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Paradies der Plattenschieber
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07.02.2010, 09:15
1.

Es gab mehr als eine Beatles Schallplatte von Amiga. Ich besitze 3 verschiedene.

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07.02.2010, 09:19
2.

Scön und gut, aber wie erklären Sie sich die existierende AMIGA-LP der Rolling Stones?

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07.02.2010, 09:19
3.

Die Ostmusik-Quote wurde-wie so viele realitätsferne DDR-Regeln-übrigens regelmäßig ad absurdum geführt. Die Disko begann "offiziell" einfach schon am Nachmittag und der DJ spielte dann in einem leeren Saal ein paar Stunden lang nur die ungeliebte Ostmusik. Die Besucher kamen erst am Abend, wenn alle wussten, dass die "gute" Musik gespielt werden würde (und zwar komplett ohne Quotensongs).

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07.02.2010, 23:35
4.

Kurt Neumann
eigene Erfahrung von über 20 Jahren Diskothek, Platten waren schlecht zu bekommen, aber dank NDR2, HR3 oder RIAS2 konnten die wichtigen aktuellen Titel aufgenommen werden. Der Beitrag hat leider das Auf und Ab von 1963 bis 1989 zu wenig erfasst. Wir haben manchmal in 5 Stunden Diskoabend nur 1 bis 2 Osttitel gespielt und das freiwillig, wie City - Am Fenster oder Jugendliebe von Ute Freudenberg. Sonst haben wir mit dem Risiko der AWA Kontrolle gelebt.

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07.02.2010, 23:38
5.

Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde also 1965 ein Plattentauschring zerschlagen, weil er mit Michael Jacksons "Thriller" dealte... Ich glaube, dafür (bzw. für die benutzte Zeitmaschine) hätten sich auch westliche Dienste interessiert. ;-)

Spaß beiseite: Wieder mal ein typischer "Eines Tages"-beitrag, in dem nichts wirklich falsch ist, aber fleißig zur Erzielung des gewünschten Effektes Zeiten und Fakten durcheinander gewirbelt werden. Man sehe sich nur mal die Jahreszahlen der zitierten Repressionsmaßnahmen (die ich in keinster Weise bestreiten will) und die Jahre, in denen die von den Protagonisten ausgeführten Plattenschmuggeleien stattfanden an. Ersteres ausschließlich 60er und 70er Jahre, letzteres 80er.

Auch ich habe auf dem Gebiet einige Erfahrungen gesammelt und möchte aus meiner Sicht einige Korrekturen anbringen, wobei ich natürlich nur die von mir erlebten 80er Jahre beschreiben kann:

Für Melodia-Platten ist -zumindest zu dieser Zeit- niemand nach Budapest gefahren. In Ungarn gab es Original-LPs zu kaufen, und das auch völlig legal (nicht auf dem Schwarzmarkt). Aber eben -wegen des Umtauschkurses- zu astronomischen Preisen, umgerechnet 60-70 Ostmark. Etwas billiger gab es die gefürchteten jugoslawischen Lizenzplatten, die allerdings eine lausige Qualität hatten. Außerdem gab es in Budapest in den 80ern einige tolle Konzerte zu erleben, ich hatte das Glück, 1987 Peter Gabriel und 1988 das "Human Rights Now"-Konzert mit Tracy Chapmann, Youssou N'Dour, Sting, Peter Gabriel und Bruce Springsteen zu erleben. Allerdings führte das, zusammen mit den gekauften LPs wegen des angesprochenen Maximal-Umtauschs Ostmar-Forint zu gehörigen finanziellen Engpässen.

Melodia-LPs habe ich auch ein paar, bei Besuchen in Leningrad und Moskau gekauft. Bemerkenswert an diesen Platten ist, dass die Namen der Künstler und die Titel natürlich in kyrillischen Buchstaben geschrieben wurden, die Titel dabei noch ins Russische übersetzt. Zum Beispiel habe ich folgende Platten:

???? ??????: "??????????? ????"

?????? ??? ????????: "???????? ?? ??????"

Da zeigte sich mal wieder, dass der ungeliebte Russisch-Unterricht manchmal doch ganz nützlich war...

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Volker Röppischer 07.02.2010, 23:38
6.

