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Mit Musik nach Paris
24.10.2007, 18:07
1.

Lieber Herr Voigt,
Ich habe den Bericht über den Militärmusikus Friedrich Wilhelm Voigt mit grossem Interesse gelesen. Es besteht nämlich durchaus eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er auch dem General Leonhard von Blumenthal begegnet ist, der die 6. Preussische Armee über Sedan nach Paris führte und an allen wichtigen Verhandlungen und auch bei der Kaiserkrönung in Paris dabei war. Aus Familienbesitz kenne ich die Memoiren des Generals vB, die 1902 veröffentlicht wurden. Meine Frage: erwähnt Ihr Vorfahre in seinen Briefen den General vB? Falls ja, in welchem Zusammenhang?
Im voraus Dank für Ihre Antwort, Ulrich v.Blumenthal

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26.04.2008, 16:56
2.

Die Bezeichnung Deutsch-Französischer Krieg ist historisch falsch, umsomehr als es Deutschland als Nation 1870 überhaupt nicht gab.
Es handelte sich um den Französisch-Preußischen Krieg. Das Kaiserreich Frankreich war kriegserklärende Partei. Die Kriegserklärung erging 1870 an das Königreich Preußen. Im französischen und angloamerikanischen Sprachraum heißt dieser Krieg korrekterweise "La Guerre Franco-Prussien" bzw. "The French-Prussian War".

Mit besten Grüßen
Dr. Hans-Peter Kirsch
Saarbrücken

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25.11.2009, 16:42
3.

Wenn man der Frage nachgeht, ob und wie man den Ersten Weltkrieg hätte vermeiden können, stösst man auf Zusammenhänge bis hin zur Gründung des Deutschen Reiches mit Hilfe des preussisch- französischen Krieges.
Zwar hat Frankreich den Krieg erklärt, Napoleon III. wurde aber von Bismarck durch einen vom Zaun gebrochenen Konflikt geschickt dazu provoziert.
Bismarck hatte eigentlich mit einer Einigung Deutschlands nicht vor Ende des 19. Jahrhunderts gerechnet (Bismarck-Biografie von Franz Herre). Anscheinend brachte ihn die zuverlässig erfolgreiche Generalstabsplanung v. Moltkes dazu, seine Pläne zu ändern. Der Druck eines Krieges ermöglichte ihm, Preussens Vormacht besser zu sichern. Die anderen Kleinstaaten im deutschen Raum waren anscheinend nämlich gar nicht so begeistert davon, in einem preussisch dominierten Gesamtdeutschland geeint zu werden. Bei normalen Verhandlungen hätte Preussen schlechte Karten gehabt.
Der preussisch-französsiche Krieg hatte also, von Preussen aus gesehen, innenpolitische Gründe. Der Katalysator Krieg ermöglichte es, preussischen Instanzen Reichsbefugnisse zu übertragen. Eine wirkliche Auseinandersetzung fand nicht statt. Das machte den Übergang zu einer echten parlamentarischen Monarchie im Deutschen Reich so schwierig und das Parlament zur Schwatzbude (WilhelmII). Wäre dort der Schlieffen-Plan diskutiert worden, wäre viellleicht früh genug klar gewesen, dass dieser Plan nicht gelingen konnte. Man hätte auf das Attentat von Sarajewo mit einem lokal begrenzten Krieg reagiert. Alle Schlachten in Zusammnhang mit dem Attentat wurden von den Mittelmächten nämlich gewonnen.
Das extremste Szenario läuft darauf hinaus, dass die Vereinigung Deutshclands ohne zwei Weltkriege auch möglich gewesen wäre, wenn Bismarck der Versuchung widerstanden hätte, die Verhandlungen mit den anderen deutschen Staaten durch einen Krieg zu beschleunigen und zu vereinfachen.

Mit freundlichen Grüßen
Esther Stalmann

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Kai Bonte 14.03.2014, 12:11
4. Mit Musik nach Paris

Als preußischer Militärmusikus zieht Friedrich-Wilhelm Voigt im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 von Potsdam bis nach Paris. In seinen Briefen schildert er den von Bismarck angezettelten Feldzug, aus dem das wilhelminische Kaiserreich hervorging, aus einer höchst ungewöhnlichen Perspektive.

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Mit Denken 28.12.2016, 15:31
5. @Esther Stalmann

Wie darf man denn ihre Aussage "Napoleon III. wurde aber von Bismarck durch einen vom Zaun gebrochenen Konflikt geschickt dazu provoziert" interpretieren?

Entweder war Napoleon III. doof genug, auf eine Provokation hereinzufallen (da fragt man sich gleich wie so ein Tölpel Kaiser werden konnte) oder seine nationale Säbelspitze juckte (was genauso dämlich ist)... Auf jeden Fall hat er Preußen den Krieg erklärt und nicht umgedreht. Natürlich kann man darüber Schwadronieren, das Bismarck Napoleons Psyche richtig eingeschätz hat - das hätte im umgekehrten Fall aber auch so sein sollen, was es nicht war und damit auch Bände über die Berater von N III. aussagt...

MfG

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