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Unter fescher Flagge
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19.02.2009, 10:10
1.

Wenn man sich die Bilder anschaut ist es größtenteils immer noch so wie ich es in den ersten 20 Jahren der "Bonner Republik" kennengelernt habe: Die Deutschen identifizieren sich hauptsächlich beim Fußball mit der Nationalflagge. In der "Bonner Republik" war es auch keinem peinlich die Flagge im Stadion zu schwenken. Nur außerhalb wurde sie kaum gezeigt.
Ich bin und bleibe ein Kind der "Bonner Republik". Ich habe keinen Nationalstolz und werde auch wohl nie einen entwickeln, und es wird mir nie einfallen die Flagge ans Auto zu klemmen.

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19.02.2009, 10:10
2.

Zu der Thematik empfiehlt sich eine vom brandenburgischen "Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit" kostenlos abgegebene Broschüre, die unter www.politische-bildung-brandenburg.de/extrem/pdf/schwarz_rot_gold.pdf im Internet frei abrufbar ist

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Hannes Gnad 19.02.2009, 10:10
3.

Die Gründung der Farben kommt in dem Artikel leider etwas kurz: "Nach 1815 machen Studenten Schwarz-Rot-Gold zum Zeichen ihres Kampfes gegen die Restauration in Europa."

Ausführlich könnte man darauf hinweisen, daß es die urburschenschaftliche Bewegung war, die Schwarz-Rot-Gold entwickelt hat. Am Anfang standen die Lützower Jäger, von denen sich 1815 viele bei der Jenaischen Burschenschaft wieder fanden. Aus einer rot-schwarzen Fahne mit goldenem Rand wurde ein Jahr später eine rot-schwarz-rote Fahne, mit goldenem Rand und goldenem Eichenzweig in der Mitte. Über das Wartburgfest 1817 entwickelte sich bis 1819 daraus dann Schwarz-Rot-Gold, wobei noch bis zum Hambacher Fest die Farbreihenfolge ("von oben" oder "von unten") unsicher war - auf einigen Darstellungen des Hambacher Festes scheint daher aus heutiger Sicht die Fahne auf dem Kopf zu stehen.

Tipp zum Weiterlesen (sehr ausführlich):

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarz-Rot-Gold


Liebe Grüße,
Hannes Gnad

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19.02.2009, 12:45
4.

In dem Artikel ist knapp und pauschal vom "selbstverschuldeten" Untergang des Kaiserreiches die Rede. "Mitverschuldet" fände ich akzeptabel, "selbstverschuldet" entspricht einer einseitigen Betrachtung der deutschen Geschichte.

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19.02.2009, 14:31
5.

Warum genau sollte das einseitig sein? Die Eliten des kaiserreichs erwiesen sich als unfähig, noch rechtzeitig einen Verständigungsfrieden zu schließen, der den Fortbestand der politischen Ordnung hätte sicherstellen können. stattdessen setzten sie alles auf die "letzte Karte", einen militärischen Sieg, obwohl die USA bereits in den krieg eingetreten waren. als Reichskanzler Max von Baden nach der alternative zu fragen wagte, beschied in Ludendorff knapp: "Dann muss Deutschland eben zu Grunde gehen."

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19.02.2009, 17:25
6.

Warum genau sollte das einseitig sein? Die Eliten des kaiserreichs erwiesen sich als unfähig, noch rechtzeitig einen Verständigungsfrieden zu schließen, der den Fortbestand der politischen Ordnung hätte sicherstellen können. stattdessen setzten sie alles auf die "letzte Karte", einen militärischen Sieg, obwohl die USA bereits in den krieg eingetreten waren. als Reichskanzler Max von Baden nach der alternative zu fragen wagte, beschied in Ludendorff knapp: "Dann muss Deutschland eben zu Grunde gehen."

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19.02.2009, 22:58
7.

