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Wer kann die Nachricht entschlüsseln?
27.08.2009, 16:00 von Klaus Schmeh

Wer kann die Nachricht entschlüsseln?

Dies ist eine Postkarte, die am 18. Juli 1901 von Rottweil (heutiges Baden-Württemberg) ins sechs Kilometer entfernte Wellendingen verschickt wurde. Das Motiv ist der unweit von Wellendingen gelegene Lemberg. Empfängerin ist eine Frieda Herrmann.

Die Karte ist mit auf der Vorderseite mit etwa 50 Zahlen (und einigen zusätzlichen Wörtern dazwischen) beschrieben. Vermutlich handelt es sich um eine verschlüsselte Nachricht. Alle Zahlen liegen zwischen 1 und 26, weshalb jede Zahl für einen Buchstaben stehen könnte.

Kann jemand die Nachricht entschlüsseln? Was bedeuten die zwischen den Zahlen stehenden Wörter?

Möglicherweise kann die (kostenlose) Software CrypTool beim Knacken der Verschlüsselung helfen, allerdings bin ich auf diese Weise nicht weitergekommen.


Die Zahlen lauten:

Rechts:
7.17.9.18.4.9.7.14.19
19.12.?.9.11.9.4.2.4.17
18.9.10.1.25
5.9.13.18.3.10.12.1.25

Unten (auf dem Kopf stehend):
9.14.18.5.15.?

Links:
10.20.7.7.5.17

Oder in Buchstaben umgewandelt (A=1, B=2, ...):
GQIRDIGNS
SL?IKIDBDQ
RIJAY
EIMRCJLAY

INREO?

JTGGEQ

postkarte-verschluesselt-bild
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Jörn Baier 04.09.2009, 14:45
1.

Ein paar erste Ideen:

Ich glaube auch, dass jede Zahl einem Buchstaben zugeordnet ist.

Zu beachten sind die Zwischenräume, die den Wortgrenzen entsprechen. So dürfte das zweite Wort in der ersten Zeile nur aus zwei Buchstaben bestehen. Das dritte Wort endet in der zweiten Zeile.

Die Kombination 1.25 taucht zweimal auf, die 1 sonst nirgends. Möglicherweise ist damit das "ch" gemeint. 12 oder 10 könnte dann ein "s" sein.

Was steht auf der Vorderseite?

Was bedeutet die Klammer zu Beginn der dritten und in der vierten Zeile?

Ein wichtiger Hinweis sind auch die beiden doppelten Zahlen (7 und 19). Nicht alle Konsonanten können verdoppelt werden.

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24.09.2009, 09:20
2.

Nach langer Arbeit mit Bildbearbeitungssoftware und x-fachen Vergrößerungen neige ich eher zu folgenden Zahlenreihen:

7.17.9.18. 4.9.7.14.19=
19.12.3.9. 11.9.4.2.4.17
18.3.10.1.25
5.9.13.18.3.10.12.1.25.

Unterer Rand kopfstehend:
9.14.18.5.(15.30)

Linker Rand:
10.20.7.7.5.17.

In diesem Fall würden die beiden Klammern unter den Zeilen beide Male die Kombination "18.3.10." herausheben, möglicherweise ein "SCH"?

Das "=" kann als Silbentrennungszeichen gewertert werden.
Wir haben also in der ersten und zweiten Zeile je eineinhalb Wörter.
In der der dritten und vierten je Eines.

Die letzten Zeichen der kopfstehenden Beschriftung scheinen am ehesten die Zeichenfolge "(15.30)" zu ergeben, möglicherweise eine Uhrzeit. Ansonsten würde die Ziffer "30" nicht ins Bild der Buchstabennummerierung passen.

Die Ziffer "7" wird stets ohne Querstrich geschrieben, weshalb auch das vorletzte Zeichen der ersten Zeile eher "14" als "17" darstellt. Bei Betrachtung unter starker Vergrößerung liegt dies nahe.

Die "9" mündet am unteren Ende stets in einen wenig weit geschwungenen und mit geringem Druck geschriebenen Bogen, während die "3" eine stark ausgeprägte und deutlich ins Papier gravierte Kurve zeigt. Daher auch meine Vermutung der "18.3.10" - Kombination, sowie wahrscheinlich auch die dritte Stelle der zweiten Zeile eine "3" darstellt.

Bei der Häufigkeit der Ziffern ergibt sich übrigens dann folgendes Bild:

1 2x
2 1x
3 3x
4 3x
5 2x
6 -
7 4x
8 -
9 6x
10 3x
11 1x
12 2x
13 -
14 2x
15 1x (Uhrzeit?)
16 -
17 3x
18 4x
19 2x
20 1x
21 -
22 -
23 -
24 -
25 2x
26 -

30 1x (Uhrzeit?)

Die Ziffern "9", "7" und "18" sind die häufigsten, folglich vermutlich auch welche der häufigsten Buchstaben im deutschen Sprachgebrauch, möglicherweise also R, S, E, A?

Daß 21 bis 24 überhaupt nicht in Verwendung sind, könnte auf die eher seltenen Buchstaben W, X ,Y und Z hindeuten.
Würden diese Buchstaben tatsächlich in der Nummernfolge so nahe beieinander liegen, deutet dies darauf hin, daß zur Verschlüsselung kein nachvollziehbarer Algorithmus, sondern eine willkürliche Zuordnung vorgenommen wurde. Allerdings war Mathematik noch nie meine Stärke und dieses Urteil beruht auf schlichter Überforderung dahingehend.

Last but not least stehen wir noch vor einem ganz anderen Problem:
Wie sah 1901 eigentlich die deutsche Rechtschreibung aus?

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R. Roth 28.09.2009, 09:41
3.

Wie heisst denn das Wort in Klartext? Leider bin ich mit der Sütterlin Schrift nicht vertraut und eine Vergrößerung bringt wenig. Kann das jemand direkt lesen? Ansonsten kann ich das versuchen wenn Sie mir den Original Scan senden.

Hier noch Hinweise zur Entzifferung, kurz gesagt:
Erst häufige Buchstaben suchen, dann häufige kurze Wörter wie: ein, ist, sie, du.
http://de.wikipedia.org/wiki/Monoalphabetische_Substitution

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30.09.2009, 10:08
4.

Wenn wir mal von einem Alphabet ausgehen, bei dem I und J der selbe Buchstabe sind Und wie bereits vorgeschlagen A=1, B=2,... komme ich bei der Folge
7.17.9.18 4.9.7.14.19.19 12.3.9 11.9.4.2.4.17 18.3.10.1.25 5.9.13 18.3.10.12.1.25 9.14.18.5 10.20.7.7.5.17

auf

GRIS DI GOTT MEI LIDBDR SCKAZ EIN SCKMAZ IOSE HUGGER


bzw. wenn das eine oder andere vielleicht einfach durcheinander geraten ist, komme ich auf

Gris di Gott mei lieber Schatz. Ein Schmatz, Jose Hugger (?)

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Klaus Schmeh 02.10.2009, 09:33
5.

Das ist offensichtlich die richtige Lösung. Der Nachname Hugger kommt in Wellendingen öfters vor. Vermutlich hieß der Absender Josef Hugger. Vielen Dank!

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