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Zu schön, um schön zu sein
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Siegfried Wittenburg 18.07.2011, 13:00
1.

Allem Anschein wurde versucht, die Utopie vom Kommunismus auf amerikanische Art zu verwirklichen. Wirklich interessant.

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18.07.2011, 15:29
2.

Danke für den interessanten Artikel. Ich hatte zuvor noch nicht davon gehört. Wo mangelnde Individualität nicht gewünscht ist, sind wohl solche soziologischen Folgen vorprogrammiert. Klingt irgendwie noch inszenierter Harmonie. Das Leben indes ist aber nicht zu bändigen und er Einzelne erfüllt es mit Inhalt. Seinem Inhalt...

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18.07.2011, 15:42
3.

Ziemlich kurz geraten, der Artikel.
Ich hätte gerne mehr über die Regeln und ihr Scheitern in der Realität der amerikanischen Gegenwart erfahren.

@Siegfried Wittenburg: es gibt viele Modelle und Utopien des Zusammenlebens in diversen Siedlungsformen.
Das reicht von der Auflösung der Siedlung mit Eigenversorgung auf egener Scholle über Gartenstadt und Werkbundsiedlung mit Kleinstmanufakturen bis zur extrem verdichteten Stadt und Stadtmaschine, wo in einem Haus alles zu finden wäre, was man zum Leben braucht.

Der Kommunismus ist eine Gesellschaftstheorie und hat damit nur am Rande - in diesem Falle gar nichts zu tun.

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Tim Gerdes 18.07.2011, 15:42
4.

"Ich wusste ja, dass das Wohnen in Celebration sehr stark von Disney kontrolliert werden würde - kontrolliert in einem positiven Sinn"

Wie naiv und menschlich zugleich. Die Geschichte von Celebration sollte als Mahnmal immer dann "zwangserzählt" werden, wenn extreme Rechte und extreme Linke von der perfeken Gesellschaft unter einer allwissenden und gerechten Führung träumen. - Wobei: Es hatte ja vor Celebaration schon so einige Utopien gegeben, die allesamt auf mehr oder minder direktem Weg ins Desaster geführt haben. Die Disney-Manager haben daraus anscheinend ja auch nicht eine einzige Lehre gezogen. Letzten Endes bleibt es wohl so wie Sting in einem gleichnamigen Lied sang: "History will teach us nothing!"

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Siegfried Wittenburg 18.07.2011, 17:06
5.

@Matthias Frase

Mich hat dieser Artikel an das jüngste Buch von Stefan Wolle "Aufbruch nach Utopia" erinnert, das in diesem Jahr erschienen ist. In der Tat wurde der "Kommunismus" als erstrebenswertes Ziel der Menschheit in ähnlichen Visionen gemalt. Das geschah nach meinen Erinnerungen in den 1960er Jahren nach dem Mauerbau und wurde im Oktober 1961 auf dem 22. Parteitag der KPdSU verkündet. Erst Gregor Gysi hat erst vor kurzer Zeit nach der Lötzsch-Debatte festgestellt, dass der Begriff "Kommunismus" von den Menschen unterschiedlich bewertet wird, also als Definition nichts taugt. Für diese Erkenntnis haben die Genossen 20 Jahre gebraucht. Und warum sollten sich Amerikaner nicht irren?

Es ist aber dieser Traum von der "heilen Welt der Diktatur" des Kleinbürgers, der hier beschrieben wird. Mich hat es schon gewundert, dass in den 1990er Jahren in der USA ähnliche Versuche am "lebenden Objekt" durchgeführt wurden. Die in Celebration lebenden Menschen hatten immerhin den Vorteil, dieses Disneyland-Städtchen freiwillig und ohne Hindernisse wieder verlassen zu können.

Das wird auch bei anderen Versuchsmodellen so sein, die Sie angeführt haben, doch hier geht es um "Celebration" - und diese Geschichte hat bei mir eben dieses mir ach so bekannte beklemmende Gefühl ausgelöst. Man kann es nicht verhindern, wenn man ein halbes Leben "dafür bezahlt wurde, Angelruten in den See hängen zu lassen", um die Idylle zu perfektionieren.

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18.07.2011, 17:06
6.

