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Zwangsverpflichtete der Waffen-SS: Hitlers Kindersoldaten
Heinz Schütze

Sie waren das letzte Aufgebot der Nazis: 15-Jährige, in Kurzlehrgängen ausgebildet, wurden in SS-Uniformen gesteckt und in den Kampf gegen die übermächtige Rote Armee geworfen. Die Überlebenden fühlten sich als Opfer, wurden aber als Täter geächtet.

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04.04.2014, 16:39
10. @Tino Ebisch

#4 Der Vater meiner Freundin wurde auch zwangsrekrutiert. In der Schule erschienen die "Ausbilder", und lasen wie im Artikel beschrieben die von den Lehrern zur Verfügung gestellten Namen vor. Jede Klasse musste ein Mindestkontingent stellen, Nein sagen gab's nicht, da bei Befehlsverweigerung sofortige Exekution oder KZ drohte. Dieser Mann hatte das Glück, dass sein Vater Koch und Bäcker war, und er sich damit in die zweite Reihe schummeln könnte, also an Kampfhandlungen nie selbst beteiligt war. Er ist trotzdem bis heute voller Scham über die SS-Nummer auf der Innenseite des linken Oberarms kurz unterhalb der Achselhöhle. Die Nummer war übrigens dort angebracht, weil Rechtshänder in der Regel auch als erstes diesen Arm verloren.

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Michael Brother 04.04.2014, 16:53
11. Werter wittwer

Natürlich haben sie recht , und natürlich müsste besagter Bischof bis an sein Lebensende in seiner schönen Residenz bleiben dürfen , hochgewuchtet natürlich.
Und auch unser ex Bundespräsident , wie verwerflich ist es unser Führungspersonal zu kritisieren , es ist mir unverständlich , jeder der es wagt Anschuldigungen gegen unsere Führungsriege zu wettern oder Fehlverhalten anzukreiden sollte ins Gefängnis .
Sie haben begriffen wie es richtig geht in Deutschland , weiter so !

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Harald Stutte 04.04.2014, 16:59
12. Betrifft: nur mal so nebenbei

Hallo, Deine Kritik an der Optik des Textes ist unberechtigt. Weißt Du denn, wie sich Wehrmachts- von Waffen-SS-Uniformen unterscheiden? Bei der Wehrmacht war der Reichsadler an der Brust, bei der Waffen-SS am linken Arm. Die Kindersoldaten wurden zudem überhaupt nicht vollständig eingekleidet, sondern bekamen, was die Kleiderkammern in den letzten Kriegstagen hergaben – zu große Helme, meistens gar keine Helme, nichts passte zusammen, italienische Beuteschuhe (die nach wenigen km Marsch drückten). usw. Grundsätzlich richtig ist aber, dass bei solchen Berichten zu oft leichtfertig mit Fotos gearbeitet wird.

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Wolfgang Leist 04.04.2014, 17:06
13. Bei meinem Vater war es auch so

Mein Vater, Jahrgang 1929, war auch einer von diesen jungen Männern. Ich zitiere aus seinen Erinnerungen:
"Nach der [normalen Wehrmachts-]Musterung bekam ich irgendwann einen „vorläufigen Annahmeschein“ zur Waffen-SS, den ich zurück schickte – ich hätte mich nicht zur Waffen-SS gemeldet.
Im Februar oder Anfang März – zu diesem Zeitpunkt waren die alliierten Truppen schon längst in einigen Bereichen auf deutschen Boden vorgedrungen und erreichten gerade den Rhein – bekam ich eine Einberufung zu einem Wehrertüchtigungslager in St. Peter [nahe Freiburg/Breisgau]. Da ertüchtigten wir uns ein paar Tage, dann kam der Bannführer und suchte Freiwillige für den Einsatz mit der Panzerfaust. Er nahm mich aufs Korn, warum ich nicht .... Ich vertröstete ihn auf meinen baldigen Einsatz bei der Wehrmacht,
worauf er über die „Intellektuellen“ herzog. Ein, zwei Tage später bekamen wir einen mit einer Pistole ausgerüsteten Fähnleinführer und einen Marschbefehl nach „München-Freimann SS-Kaserne“. In einer Gruppe von 30 Mann zogen wir nachts los, in der Nacht gingen etwa 10
verloren, d.h. sie hatten sich verdrückt. Tagsüber war kein Zugverkehr mehr möglich. Im Bahnhof Freiburg-Wiehre war Fliegeralarm, so dass wir in einen Bunker mussten. Bei Aufhebung des Alarms verschwand ich durch einen anderen Ausgang. Ich fuhr mit dem Rad eines Klassenkameraden nach Bahlingen und beriet mich mit meinen Eltern. Einer offiziellen Einberufung hätte ich Folge leisten müssen. So wie
die Sache gelaufen war, hielten wir das Risiko für überschaubar und ich blieb. Von der Waffen-SS wurde ich nicht mehr angeschrieben. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Sache auch gehörig hätte schief gehen können. Mit tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Deserteuren wurde gerade in den letzten Kriegsmonaten kurzer
Prozess gemacht."

