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Rettung im letzten Moment
Vittorio Ferretti 20.05.2009, 09:33
1.

Ein starker Gegenbeweis gegen die Theorie "Holocaust = gesamteuropäisches Phänomen". In der dänischen Zivilgesellschaft gab es also hinreichend humanistische Prinzipien bzw. genozidäre Hemmschwellen. Das sind m.E. die entscheidenden Faktoren des zivilisatorischen Fortschritts oder Rückschritts, nicht die Hitlers, Stalins oder Demjanuks.

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Sylvia Dörflinger 20.05.2009, 09:33
2.

Die Bereitschaft Schwedens, die Flüchtlinge aufzunehmen, sollte nicht unter den Teppich gekehrt werden. Es gab kaum eine andere Nation auf der Welt, an die sich jüdische Flüchtlinge 1943 noch hätten wenden können. Selbst die USA sind da keine Ausnahme. Den Schweden gebührt genauso wie den Dänen die Ehre, die dänischen Juden gerettet zu haben.

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22.05.2009, 13:27
3.

Mario Nikiforow, Sofija, Bulgarien

Die Rettung der dänischen Juden ist K E I N einmaliger Vorgang in der Geschichte der "Endlösung". In meinem Land - Bulgarien, wurden ca. 50 000 (nein, es ist kein Tippfehler - fünfzigtausend) bulgarische Juden vor den Vernichtungslagern gerettet.
Obwohl Bulgarien ein Verbündeter von Nazi - Deutschland war. Die Rettung (Mai 1943) kam einerseits durch die Bevölkerung, andererseits aber auch aus höchster Ebene : eine Gruppe von Abgeordneten im Parlament unter der Führung von Dimitar Peschev, und der bulgarische Zar Boris ???. Die Rettungsaktion wurde aktiv durch die bulgarische christlich-orthodoxe Kirche und dessen Oberhaupt, dem Patriarchen Kyrill, unterstützt. Das bulgarische Parlament und der Zar beugten sich nicht unter den Druck von Hauptsturmführer Theodor Dannecker, der extra ins Land bestellt wurde und 9 Monate verbrachte, um Eichmanns "Endlösung" durchzusetzen - ohne Erfolg.

Wichtiges Werk zum Thema : Prof. Michael Bar - Zohar "Beyond Hitler's Grasp: The Heroic Rescue of Bulgaria's Jews" ( November 1998).

Ein Bruchteil der Rettung der bulgarischen Juden, abgesehen von dieser landesweit organisierten und unterstützten Aktion, waren die hochriskanten Transporte von Juden durch bulgarische Reeder, bzw.Schiffskapitäne, vom bulgarischen Schwarzmeerhafen Warna nach Palästina. Die mörderische Gefahr kam einerseits durch die sowjetische Schiffs-und U-Boot-Flotte im Schwarzen Meer, andererseits durch den Beschuss der Engländer (!!!) von der Küste Palästinas auf die ankommenden Schiffe.
Großbritannien wollte damals einen Massenandrang von Juden in ihre historische Heimat (noch) verhindern.

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26.10.2012, 10:52
4.

Ich finde die Geschichte sehr tröstlich angesichts des Wahnsinns, der immer noch in der Welt herrscht.

Das so etwas in derart großem Rahmen durchgeführt werden konnte und soviele Menschen mitieinander für eine solche Sache funktioniert haben finde ich klasse.

Und Herr Nikiforow: Der ähnliche Vorgang in Bulgarien war mir bisher nicht bekannt. Vielen Dank!

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Wilfried Krämer 17.05.2013, 09:17
5.

Stimmt die Aussage:"Obwohl viele! Dänen überzeugte Nazis waren"
Wieviel sind viele? Ich kann das bald gar nicht glauben.

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Kai Bonte 14.03.2014, 12:04
6. Rettung im letzten Moment

Der entscheidende Tipp kam von einem Deutschen: Kurz vor der großangelegten Hetzjagd der nationalsozialistischen Besatzer gelang Tausenden dänischen Juden im Herbst 1943 die Flucht übers Meer nach Schweden. Die Bevölkerung half den Verfolgten - obwohl viele Dänen überzeugte Nazis waren. Von Manfred Ertel

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