Wen sollte es überraschen, dass Celebration zum Scheitern verurteilt war? Die Sülzigkeit eines Disney-Films mit vorprogrammierten Betroffenheitsmomenten und instrumentalisierten Taschentuchphasen lässt sich zum Glück nicht in die echte Welt übertragen. Wenn Gardinenfarben Happy Ends produzieren könnten, gäbe es keine unglücklichen Ausgänge.

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Ulrich Kliegis 19.07.2011, 10:13
7.

Zumindest ist jetzt auch klar, wer die Leitsätze bundesrepublikanischer Bildungsreformen diktiert: Mickey Mouse, Goofy, Onkel Dagobert und Schweinchen Dick, ähm, Miggi Mauz, Guvvi, Ongldackobertel und Schavainchen Tick.

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Daniel Blubb 19.07.2011, 10:15
8.

>Wen sollte es überraschen, dass Celebration zum Scheitern verurteilt war? Die Sülzigkeit eines Disney-Films [...].<

Wieso gescheitert? ? Lt. Artikel leben derzeit in Celebration 11.000 Menschen. Beim gängigen & sicher geförderten Familienmodell (Papa, Mama, 2 Kinder) sind das 2.750 Familien. Im Zuge der Finanzkrise, ausgelöst durch die Immobilienkrise verließen ab 2008 nach den Anfangsschwierigkeiten der Jahre 1996 ff. ca. 106 Familien die Stadt: D.s. nicht ganz 4%.

Ach ja, und das Kino musste schliessen ? in einem Landstrich, in dem das Freizeitangebot (Disneyworld ist gerade auf der anderen Seite des Highways, die nächste "Großstadt" ein Katzensprung entfernt) nur so überquillt.

Gut, ich persönlich würde in diesem verordneten Idyll nicht leben wollen ? und dies auch nicht meinen Kindern antun, da nunmal Alter, Sozialprobleme, Sex, Drogen, Ackerbau & Viehzucht, Ausländer, Ehekrach, Palmen im Vorgarten, Behinderte, Rockerclub, Schwule, und gewachsene Stadt- wie Sozialstrukturen zum Leben dazugehören ? aber das ist Geschmacks- und Ansichtssache.

Nur so richtig dargelegt, warum Celebration "gescheitert" sei (und wer glaubt, dass der Disney-Konzern das aus reiner Nenschenliebe hochgezogen und nicht als Immobilien-Investitions-/Spekulations-Projekt zur eigenen Gewinnmaximierung geplant hat, ist an Naivität kaum zu übertreffen) ... haben weder Sie noch der Artikel.

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19.07.2011, 10:16
9.

Es handelt sich hier nicht um eine kommunistische, sondern um eine kapitalistische oder wenn man so will, neoliberale Utopie. Der Zukunftsforscher Jeremy Rifkin erwähnt diese Stadt in seinem Buch "Access" von 2000 als Beleg für seine These, dass in Zukunft Unterhaltungsindustrie, Reiseveranstalter insbesondere von Clubreisen, Krankenkassen, Entwicklerfirmen etc. zu riesigen Konglomeraten zusammenwachsen, die dann jede Lebensäußerung des Menschen bis in Kleinigkeiten hinein nach strikten moralischen Vorstellungen und im Interesse des privaten Profits kontrollieren werden.

Wenn diese Stadt gescheitert wäre, hätte das demnach durchaus große Bedeutung für das US-amerikanische Kapitalismusmodell. Aber ist sie wirklich gescheitert? Eine Einwohnerzahl von 11.000 spricht nicht unbedingt dafür. Die geschilderten Probleme (Zwangsversteigerungen, Amokläufe) sind externen Faktoren zuzurechnen und aus dem Artikel ist nicht ersichtlich, was sie mit dem Modell selbst zu tun haben. Aufschlussreicher wären Vergleiche mit anderen Städten vergleichbarer Größe. Gescheitert ist wohl höchstens die Vorstellung, dass die Entwicklung einer Stadt konfliktfrei ablaufen könne, wenn man sich nur nach den Direktiven des Übervaters Disney richtet.

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19.07.2011, 10:16
10.

Ja, die Amerikaner lieben Uniformitaet. Dafuer brauchen sie aber nicht unbedingt Disney. Jede in den letzten Jahrzehnten hochgezogene Siedlung hier in den USA besteht aus den gleichen Haeusern, heul. Und wenn man hier irgendetwas kaufen will gibt es immer nur Standard.

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