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Peter Schoder 04.04.2014, 17:40
14. Meinem Vater

...hätte um ein Haar mit 17 Jahren das gleiche Schicksal ereilt. Die SS machte eine Razzia in einer Gaststätte , rekrutierte dort direkt die männlichen Jugendlichen und nahm sie gleich mit. Meinem Vater gelang gerade noch die Flucht durch das Fenster der Toilette. Er landete dann später bei der Wehrmacht und desertierte mit 18 Jahren mit seinen gleichaltrigen Kameraden kurz vor Kriegsende in der Nähe von Augsburg. Die jungen Männer hatten sich Zivilkleidung besorgt und waren mit 08-Pistolen bewaffnet. Als sie sich im Augsburger Bahnhof aufhielten wurde der Bahnhof durch SS-Leute abgesperrt die dort die Papiere kontrollierten und Deserteure suchten. Da die jungen Männer wussten was ihnen blühen würde, waren sie entschlossen ihr Leben möglichst teuer zu verkaufen und hätten sich gewehrt. Glücklicherweise griffen gerade da amerikanische Jagdbomber den Bahnhof an und in der allgemeinen Panik gelang die Flucht. Mein Vater konnte später dann bei einem Bauer bis Kriegsende untertauchen.

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Wilder Eber 04.04.2014, 21:42
15. Bericht meines Vaters, geboren Dezember 1928 in Schlesien - Teil 1

Bericht meines Vaters von seinen Erlebnissen bei seiner Einberufung in ungekürzter Fassung.

Ich frage mich, wie die Menschen damals gedacht haben. War ihnen damals klar auf was sie zusteuern, welchen Anteil hatten sie am Geschehen ? Soweit ich das beurteilen kann, waren nicht die Kinder am Gewehr das Problem, sondern der hemmungs- und rücksichtslose Missbrauch des Volkes durch den damaligen Staat.

Sicher ein Grund mehr, den eigenen Staat regelmässig und kritisch zu beurteilen.

Mein Vater lebt heute im Alter von 85 Jahren bei erfreulich guter Gesundheit in NRW.

Einberufung

Es war in den ersten Tagen des Jahres 1945. Mein Vater war vor ein paar Tagen zum Volkssturm eingezogen worden und jetzt musste auch ich einrücken. Ich denke, es war am 13. Januar 1945, an dem ich im laufe des Vormittages am Kapellenberg bei Neustadt musste.

Mit mir wurde auch Max Otte, ein Junge aus unserem Dorf eingezogen. Er war 4 Tage jünger als ich, Ottes wohnten im Niederdorf und wir kannten uns praktisch von Kindheit an. In der Schule waren wir nicht zusammen, Max wurde die ersten 4 Jahre in der ev. Volksschule in Buchelsdorf unterrichtet, anschließend besuchte er eine weiterführende Schule in Neustadt. An besagtem Tage ging ich bei Max vorbei und wir zwei stapften, winterlich angezogen, los. Es war sehr kalt und bei ca. 25 cm. Schnee knirschte es unter den Schuhsohlen.

Wir beide gingen den vertrauten Weg durch Neustadt, an den Kasernen vorbei die Hennersdorfer Strasse entlang und waren bald am Kapellenberg. Von der Strasse musste man eine steile Anhöhe hinauf und oben war das Gebäude, ein ehemaliges kleines Kloster. Vor langer Zeit war es eine Einsiedelei, später wurde es weiter ausgebaut und zunächst von Kapuzinern bewohnt, bis es von Franziskanern übernommen, aber nach einiger Zeit wieder aufgegeben wurde. Das Kloster lag in exponierter Lage über Neustadt, es wurde sofort beim Einmarsch der roten Armee in Schutt und Asche geschossen.

Jetzt war es ein W.E. (Wehrertüchtigungslager), eine Einrichtung der H.J. (Hitlerjugend) zur vormilitärischen Ausbildung. Unser Häuflein war nicht all zu groß, aber einige bekannte Ge-sichter waren doch dabei. Am ersten Tag war nicht all zu viel los, wir wurden nur eingewiesen, aber am zweiten Tag wurden wir das erste mal so richtig „geschliffen.“ Unsere Ausbilder waren junge Leute, nicht viel älter als wir, nur die hatten eine Uniform an und waren „H.J. - Führer.“ Stundenlang im hohen Schnee „auf, - nieder, marsch– marsch.“ Als sie keine Lust mehr hatten, ihre Kommandos zu rufen, taten sie das mit der Trillerpfeife. Einmal kurz, „hinlegen,“ zweimal kurz, „auf, marsch - marsch,“ und einmal lang, „wenden.“ So mussten wir immer, hin – und her, an diesen Idioten vorbeihetzen. Alles in eigenen Klamotten, die Ellenbogen meiner Winterjacke und die Knie der Hose waren bei mir durchgescheuert bis auf die Unterwäsche. Am folgenden Tag bekamen wir graue Overalls, unsere erste provisorische Uniform.

