbrannten, vermutlich sein Vater töteten, obwohl Rassisten ihm sagten Rechtsanwalt sei kein realistischer Beruf für einen Nigger- dass er trotz dieser Tatsachen ein Anwalt der Mittellosen Schwarzen, der Gettobewohner, der Vergessenen wurde, von denen zu dieser Zeit 1960-64 noch nicht einmal M.L. King etwas wissen wollte. Und dass Malcolm X tatsächlich seinen umgekehrten Rassismus gegen Weiße überwunden hat und zu einer gemeinsamen Front gegen die Vorherrschaft des politischen Establishment, welches damals wie heute für die Ausbeutung des afrikanischen Erdteils verantwortlich ist, aufrief.
Selbstzerissenheit wegen seiner radikalen Linie!?- Der Mann wünschte sich Harmonie wie kein zweiter, nur gab die politische Realität eher Alpträume als Träume her. Er wusste, er könnte da er zu radikal dachte jeden Tag sterben- Ein würdevoller Mann mit all seinen Fehlern! Aber die liberale Presse (Sorry Spiegel, aber soweit ist es gekommen und dass wusste ironischer Weise Malcolm X selbst zerreißt sich gern das Maul über Unwichtiges, Nebensächliches und dreht einem die Wörter im Mund um.

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