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Verfolgung Homosexueller in Deutschland: 20 Jahre Doppelleben
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Als Bundesanwalt musste Manfred Bruns jahrzehntelang einen Rechtsstaat vertreten, der ihm seine eigene sexuelle Orientierung verbot. Nach seinem Coming-out setzte er sich für die Abschaffung des Paragrafen 175 ein, der Schwulsein in Deutschland unter Strafe stellte.

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Alexander Oliver Schnapp 05.06.2014, 17:09
1. Danke!

Ich möchte diesen Artikel nutzen und Manfred Bruns für seinen großartigen jahrzehntelangen Kampf für unsere Rechte danken! Als junger schwuler Teenager und junger Mann erlebte ich ihn in den 80er und 90er Jahren auf einigen Diskussionen und im Fernsehen und er war ein echter Mutmacher, unverdrossen für unsere Rechte zu kämpfen!

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Manfred Pick 05.06.2014, 17:38
2. 7 Milliarden Menschen

die Natur muss Verbindungen (Lebensgemeinschaften) schaffen um die Überbevölkerung zu verringern. Danke Schwule und Lesben.

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Thomas-klaus Mann 05.06.2014, 17:40
3. Unrechtsparagraf 175...

...bestimmte 123 Jahre lang das Leben "Homosexueller": Quatsch! Er bestimmte das Leben aller!

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Johannes Möller 05.06.2014, 23:26
4. Mit Verlaub

§ 175 StGB war in seiner bis 1969 geltenden Fassung auch meines Erachtens ein "Unrechtsparagraf". Ich finde es aber nicht angebracht, diese Fassung mit derjenigen zwischen 1969 und 1994 in einem Atemzug zu nennen. Denn der Schutz von Minderjährigen gegenüber sexueller Annäherung ist unbestritten ein wichtiges Anliegen. Ob man Sex von Erwachsenen mit unter 16-Jährigen verbietet oder aber mit unter 18-Jährigen, fällt in das Ermessen des Gesetzgebers. Sicher war es nicht gerechtfertigt, zwischen hetero- und homosexuellen Handlungen einen Unterschied zu machen, deshalb war es richtig, dass § 175 aufgehoben - besser gesagt: in einen neutrale Strafvorschrift integriert wurde. Es wäre aber m.E. auch vertretbar gewesen, das Schutzalter generell auf 18 Jahre heraufzusetzen, also den Schutz vor heterosexuellen Handlungen demjenigen vor homosexuellen Handlungen anzupassen. Das zeigt, dass man zwischen 1969 und 1994 nicht mehr von einem Unrechtsparagraphen sprechen kann.

Ich finde Sätze befremdlich wie "Eines der größten Probleme der Szene in den Achtzigern war - außer der Stigmatisierung und Panikmache nach dem Ausbruch der Aids-Epidemie, wogegen sich Bruns ebenfalls einsetzte - vor allem der Paragraf 175." War es wirklich ein so großes Problem der Schwulen in den den 1980er Jahren, keinen Sex mit Jugendlichen zwischen 16 und 18 haben zu dürfen? Nach meiner Einschätzung (ich bin hetero, kannte aber schon in den 1980ern eine Menge Schwule) waren die realen Gefahren vor AIDS (nicht etwa nur die Panikmache) für die Szene ein um Dimensionen größeres Problem als das um zwei Jahre höhere Schutzalter für Jugendliche.

WENN man aber den § 175 bis 1994 als Unrechtsparagrafen ansieht, ist es verfehlt, ihn "überholt" zu nennen, wie es der Artikel anschließend tut. "Überholt" ist eine Vorschrift, für die früher mal ein Bedürfnis bestand, heute aber nicht mehr, vielleicht wäre der Kranzgeldparagraf dafür ein Beispiel.

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Richard Waltereit 05.06.2014, 23:44
5. War in den 80er Jahren der §175 ein

Für Manfred Bruns selbst wohl nicht. Man lese mal diesen Artikel über ihn im "Spiegel" von 1985: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13515338.html Dort heisst es ausdrücklich, dass Homosexuelle nicht mehr mit Bestrafung rechnen müssen. Der §175 verbot damals nur noch Sex mit unter-18-Jährigen Jungen. Materiell unterschied sich die gesetzliche Regelung dadurch nur gering von der heutigen - bloß ist sie heute als Schutz sexueller Selbstbestimmung ausgedrückt, während sie damals noch von homophober Ideologie belastet war.

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Hartmut Keller 06.06.2014, 00:45
6. Respekt, das nennt man eine Lebensleistung

Es soll alle daran erinnern, wie NEU noch dieses eigentlich ganz normale Recht ist. Und es muss Mahnung und Ansporn sein zu erkennen, dass es auch im Jahr 2014 noch lange keine Gleichbehandlung in Deutschland gibt. Und das an sich ist eine Schande.

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Rob Rodriguez 06.06.2014, 01:22
7. m. pick kommentiert

schwulsein sei eine Reaktion der natur auf die Fragen der Überbevölkerung und bedankt sich noch bei den schwulen für ihr schwulsein. ich habe selten sowas schwulenfeindliches gelesen. erstens: schwule sind keine Mutation. sie existierten schon immer. auch ohne Überbevölkerung. zweitens: kein hetero hat sich bei homos zu bedanken für die gleichgeschlechtliche Lust oder liebe. das sind normale beziehungen und kein soziales Projekt

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Andrek Groetykz 06.06.2014, 08:04
8. an Gesetze muß man sich halten...

auch wenn sie Aspekte des menschlichen Zusammenlebens regeln, die aus heutiger Perspektive allgemein anerkannt sind. Genauso wie bei Konsum "leicher" Drogen gab es schon immer eine Grauzone. Aber wenn es nicht nur verboten ist sondern sogar bestraft wird, sich öffentlich als Homosexueller darzustellen (wie z.B. in Rußland) dann läßt man das eben sein und praktiziert das im stillen Kämmerchen - wo es niemanden interessiert oder stört. So wie auch heutzutage im stillen Kämmerchen Marihuana konsumiert wird, denn das ist in Deutschland nach wie vor nicht legal. Was mich ankotzt ist nur der gnadenlose Exhibitionismus, den die Menschen mit allem treiben WAS und mit WEM sie es treiben. In Rußland kommt man für ein Homo-Coming-Out mittlerweile in ein sibirisches Straflager. Was bleibt dann also übrig? Nach außen hin fügt man sich den Gesetzen, nach innen hin tut man wonach einem ist.

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Alexander Dittrich 06.06.2014, 10:48
9. @8

Das mußte ja nun auch noch einer bringen.
Herr Groetykz, es ist in Russland weder verboten, schwul zu sein noch homosexuellen Geschlechtsverkehr zu praktizieren. Verboten ist lediglich, sich gegenüber Minderjährigen werbend für homosexuelle Lebensweisen einzusetzen. Und selbst dafür geht keiner "in ein sibirisches Straflager".
Bitte nennen Sie einen Fall, in dem jemand "für ein Homo-Coming-Out (...) in ein sibirisches Straflager" gesteckt wurde. Wie, Sie kennen keinen? Dann lassen Sie bitte dieses Verunglimpfungen Russlands.

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