Zum Einwand von Herrn Kloth müßte man 2 Fragen stellen, nämlich wer alles für den Ausbruch des ersten Weltkriegs verantwortlich war und zweitens, ob nach dem Kriegseintritt der USA ein Verständigungsfrieden mit den westlichen Alliierten
überhaupt noch zu erreichen gewesen wäre. Der Geist der Verträge von Versailles usw. sprechen gegen die Möglichkeit der vertanen Chance eines Verständigungsfriedens.

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19.02.2009, 23:28
8.

Die Frage der Kriegsschuld kann man in diesem Zusammenhang natürlich dikutieren (und sie wird ja auch gerne und heiß diskutiert) - sie ist aber wohl nicht die entscheidende, weil sie nicht das Kernargument für den "selbstverschuldeten" Untergang berührt. Denn selbst wenn man unterstellt, das Kaiserreich sei nicht (alleine) am Ausbruch des Krieges schuld gewesen, bleibt die Frage, warum es nicht zu einem Verständigungsfrieden bereit war, als es nicht mehr siegen konnte. Der Kriegseintritt der USA war ja eine Reaktion auf eine Eskalation von Seiten des Kaiserreichs (Zimmermann-Telegramm, uneingeschränkter U-Boot-Krieg). Dennoch boten Wilsons "14 Punkte" von Januar 1918 Deutschland einen der totalen Niederlage vorzuziehenden Ausweg, der nur den Verlust des Elsass bedeutet hätte. Aber als Max von Baden im Oktober 1918 sein Waffenstillstandsgesuch an die Allierten auf Basis der "14 Punkte" richtete, war die Chance vertan. Der "Geist der Versailles-Verträge" war auch ein Ausfluss dessen, was in der Zwischenzeit passiert war. Ende 1917 hätte das womöglich ganz anders ausgesehen, denn den Alliierten war ja nicht entgangen, dass es friedensbereite Kräfte in Deutschland gab (Friedensresolution des Reichstags von Juli 1917), außerdem war Deutschland zu diesem Zeitpunkt militärisch noch zu stark, um Bedingungen à la Versailles durchzusetzen.

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19.02.2009, 23:39
9.

Die Frage der Kriegsschuld kann man in diesem Zusammenhang natürlich thematisieren, sie ist aber wohl nicht die entscheidende. Denn selbst wenn man unterstellt, das Kaiserreich sei nicht (alleine) am Ausbruch des Krieges schuld gewesen, bleibt die Frage, warum es nicht zu einem Verständigungsfrieden bereit war, als es nicht mehr siegen konnte.

Der Kriegseintritt der USA war ja eine Reaktion auf eine Eskalation von Seiten des Kaiserreichs (Zimmermann-Telegramm, uneingeschränkter U-Boot-Krieg). Dennoch boten Wilsons "14 Punkte" von Januar 1918 Deutschland einen der totalen Niederlage vorzuziehenden Ausweg, der nur den Verlust des Elsass bedeutet hätte. Aber als Max von Baden im Oktober 1918 sein Waffenstillstandsgesuch an die Alliierten auf Basis der "14 Punkte" richtete, war die Chance vertan.

Der "Geist der Versailles-Verträge" war auch ein Ausfluss dessen, was in der Zwischenzeit passiert war. Noch 1917 hätte das womöglich ganz anders ausgesehen, denn den Alliierten war ja nicht entgangen, dass es friedensbereite Kräfte in Deutschland gab (Friedensresolution des Reichstags von Juli 1917). Außerdem war Deutschland zu diesem Zeitpunkt militärisch noch zu stark, um Bedingungen à la Versailles durchzusetzen.

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21.02.2009, 11:58
10.

Da die Diskussion schon etwas von der "feschen Flagge" weggeführt hat, möchte ich abschließend zum Beitrag von Herrn Kloth nur ergänzen, daß in den 14 Punkten von Wilson nicht nur die Abtretung des Elsaß und von Lothringen gefordert wurde, sondern auch die Schaffung des polnischen Korridors ("freier Zugang zur See").
Die Gründe für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg und die verhängnisvolle Fehleinschätzung der Lage vor und während des 1. Weltkrieges durch die deutschen Entscheidungsträger wäre Stoff für neue Beiträge in der sehr interessanten einestages-Reihe.

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