Forum: einestages Blogs
Nachwendekinder: Die blinden Flecken in ostdeutschen Familien
Walter Iooss Jr./ Sports Illustrated/ Getty Images

Sie sind um 1990 geboren und fühlen sich der DDR seltsam verbunden, erfahren von ihren Eltern aber wenig. Mit seinem Buch "Nachwendekinder" stößt Johannes Nichelmann schmerzhaft ins Zonenrandgebiet zwischen Schwärmen und Schweigen vor.

Seite 1 von 4
Uwe Salentijn 03.09.2019, 15:35
1. Geschichte wiederholt sich....

...aus der kurzen Lektüre des Artikels scheint sich die Erkenntnis herauszukristallisieren, dass sich Geschichte leider wiederholen kann...es wir Zeit, dass daraus die richtigen Lehren gezogen werden...ansonsten freue ich mich über einen neuen 68'er Jahrgang...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Klaus Kahlert 03.09.2019, 15:38
2. Notwendige Differenzierung

Vielleicht können sich Ost und West darauf einigen, das es "die DDR" und "den Westen" nicht gab und auch nicht gibt. Meine Familienmitglieder gehören zu den studierten gut ausgebildeten, die vor 1989 und auch danach zur besseren Mittelschicht gehörten und gehören, ohne politisch besonders aktiv gewesen zu sein.
Ich kann auch meine Zeit bis zum Abitur mit der gleichen Zeit meiner Frau in einer anderen Stadt vergleichen. Die politischen Verhältnisse an den Schulen waren deutlich verschieden, obwohl nur 150 km dazwischen lagen.
Die Familie meines Sohnes hat sich nach dem Studium in einem westlichen Bundesland hervorragend etabliert und hat und hatte auch im persönlichen Umfeld niemals irgendwelche Probleme.
Ich selbst habe vor 1989 eine Ostfirma geleitet und habe das ab 1990 bei einer Westgruppe ebenfalls erfolgreich getan und das ohne größere Defizite an Wissen und Engagement.
Deshalb meine Meinung, wir sollten mit der Schwarz- und Weißmalerei aufhören, dann passt es schon zusammen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Friedrich Kuhlmann 03.09.2019, 15:45
3. Beim Photo des vermeintlichen Palastes...

...der Republik handelt es sich um das DDR Außenministerium direkt gegenüber.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Stefan Kircher 03.09.2019, 15:56
4. Erinnert mich

irgendwie an die Aufarbeitung der NS-Zeit im Westen. Mein Opa hat da auch nie den Mund aufgemacht und meine Eltern auch nur über eine schwere aber glückliche Kindheit geredet. Letzendlich hat sich rausgestellt das mein Ops doch Nazi war, und zwar aus Überzeugung. Hat leider auch auf Mutti abgefärbt. Es waren immer die Kleinigkeiten im Alltag die es gezeigt haben welchen Vater's Kind sie war. Es wird demnach wohl noch etwas dauern bis sich ein "Ossi" mit einem "Wessi" genausowenig (ohne Diskriminierend zu sein) verbunden fühlt wie der Hamburger dem Münchner ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Holger König 03.09.2019, 15:56
5.

So lange die ostdeutsche Bevölkerung von der Chance auf Karriere ferngehalten wird und selbst im Osten bis zu 90% der Führungsposten von Wessi-Seilschaften vererbt werden, wird das DDR-Bewußtsein nicht verschwinden, sondern vererbt. Und da die notorischen Querulanten / Bürgerselbstgerechtler nur eine Minderheit waren, ist die maßgebliche Erinnerung die Arbeitslosigkeit durch die Treuhand-Machenschaften (systematische Ent-Industrialisierung) bei Eltern und Großeltern.
Der ordentliche DDr-Bürger hatte auch keinen Ärger mit dem MfS, sondern kannte dieses vor allem aus Filmen wie For Eyes Only und Das unsichtbare Visir.
Und wenn es 30 Jahre lang nicht das "Wirtschaftswunder 2.0" (die sog. "blühenden Landschaften") gab, dann glaubt auch keiner mehr daran.
Demnächst wird die AfD als "sekundäre Treuhand-Täterpartei"und "Fleisch vom Fleische der CDU" entlarvt (viele ex-CDU-Mitglieder in der AfD), dann kommt endlich der Linksruck, weil die rechten Rattenfänger aus der Mode sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Thomas Güttler 03.09.2019, 16:01
6. ....