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Wilder Eber 04.04.2014, 21:45
16. Bericht meines Vaters, geboren Dezember 1928 in Schlesien - Teil 2

Der Wachdienst war immer abwechselnd und wenn man Pech hatte, so ist es mir einige male passiert, stand man 2 Stunden mitten in der Nacht bei eisiger Kälte mit einem Kleinkalibergewehr auf der Schulter, ganz allein am nahen Wald auf Wache. Wenn der Wind heulte, und das knacken der sich reibenden Äste in den Bäumen zu hören war, dazu noch das Käuzchen schrie, war das eine ganz schön gruselige Angelegenheit

Am schlimmsten traf es Max. Er stand am frühen Nachmittag vor dem Tor Wache und hatte sich wegen der Kälte dick eingepackt und darüber noch einen Militärmantel angezogen. Da kamen ein paar „Goldfasane“ ( H.J. Führer, im Volksmund so genannt wegen ihrer kackgelben Uniform) von der Partei aus Neustadt. Einer von denen sprach Max an und verlangte von ihm das Gewehr zu sehen. Max übergab es ihm, es hatte uns noch niemand gesagt, dass es eine Todsünde ist für den, der auf Wache steht, sein Gewehr aus der Hand zu geben. Die Schleiferei fing sofort an. Auf dem steilen Berg im hohen Schnee immer rauf und runter, laute Kommandos brüllend. Wenn diese braunen Affen sich ansahen, grinsten sie sich gegenseitig an, für die war es scheinbar ein Erfolgserlebnis, derweil sich Max, völlig außer Atem und mit hochrotem Kopf kaum noch auf den Beinen halten konnte. So eine brutale Schinderei habe ich nie wieder erlebt. Ab diesem Tage war meine Begeisterung für das N.S. System endgültig hin, ich habe in Zukunft nur noch das getan, was nicht zu umgehen war.

Die Ausbildung übernahmen nach einigen Tagen Soldaten der Wehrmacht. Alles wurde erheblich menschlicher und auch interessanter. Wir schossen mit richtigen Karabinern und mit einem älteren Maschinengewehr, dem M 34. In einem stillgelegten Steinbruch fertigten wir aus Handgranaten eine geballte Ladung und jagten die kleine Hütte der Arbeiter mit ihren Geräten in die Luft. Eines Morgens, gegen 5 Uhr, hörte man in der Ferne ein langes dumpfes Grollen. Alarm! Kein Licht! Wir machten uns im Dunkeln fertig und mussten sofort alle raus. Weiter passierte nichts und im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Munitionsfabrik in Krappitz, etwa 25 Km. von uns entfernt, von der Wehrmacht gesprengt worden war. Die rote Armee stand an der Oder.

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Wilder Eber 04.04.2014, 21:47
17. Bericht meines Vaters, geboren Dezember 1928 in Schlesien - Teil 3

Nach ein paar Tagen hieß es, wir kommen alle weg zum Arbeitsdienst. Zwei Tage vorher erhielten wir, Max und ich, eine Nacht Urlaub. Wir gingen am Nachmittag los, es war nicht weit bis nachhause, etwa 4 Km. Als wir auf der Reichsstraße 115 von Neustadt in Richtung Buchelsdorf gingen, lagen in Abständen von 100 - 200 m an der Strasse tote Häftlinge. Sie trugen Sträflingskleidung, ihre Füße waren mit Tüchern und Bindfäden umwickelt, das Gesicht blau angelaufen und völlig abgemagert. Es sah aus, als hätten sie sich mit bloßen Händen in den Schnee verkrallt, das eigene Blut hatte den Schnee rot eingefärbt. Für uns war das ein grausiger Anblick und scheu gingen wir vorbei. Später hörte ich, dass es sich um Gefangene aus dem Konzentrations-lager Auschwitz gehandelt haben soll, die von der näherrückenden Front zurückgeführt wurden. Alle, die wegen Entkräftung nicht mehr weiter konnten, wurden einfach am Straßenrand erschossen und blieben liegen. Niemand kümmerte sich vorerst darum, so einfach war das damals. Wenn man heute einmal darüber nachdenkt, dass jeder von ihnen eine eigene Biografie hatte, jeder mit einer Familie im Hintergrund und völlig schuldlos so hingerichtet wurde, dann läuft es einem nach soviel Jahren noch kalt über den Rücken.

Es war das erste mal, dass uns die harte Realität eingeholt hatte und erst viel später war es mir endgültig klar, dass wir „Verbrechern“ gedient hatten, die alles im Namen des deutschen Volkes geschehen ließen.

Sorry SpOn für die 3 Teile, aber ich denke es ist wichtig die damaligen Erlebnisse und Eindrücke ungefiltert weiter zu geben. Danke.

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Yves Nome 05.04.2014, 11:28
18.

"Ich war Hitlers letztes aufgebot". Sehr empfehlende Lektüre zu diesem Thema.

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Christof Rehbein 05.04.2014, 15:51
19. Kettenhunde

Ich habe noch nie eine Untersuchung oder Dokumentation zu der höchst unr?hmlichen Rolle der Feldjäger in der Endphase des Krieges gesehen. Das wäre doch mal ein Thema für ET.

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