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Mein Vater, der verhasste Held
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Irina Bruns 19.07.2011, 18:07
1.

Es ist ja nun nichts Neues, dass die Attentäter des 20. Juli nicht gerade Vertreter einer neuen demokratischen Republik waren, sondern im Erfolgsfalle vermutlich eher zu einer Restauration des Kaiserreiches tendiert hätten. Das ist aber absolut kein Grund, Ihren Widerstand an sich klein zu reden. Die Kinder der Attentäter (und natürlich auch die Mütter) haben mir schon unendlich leid getan, als ich das erste Mal von Ihrem Schicksal gelesen hatte. Sie sind ja auch in den Kinderheimen nicht gerade gut behandelt worden und waren zum Teil jahrelang von ihren Müttern getrennt. Dass sie auch nach 45 benachteiligt und diskriminiert wurden, war mir bisher nicht bekannt und man kann es nur als Schande der Nachkriegszeit bezeichnen. Umso mehr hätten sie eine späte Aufarbeitung und Würdigung verdient. Auch wenn ich um keinen Preis der Welt wieder einen Kaiser würde haben wollen... :-)

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20.07.2011, 10:19
2.

Verräter sind nie angesehen, so ehrenwert sie auch ihre Motive sehen. Die Geschichte über sie wird natürlich goutiert, aber der Mensch, der Nestbeschmutzer, der den eigenen "Betrieb" schlecht dastehen läßt, der aus der Gruppe ausschert?
Zumindest sollte die Frau anregen, dass die Bundeswehr sein Gedächtnis bei der nächsten Vereidigung würdigt, denn sie beruft sich ausdrücklich auf diese Männer des Widerstandes.
In vielerlei Hinsicht wurde die Nazizeit noch nicht überwunden und ich weiß nicht ob es je sein wird.
Man muss die Sache so sehen, ein Diktator kann befehlen so viel er will, wenn es nicht haufenweise Unterstützer gibt. Noch dazu ein Diktator der demokratisch an die Macht gewählt wurde, so als gäbe es keinen anderen der, wie jede Nation in dieser Krise, öffentliche Bauprojekte versprach. Vielmehr war es ein gut finanzierter und organisierter Beutezug gegen die Juden zuerst und danach gegen andere Völker Europas. Die Nutznießer dieser Sache haben bis heute nicht wirklich dafür bezahlt. In einer solchen Gesellschaft läßt sich das Monster an der Spitze, ebenso wie die Verräter an der sauberen Wehrmacht verdammen und die ganzen Totenkopf-SS-Leute die hinter dem Rücken der Bevölkerung böse KZ betrieben.

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20.07.2011, 10:19
3.

>Auch wenn ich um keinen Preis der Welt wieder einen Kaiser würde haben wollen... :-)

Die konstitutionelle Monarchie in vielen Ländern funzt gaz gut und bringt gute Einkünfte...

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20.07.2011, 10:19
4.

Frauke Hansen und Franziska Bartl: Sie sind nicht allein.
Aber eine Minderheit. Auch in dieser Demokratie.
Die grosse Masse hat kein Verständnis für Dinge,
die den Fluß der Dinge in Frage stellen. Danke,
dass Sie anders sind.

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20.07.2011, 10:20
5.

'Ach Frau Hansen, das wollte ich Ihnen doch noch sagen. Wie man es mit Ihrem Herrn Vater auch wendet, meiner Meinung nach bleibt er ein Vaterlandsverräter'"

Die richtige Antwort wäre gewesen: "Ja Herr Patient. Und ich kann es drehen und wenden wie ich will, für mich sind und bleiben Sie ein ewig gestriges Nazi-Schwein"

Ich neige normalerweise nicht zu solchen Kraftausdrücken, aber wenn es um diese braune Nachkriegssoße geht ist mir kein verbaler Ausdruck dreckig genug.

Ich bin Jahrgang 1958 und ich verneige mich vor allen Widerstandskämpfern. Deren Motivation ist für mich völlig zweitrangig. Allein die Tatsache, dass sie für ein Ende dieses Verbrecher-Regimes ihr Leben riskiert und geopfert haben, hat mir in meiner Jugend gezeigt, dass es in Deutschland nicht nur braunes Gesindel, sondern auch noch Menschen mit Verstand und moralischem Kompass gegeben hat.

Als nach dem Krieg für viele Nazis die Galgen aufgestellt wurden, hätte sich der 'Patient' ja mit seiner Meinung gerne öffentlich äussern können, aber den gleichen Mut wie Herr Hansen hat dieser Feigling damals offensichtlich nicht aufgebracht.