Obwohl pünktlich zu meinem 18. Geburtstag die Mauer geöffnet wurde und ich in meiner sächsischen Heimat geblieben bin, fühlte ich mich nie als Deutscher zweiter Klasse. Eher als derjenige, der hier im Osten trotz allen Widrigkeiten der 90er mit dem Hintern an die Wand gekommen ist und mit angepackt hat. Und wenn ich heute von den damaligen Wirtschaftsflüchtlingen als "der doofe Rest" bezeichnet werde, lächle ich nur milde und genieße, dass ich immer ein Zuhause hatte und mich nirgends "integrieren" mußte, inkl. neue Sprache lernen.
Nichtsdestotrotz kann ich das Gefühl meiner Mitmenschen im Osten nachvollziehen. Die meisten hatten nicht soviel Glück mit Job, Studium, Familie.... da wird es schwierig, seine Selbstachtung und den Stolz aufrecht zu erhalten.
Und dass der westdeutsche Mitbürger mit selbstbewußten und meinungsstarken Ossis Probleme hat, ist eine Binsenweisheit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Michael Graw 03.09.2019, 16:29
7. Identität ....

.... ist das, womit man sich aktiv identifiziert! Schon seltsam, sich mit einem Unrechtsstaat zu identifizieren, den man nicht erlebt hat und der gemäß den leninistischen-stalinistischen Idealen den „Neuen Menschen“ schaffen wollte - wie die Nazis die „arische Rasse“ züchten wollten. Müßten sich die Nachkriegskinder nicht dann auch mit dem Dritten Reich identifizieren? Schwer nachvollziehbare Ideen, die der Autor hier präsentiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Heiko Richter 03.09.2019, 16:29
8. Kommentar zur Bilderstrecke

69 geboren, sehr gutes Leben gehabt, Ostdeutsch wegen Franke, Ostwestfale usw lustig im Ausland versteht keiner, nie Schlange gestanden, zu Demos gegangen wenn ich wollte, Stasi hatte mich ?berwacht und zum Gespräch gebeten trotzdem nichts negatives passiert, ?ber Faschismus wurde in meiner Familie viel gesprochen, meine Kinder interessiert meine Geschichte nicht. Und da in allen Medien nur über einen Untechtsstaat berichtet wird, der mir fremd ist und die Denkweise von den Westdeutschen mir regelmäßig entgegen geschleudert wird, ist Deutschland nicht mein Land. Ich sehe mich als Europäer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Peter Müller 03.09.2019, 16:55
9.

Zitat von Holger König
So lange die ostdeutsche Bevölkerung von der Chance auf Karriere ferngehalten wird und selbst im Osten bis zu 90% der Führungsposten von Wessi-Seilschaften vererbt werden, wird das DDR-Bewußtsein nicht verschwinden, sondern vererbt. Und da die notorischen Querulanten / Bürgerselbstgerechtler nur eine Minderheit waren, ist die maßgebliche Erinnerung die Arbeitslosigkeit durch die Treuhand-Machenschaften (systematische Ent-Industrialisierung) bei Eltern und Großeltern. Der ordentliche DDr-Bürger hatte auch keinen Ärger mit dem MfS, sondern kannte dieses vor allem aus Filmen wie For Eyes Only und Das unsichtbare Visir. Und wenn es 30 Jahre lang nicht das "Wirtschaftswunder 2.0" (die sog. "blühenden Landschaften") gab, dann glaubt auch keiner mehr daran. Demnächst wird die AfD als "sekundäre Treuhand-Täterpartei"und "Fleisch vom Fleische der CDU" entlarvt (viele ex-CDU-Mitglieder in der AfD), dann kommt endlich der Linksruck, weil die rechten Rattenfänger aus der Mode sind.
1.) Da mit den Führungsposten ist wie bei den Frauen. Es gibt zu wenig Bewerber und die wenigen sind auch noch Schüchtern. Ich bin für lernen und gegen Quote.
2.) Diejenigen, die Ärger mit der Stasi hatten, waren auch ordentliche Bürger.
3.) Das Wirtschaftswunder 1.0 wurde auch nicht in den Westen getragen. Das haben die Wessis selbst gemacht. Sicher gab es viele Fehler bei der Treuhand. Man hätte damals mehr riskieren müssen. Anstelle Kurzarbeitergeld und ABM hätte es mehr Risikokapital geben müssen. Es gab aber auch zu wenige, die aktiv waren und Unternehmen gründeten, um ein WW zu erzeugen.
4.) In der AfD sind m.E. mehr Linke als CDUler - man mag mich korrigieren - Leute, die sich selbst engagieren, für sich und ihr Umfeld, denen sind Kümmerer-Parteien, "ihr Armen, wir machen das für Euch..." und Parteien mit Personenkult fremd. Die vertrauen auf ihre Stärke, wissen um ihre Verantwortung für die Gesellschaft und brauchen das Vertrauen und die Freiheit dieser Verantwortung gerecht zu werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 4