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Misslungener NS-Propagandacoup: Standpauke für Hitler
ullstein bild

Im Sommer 1943 traf Adolf Hitler den Schriftsteller und NS-Sympathisanten Knut Hamsun zum Tee. Doch das geplante Propagandatreffen mit dem norwegischen Nobelpreisträger endete im Eklat.

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Sonja Horn 18.03.2016, 12:15
1. Das Buch

welches übrigens wirklich sehr lesenswert ist, spielt (anders als im Artikel behauptet) nicht in der ländlichen Welt der Bauerndörfer, sondern in der Hauptstadt Oslo.

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Peter Petrowski 18.03.2016, 13:04
2.

Dieses Zusammentreffen war zwar ein "misslungener NS-Propagandacoup", aber wohl keine "Standpauke für Hitler", eher umgekehrt. Und der Auslöser war mangelndes diplomatisches Geschick des norwegischen Gastes.
Hitler beginnt mit einem, wie man heutzutage sagen würde, Ice-Breaker: "Ich fühle mich, wenn nicht ganz, so doch stark mit Ihnen verbunden, weil unsere Leben in gewissen Hinsichten so ähnlich sind."
Üblicherweise folgt auf so eine Einleitung erstmal Small-Talk. Und wer sich mit Hitler getroffen hat, durfte wohl wissen, dass Hitler dann erstmal kräftig ausgeholt hat, um über seine Ziele und seine Ideen und die Zukunft der Menschheit zu philosophieren. Doch was macht Hamsun: "Der Gast stimmte zu, wechselte aber gleich das Thema." Es gibt auch hier auf Spiegel.de immer so interessante Kolumnen zum Thema Kommunikation. Die hätten Herrn Hamsun sicher geholfen. Vor allem hätte er sich über die Rollenverteilung klar sein sollen. GröFaZ empfängt Autor. Da treffen sich nicht ein Österreicher und ein Norweger zufällig beim Angeln. Gleich mit so pikanten Themen ins Haus zu fallen, würde auch heutzutage eine negative Atmosphäre schaffen, in der jedes weitere Bemühen umsonst wäre.
"Hitler begann einen Monolog über den "Schicksalskampf" der Deutschen, als Hamsun ihn erneut unterbrach: "Warum müssen wir in Norwegen so unsicher sein?" " Auch wenn Hamsun das Thema unter den Nägeln brannte, den "Führer" zu unterbrechen ist nicht minder ungeschickt, als in einem Meeting mitten in der Rede des Vorstandschefs darauf hinzuweisen, dass er ja allein für die schlechten Zahlen verantwortlich sei. Man dürfte wann auch damit rechnen, dass "solche Leute" nie wieder in die Nähe des Vorstandes gelangen würden.
Wie Sie selbst schreiben, hat "der Gast den Führer mit einer Tirade über dessen Norwegen-Politik brüskiert." Doch wer ist der Verlierer bei diesem "Duell"? Für Hitler wäre ein ihm ergebener Hamsun sicher nicht uninteressant gewesen. Doch die Geschichte zeigt, dass weder Vernunft noch Unvernunft Hitler von irgendeinem seiner Verbrecher abgehalten haben. Verlierer ist also ganz klar Hamsun, der mit "Honig um den Bart schmieren" viel mehr hätte erreichen können. So jedenfalls sorgte der Auftritt nur für unnötigen Streit.

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Werner Degen 18.03.2016, 13:18
3. Seine begeisterte

Leserschaft reichte von Links bis Rechts. Und auch ich hab ihn verschlungen ( nach Tip Tucholskys)

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Max Seelhofer 18.03.2016, 13:26
4. Doch wohl eher

"für" könnte ja auch "zugunsten ...". - Ja? Dann doch eher "gegen" ... - Titelgebung ist NICHT "Glückssache" ...

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Joachim Brandenberg 18.03.2016, 13:57
5.

"Es ist das einzige erhaltene Foto von der Begegnung. Alle anderen Aufnahmen wurden nach dem missglückten Besuch vernichtet." Bildunterschrift des ersten von ZWANZIG Bildern der Fotostrecke zum Artikel, in dem es um die Begegnung geht. Wow.

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K. Kind 18.03.2016, 14:44
6.

Interessanter Artikel.- Kleiner Hinweis am Rande: Carl von Ossietzky war kein Jude. Er wurde von den Nazis aus politischen Gründen ins KZ verschleppt.

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Stefan Freitag 18.03.2016, 14:59
7. Bitte, bitte, bitte

setzen Sie kompetente Autoren ein, die den Gegenstand ihrer Darstellung kennen. Wer "Hunger" nicht gelesen hat, sollte zu Hamsun schweigen.

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Robert Platzgummer 18.03.2016, 16:39
8. Carl von Ossietzky

"... des jüdischen Journalisten Carl von Ossietzky, ..." ---- Hier scheint mir ein Irrtum vorzuliegen. Carl von Ossietzky war 1889 katholisch getauft, und 1904 evangelisch konfirmiert worden, die Nazis hatten von Ossietzky wegen seiner pazifistischen Haltung und wegen "Landesverrats" in KZ-Haft gehalten. Eine jüdische Herkunft von Ossietzkys wird hingegen nirgends erwähnt, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Ossietzky oder auch https://www.dhm.de/lemo/biografie/carl-ossietzky. Nicht jeder, der von den Nazis verfolgt wurde, muß deswegen auch schon Jude gewesen sein.

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Jörg Heinen 18.03.2016, 19:04
9. Thorkild Hansen

Ausführlich wurde die Geschichte bereits in der Hamsun Biografie von Thorkild Hansen 1979 dargestellt. Schlaue "Eines Tages" Autoren müssen eben belesen sein, wie mir schon mehrfach aufgefallen ist.(z.B. Verwertung des Buches "Imperium" von Christian Kracht ebd.)

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