Wir Nachkriegsdeutsche jedenfalls sind stolz auf diese paar wenigen wirklich mutigen Männer dieser äusserst gefährlichen Zeit.

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20.07.2011, 10:21
6.

Das waren m.E. keine Widerstandskämpfer, dass waren Opportunisten. Stauffenberg war ein Nazi und Rassenhasser durch und durch. Der hat von Anfang an den Hitlerscheiß mitgemacht und Karriere. Die wurden doch alle erst zu "Widerstandskämpfern" als der Krieg schon verloren war und ihnen bewußt wurde, dass sie danach nur noch zum Steine kloppen gebraucht werden. Die wurden später von den Deutschen zu Widerstandskämpfern aufgebaut, weil es ja noch irgendwo einen anständigen Deutschen gegeben haben muß. Die gab es auch, die die Juden versteckt haben, die Weiße Rose, .... usw. Leute die nicht erst beim Überfallen anderer Länder mitgemacht und Karriere gemacht haben

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20.07.2011, 10:21
7.

Liebe Frauke, wir Beide werden es noch erleben, dass der Stadtrag der Stadt Coburg eine Straße nach Ihrem Vater benennt. Oberst Hansen war ein Held, in der Katholischen Kirche würden solche Menschen als Märtyer bezeichnet. Nur Viele waren und sind Nationalisten, Unverbesserliche und an der Geschichte Uninteressierte. Vor kurzem konnte ich den Bendlerblock in Berlin und damit die Gedenkstätte "Deutscher Widerstand" besuchen. Eine Führung in dieser Stätte wäre für alle Michelauer, vor allem für die noch lebenden der damaligen Zeit, eine Offenbarung. "Kopf hoch" Frauke!

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Christine Thomas 20.07.2011, 10:21
8.

.... auch in Coburg ist der Schoß fruchtbar noch, aus dem das kroch .....

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Maurizio Scogna 20.07.2011, 10:24
9.

Folgende Frage beschäftigt mich seit Jahren: Was hätte ich getan, wenn ich in der Nazis- Zeit in Deutschland gelebt hätte? Wäre ich ein Mitläufer, ein Parteimitglied oder hätte ich einfach die Verbrecher dieser Zeit einfach ignoriert und einfach nur an mich und meine Familie gedacht? Heute kann ich nur die Leute, die die Verbrecher der Nazis irgendwie angezeigt haben oder sogar den Versuch sie auf irgendeiner Weise zu verhindern gewagt haben nicht nur als Helden dieser Zeit bezeichnen. Vielmehr gehören sie zu denjenigen, die durch ihr für die damaligen Verhältnisse beispielloses Verhalten gezeigt haben, dass es viele anders denkende Menschen gab. Nun, die verblendete und die durch Terror zu Gehorsamkeit gezwungenen Leute stellten leider die Mehrheit dar.


Maurizio Scogna

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Günter Pohl 20.07.2011, 10:24
10.

Oberst Hansen ist einer der vielen bekannten Widerstandskämpfer, die den Nazi-Verbrechern zum Opfer fielen. Mein ehrendes Gedenken.
Mir kommt die Galle hoch, wenn ich daran denke, wie man auch nach dem Krieg mit seinem Vermächtnis und seiner Familie umgesprungen ist.
Noch mehr erfaßt mich die Wut darüber, wie sich Nazi ? Größen im Nachkriegsdeutschland bedienen durften.
Beispielhaft sein nur der Umgang mit der Hinterlassenschaft verurteilter Kriegsverbrecher, z.B. dem widerlichen, unsäglichen Präsidenten des ?Volksgerichtshofs? Roland Freisler, dem man noch nachträglich die zu erwartende Rente hochgerechnet hat.
Mir fehlen bis heute die vielen ?kleinen?, unbekannten Helden und deren Gedenken, die wohl einerseits unbekannt geblieben sind, deren Taten andererseits wohl nicht ?spektakulär? genug waren, als daß man sich ihrer erinnert.
Nach wie vor gibt es Kräfte, die aus ideologischer Verblendung z.B. einem KZ-Arzt, der den Nazis ebenfalls zum Mordopfer wurde, verweigert, daß eine Straße nach ihm benannt wird. Sein ?Verbrechen?? Er war Kommunist.
Es würde zu weit führen, aber sie sollen nicht unerwähnt bleiben, diejenigen Feinde der Demokratie, die ?Neo-Nazis? genannt werden, die nach wie vor von der fäkalbraunen Seuche befallen sind.

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