Schade finde ich ja, daß die selben falschen Geschichten immer wieder erzählt werden. Gerade das Springsteen Konzert war schon einmal Thema bei einesTages und damals wurde ebenfalls behauptet, daß nur ausgewählte FDJ Mitglieder Karten bekamen. Das ist aber einfach totaler Blödsinn. Ich bin damals mit ein paar Freunden spontan nach Berlin gefahren und wir konnten ohne Probleme an der Abendkass eine Karte für 20 Mark kaufen. Das war auch bei den anderen Konzerten zu dieser Zeit nicht anders (Marillion, Bryan Adams, Joe Cocker, Tina Turner etc.). Also bitte immer mal bei der Wahrheit bleiben. Gleiches gilt auch für die Geschichte mit den LP's...Rolling Stones, Genesis, Bob Dylan, Pink Floyd etc. es gab eigentlich von fast allen Amiga LP's. Meist waren diese natürlich schwer zu bekommen und es gab auch nur immer eine bestimmte LP. Alles andere musste man sich notgedrungen auf dem Schwarzmarkt oder in Ungarn besorgen.

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07.02.2010, 23:38
7.

Gunkels Behauptung "So waren sämtliche Scheiben der Rolling Stones verboten" ist falsch.

"The Rolling Stones", Amiga, Katalog-Nr.: 8 55 885, Produktionsjahr: 1981, Veröffentlichungsjahr: 1982, Lizenzgeber: Teldec Schallplatten GmbH, Hamburg

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07.02.2010, 23:38
8.

Gunkels Behauptung "Es gab sogar eine LP und drei Singles der Beatles offiziell zu kaufen" ist ebenfalls falsch.

Es gab vier Beatles-LPs:

"The Beatles", Amiga, Katalog-Nr.: 8 50 040, Produktionsjahr: 1964, Veröffentlichung: 1965, Lizenzgeber: Electrola

"The Beatles -- A Collection of Beatles-Oldies", Amiga, Katalog-Nr.: 8 55 383, Produktionsjahr: 1973, Veröffentlichung: 1974, Lizenzgeber: EMI Records

"The Beatles 1967-1970", Amiga, Katalog-Nr.: 8 55 742, Produktionsjahr: 1979, Veröffentlichung: 1980, Lizenzgeber: EMI Records

"The Beatles", Amiga, Katalog-Nr.: 8 50 962, Produktionsjahr: 1982, Veröffentlichung: 1983, Lizenzgeber: EMI Records

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11.02.2010, 10:09
9.

Ich hoffe, dass dieser Beitrag nun freigeschalten wird.
Nochmals zur Aufklärung von Bild 13. Es gab keinen Amiga Rare Groove Mix, der zu DDR Zeiten entstanden ist. Das Foto ist lediglich das Cover von meinem Mix den ich im Mai 2009 für soulsender.de zusammengestellt habe. Desweiteren sind selbst auf dem Foto Fehler enthalten. Das Singlesleeve gab es nur in den 60ern, die braunen Labels auf den Platten selbst gab es erst ab den 70ern, in den 80ern waren diese dann blau. Wenn man auch genau hinschaut, wird man auf dem Bild/ Plattenlabel auch eine myspace Adresse entdecken.... wer sich den Mix gern anhören möchte, schaut auf meine webseite.

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Peter Degenkolb 12.02.2010, 13:06
10.

Hallo, nur so zur Info, wenn man wie ich Glück hatte und Bayern 3 und RIAS empfangen konnte, hatte man zumindest bandtechnsich ausgesorgt, weil dort umfangreiche Hit-Paraden liefen. Für Musik außerhalb der Hit-Parden boten sich dann immer noch die Nachtsendungen auf Bayern 3 mit Jürgen Herrmann an sowie auf den Ostsendern, die "Musikalische Luftfracht". Nicht zu unterschätzen waren auch Hallo und Dt 64. Dort wurde zwar lienienkonform eine Quote von DDR- Musik und internationaler Musik gespielt und bei manchen Wortbeiträgen (Ernteschlacht, NVA etc.) wurde einem schlecht. Aber auch hier konnte man Mitschneiden. Am wichtigsten war jedoch "Duett-Musik für den Recorder" dort wurden regelmäßig die aktuellsten LPs aus aller Welt auf eigenartige Weise abgespielt: Eine Dame las mit emotionsloser Stimme einen Text zur Gruppe und zur LP vor, wobei es da schon Probleme mit der Aussprache englischer Begriffe gab und dann lief eine halbe Stunde eine LP Seite ohne Unterbrechung.
Ja und wie bereits von anderen ausgeführt, gab es noch die Trödelmärkte, wo die Plattenhändler standen. Als Schüler konnte ich mir solche teuren Teile nicht leisten. Da konnte ich mir nur die Cover anschauen, bekam dabei einen ehrfürchtigen Schauer über den Rücken, a la "Das ist also die die Platte!" und verstand dann im Anschluss die Welt nicht mehr.

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