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Mein Nachbar, der Massenmörder
Michael Stephan 09.08.2010, 13:54
1.

Ist die Überschrift nicht etwas mißlungen? Unter einem Massenmörder stelle ich mir etwas anderes vor. Hr. Eichmann hat doch Völkermord begangen, oder? Ein aus meiner subjektiven Sichtweise heraus weitaus abscheulicheres Verbrechen.

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10.08.2010, 10:44
2.

"Die Verurteilung des SS-Massenmörders 1961 ist einer der größten Erfolge der Strafverfolgung von Tätern des Nationalsozialismus." Diesen Teil der Unterschrift zum letzten Bild finde ich fragwürdig. Zweifellos war er ein schrecklicher Verbrecher und hatte eine schwere Strafe verdient. Die Todesstrafe wird aber aus gutem Grund heutzutage in Europa abgelehnt. Und Menschen ohne Haftbefehl zu entführen ist schlicht Unrecht.
Auch heute noch geschehen solche Dinge. Der deutsche Khaled al-Masri wurde aufgrund einer Verwechslung von den USA als vermeintlicher Terroristenunterstützer entführt und gefoltert und nach seiner Freilassung wurde ihm ein Prozess zur Aufarbeitung des Falles verweigert, mit der Begründung, es berühre die innere Sicherheit der USA. Auch ein Obama ändert daran nichts. Das Folterlager im afghanischen Bagram wird ebenso weiter betrieben wie das zur Umgehung internationaler Abkommen eingerichtete Lager in Guantanamo. Auch in Deutschland wird kein US-Vermögen beschlagnahmt, um etwa Al Masri zu entschädigen. Nicht einmal eine Behandlung bekommt er bezahlt, so dass er sich schwer traumatisiert und verzweifelt über die Ungerechtigkeit der Brandstiftung und Körperverletzung schuldig gemacht hat. US-Flugbasen, die zur Verschleppung von Menschen genutzt wurden, werden nicht geschlossen, die an Verschleppungen beteiligten CIA-Agenten werden weder von der deutschen noch von der italienischen Regierung zur Auslieferung beantragt, obwohl in beiden Ländern Staatsanwaltschaften dies beantragten, und auch zu Zeiten des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf den Irak wurde der deutsche Luftraum nicht wie der österreichische für die "Koalition der Willigen" geschlossen. Stattdessen wählt man Angela Merkel, die vor Kriegsausbruch in der Washington Post schrieb, Kanzler Schröder spreche nicht für alle Deutschen, wenn er den Krieg ablehne. Als ob aus der Geschichte nichts zu lernen wäre.

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Norbert Ommler 11.08.2010, 09:58
3.

Neben dem Eichmann-Bild zu Beginn des vorstehenden Aufsatzes steht: ?In einem Polizeiverhör soll der Nazi-Scherge mit Nachdruck beteuert haben, sein Leben lang den Moralvorschriften Kants gefolgt zu sein, und vor allem im Sinne des kantischen Pflichtbegriffs gehandelt zu haben?.

Dazu ist aber zu sagen, dass der ?kategorisscher Imperativ? im Nationalsozialismus eine eigene Prägung erhalten hatte.

Dr. Hans Frank, der ?Reichsrechtsführer? im NS-Staat und während des Zweiten Weltkrieges brutaler ?Generalgouverneur? von Restpolen, schrieb schon 1935 in einem Beitrag zu einem von ihm herausgegebenen Buch::
?Der erste Appell, der an jeden Volksgenossen in allen Belangen des Lebens zu richten ist, ist daher, gleich einem kategorischen Imperativ, stets der: W a s w ü r d e d e r F ü h r e r z u m e i n e m V e r h a l t e n i n d i e s e m
F a l l e s a g e n ??
(Hans Frank [Hrsg.]: Nationalsozialistischen Handbuchs für Recht und Gesetzgebung, 2. Auflage, München 1935,
S. 22, Überschrift seines Beitrages: ?Grundsätze des nationalsozialistischen Rechtsdenkens und Rechtswollens?).

Im Jahre 1942 führte er in einem Buche sehr ähnlich aus:
?Der kategorische Imperativ des Handelns im Dritten Reich lautet: Handle so, daß der Führer, wenn er von deinem Handeln Kenntnis hätte, dieses Handeln billigen würde.?
(Hans Frank: Technik des Staates. Schriftenreihe des Institutes für die Technik des Staates an der Technischen Hochschule München, Heft 1, Berlin, Leipzig, Wien, 1942, S. 15 f.).

Dass dieser ?katgorische Imperativ? nationalsozialistischer Version im Gegensatz steht zu dem von Immanuel Kant geprägten, kann jeder feststellen, der die Kants Originalformulierungen zum Vergleich heranzieht.
Im Internet siehe u. a.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativz

Hier daraus eine Formulierung von Kant:

?Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.?

? vgl. GMS, BA 66 (Akademie-Ausgabe Kant Werke IV, S. 429, 10-12).

Zweck der Benutzung der Worthülse ?kategorischer Imperativ? durch Hans Frank war offenbar, die brutale NS-Rassenpolitik, die ganze Bevölkerungsgruppen, Völker, Rassen ins Elend stieß, ja auszurotten begann, mit dem Anschein des Vollzugs einer neuen Sittlichkeitsordnung zu versehen und damit das eigne Gewissen wie das anderer Mittäter und karrierebedachter Mitläufer zu betäuben ? leider sehr erfolgreich. nicht nur im Falle von Eichmann.




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11.08.2010, 10:08
4.

Völlig hirnrissiger Vergleich, Herr Höffler!

Sorry Leute, aber wenn jemand die Jagd auf Eichmann mit dem Vorgehen von US-Behörden gegen ?den Deutschen? Khaled al Masri vergleicht, muß man wohl an dessen Verstand zweifeln.
Zur Erinnerung: al Masri gehörte zu einer islamistischen Terrororganisation. Die FAZ berichtete am 27.1.2006: al Masri ?ist nach Auskunft seines Anwalts während seiner mehrwöchigen Haftzeit zwischen Januar und Mai 2004 von Angehörigen des Nachrichtendienstes CIA nach Verbindungen zu der Organisation ?al Tawhid? befragt worden. Diese wird in Deutschland inzwischen als terroristische Vereinigung eingestuft. Angehörige von ?al Tawhid? sind in Deutschland wegen geplanter Sprengstoffanschläge verurteilt worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP soll al Masri früher Mitglied der Organisation gewesen sein. Sein Mandant habe 1985 seinen Asylantrag in Deutschland mit einer Mitgliedschaft bei ?al Tawhid? begründet, sagte al Masris Anwalt...?
Was hat al Masri denn als Mitglied bei ?Al Tawhid? gemacht? Vielleicht Ballett tanzen?
Wie konnte ein Mann mit einem solchen Hintergrund überhaupt die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten? Der frühere bayrische Innenminister Beckstein sagte vor einigen Jahren ?Ausländer die uns nützen, sind willkommen, solche die uns ausnützen nicht?. Schwer vorstellbar, daß Leute wie al Masri für unser Land irgendeinen Nutzen bedeuten! Klassische Einwanderungsländer würden ihm wohl die Staatsbürgerschaft wieder entziehen und die Ausweisung veranlassen.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ist al Masri wiederholt straffällig geworden, ohne daß es eine ernsthafte Strafe gegeben hätte. Daß er einer deutschen Verkäuferin ins Gesicht gespuckt hatte, ist sowieso nur ein Kavaliersdelikt. Daß er einen Supermarkt angesteckt hatte, einen Lehrer verprügelt hatte und den Oberbürgermeister von Neu-Ulm ins Gesicht geschlagen hat ? auch dafür finden ?die Wohlgesinnten? vom Schlage eines Herrn Höffler immer neue Entschuldigungen ? schwere Traumatisierung?! Mir kommen die Tränen!
Dann hätte es nach 1945 in Deutschland pausenlos zu schwersten Verbrechen kommen müssen, weil fast 15 Millionen ehemalige Wehrmachtssoldaten, von denen die meisten ungleich schrecklichere Traumata erlebt hatten als Herr al Masri auf seiner unfreiwilligen Reise mit der CIA, zurück ins Zivilleben finden mußten. Und die allermeisten haben es mit Bravour geschafft und einen sagenhaften Neustart ins deutsche Wirtschaftswunder hingelegt. Von dieser Aufbauleistung profitieren letztlich sogar noch al Masri und Co. und ihre Anwälte ? denn wer bezahlt denn all´ die juristischen Spielchen, den Lebensunterhalt von al Masri und die Schäden, die dieser Mensch in unserem Land angerichtet hat?

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19.08.2010, 14:40
5.

Wer meint, jeder, der einer Organisation angehörte, die mit Terror in Verbindung gebracht wird, dürfe entführt und gefoltert werden, einen Prozess brauche man nicht und Wiedergutmachung schon gar nicht, hat meiner Meinung nach aus der Geschichte nichts gelernt. Die US-Behörden haben nebenbei bemerkt Al-Masri entführt, weil sein Name mit dem eines mutmaßlichen Al-Qaida-Mitglieds übereinstimmt, nicht, weil er im Libanon in den Achtzigern irgend einer Organisation angehörte. Vor seiner Entführung sind von ihm keine Straftaten bekannt. Und dass auch zahlreiche Wehrmachtsoldaten traumatisiert waren, steht außer Frage. Damals pflegte man so etwas totzuschweigen.
Wer Ausländer in nützliche und unnütze unterteilt, sollte vielleicht mal überlegen, ob es ihm im Dritten Reich gefallen hätte. Wie ist das denn, wenn Sie mal alt und gebrechlich werden, sind Sie dann auch unnütz?
Die "sagenhaften Neustarts ins deutsche Wirtschaftswunder" haben übrigens auch viele verdiente Altnazis geschafft, etwa einige der Vorgänger von Herrn Beckstein im Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten.

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Kai Bonte 14.03.2014, 11:53
6. Mein Nachbar, der Massenmörder

Er sammelte Holz und züchtete Hühner: Als Biedermann lebte Otto Heninger nach dem Krieg in der Lüneburger Heide. Doch hinter der Tarnung verbarg sich der NS-Verbrecher Adolf Eichmann. Die ehemaligen Nachbarn blieben ahnungslos - bis der Holocaust-Organisator hingerichtet wurde. Von Eike Frenzel

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