Forum: Gesundheit
200.000 Euro Pharma-Honorar: "Geld interessiert mich nicht"
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Ein Neurologe aus Essen hat im Vorjahr 200.000 Honorar von Pharmafirmen kassiert - die größte bislang bekannte Summe. Nun erklärt er, warum das kein ethisches Problem für ihn ist.

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ein-berliner 19.07.2016, 22:01
70. Kann das sein?

Ein bestimmt kompetenter Neurologe kann sich auch als Herzspezialist definieren?
Stark, in Deutschland gibt es noch Medizingenies, scheinbar ist Rivaroxaban universell nutzbar.

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carlitom 19.07.2016, 22:10
71.

Zitat von xvxxx
Gerade der erste der Liste eignet sich wohl nicht so wirklich als Beispiel für den "geschmierten" Arzt. ich hab auch mal die Ärzte in meiner Umgebung nachgeschat: "Führender" ist eine Kinderärzting die eine Tagung im Werte von sage und schreibe 350€ erhalten hat. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass der Empörungsfaktor in etwa dem der Panama-Papers entspricht und nahe Null geht. Ich würde mir mal einen Artikel über Wohltaten der Industrie an Journalisten wünschen...
Was Sie leider nicht verstanden haben, ist die Tatsache bzw. der Hinweis, dass nur die Summen und Namen veröffentlicht werden, wo die betreffenden Ärzte zugestimmt haben. Deshalb die Kleckerlesbeträge. Die mit den hohen Summen haben wohl kaum zugestimmt und sind deshalb in Ihren "Panama Papers" auch nicht zu finden, also nicht veröffentlicht.

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carlitom 19.07.2016, 22:14
72.

Zitat von unbekanntgeblieben
Er hat Geld gekriegt, das wurde aber auch ordnungsgemäß überprüft ... und er hat das freiwillig veröffentlicht. Da scheinen die Kontrollorgane zu funktionieren, anders als in der bspw. Autobranche? Wieso eigentlich?
Ui, das ist ja das pure Paralleluniversum, das Sie hier zeichnen:

ja, ER hat das veröffentlicht. ER ist aber nicht repräsentativ.
Nein, die "Kontrollorgane" haben nicht funktioniert, denn diese Veröffentlichungen sind eine total neue Idee, gegen die sich die Ärzte heftig gewehrt haben und die ja auch keinen wirklichen Sinn haben, wenn alle, die echt Dreck am Stecken haben, der Veröffentlichung eben einfach nur nicht zustimmen und im Eimer ist die "Transparenz".

Die Autobranche funktioniert exakt genau so. Kein Unterschied erkennbar. Ich wage aber die These, dass die Autobranche der Gesundheit der Menschen weniger schadet, als geschmierte Ärzte.

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carlitom 19.07.2016, 22:16
73.

Zitat von rolandholtz
Ein exzellentes Beispiel dafür war die Leitlinie für die Verwendung von blutverdünnenden Arzneimitteln. Kurz vor der Einführung der NOAKs in die Indikation Vorhofflimmern, standen bereits eine neue Leitlinie bereit, die für neu einzustellende Patienten empfahl: ausschließlich „neue orale Antikoagulanzien“ zu verwenden. Wer war in Deutschland an der Umsetzung beteiligt. Herr Diener. Die Dokumente dazu liegen mir vor. Das interessanteste an der neuen Leitlinie war, dass in ihr ein anderes Scoring eingeführt wurde, das nach Berechnungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, bei deren therapeutischen Umsetzung zu einer Ausweitung, der auf diese Medikamente eingestellten Patienten, um ca. 20-30% führen würde. Beispiel: Sie sind eine Frau im Alter von 75 Jahren, dann wären sie allein aufgrund dieses Alters eine Patientin, die mit blutverdünnenden Arzneimitteln vorzugsweise NOAKs zu behandeln wäre. Schlecht nur ist, dass Patientinnen und Patienten in dieser Altersgruppe zu denen gehören, die statistisch am meisten unter Nebenwirkungen zu klagen haben. Eine Analyse der Verteilung von UAW auf Altersgruppen bei www.vigiaccess.org spricht hier Bände. Ich habe Fortbildungen mit der Beteiligung von Herrn Diener angesehen und dachte, dass ich Werbung als ehemaliger Pharmareferent nicht hätte besser machen können, vor allem weil mir der professorale Duktus natürlich abgeht. Chapeau Herr Diener aber Sie sind ja nicht der einzige, aus Ihren Kreisen, der diese Wege geht. Da Ärzte genötigt sind, die gesamt Vorlesung von 45 Minuten anzusehen, um nachher die Fragen im Test beantworten zu können, müssen sie folglich die werblichen Inhalte des anbietenden Pharmaunternehmens memorieren, um anschließend ihre Punkte zu bekommen. Die Ärzte sind die einzige Berufsgruppe, die sich auf Kosten ihrer Lieferanten weiterbilden lässt. Fahrtkosten….. Schneller kann man als Pharmaproduzent kein Geld verdienen. Aber vielleicht hat das sogar einen Vorteil: Vielleicht wären ja dann irgendwann einmal Pharmareferenten überflüssig, weil habilitierte Werbende es effektiver und besser machen.
Danke für diesen offenen Insiderbericht. Genau diese Erfahrungen habe ich auch gemacht.

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carlitom 19.07.2016, 22:17
74.

Zitat von Bosse
Überhaupt stellt sich dann die Frage, wie transparent sind andere Berufsgruppen? Wie sieht es aus mit Wirtschafts-, Sport- oder Autojournalisten? Gibt es da Zahlungen oder Vergünstigungen? Wer hinterfragt das? Aber hier hakt eine Krähe der anderen dann doch keine Auge aus....
Das ist ein nettes Thema, aber ein völlig anderes. Sie können doch eine Schweinerei nicht mit einer anderen vergleichen. Abgesehen davon ähneln die Dimensionen, die Sie hier in einen Topf werfen doch dem Vergleich von fahrlässiger Tötung mit Falschparken.

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carlitom 19.07.2016, 22:31
75.

Zitat von Freedom of Seech
Herr Holtz, ich kenne Sie und Ihren Krieg gegen Big Pharma. Als ehemaliger Pharmareferent sind mir Ihre öffentlichen Äußerungen zu unterkomplex, zu reißerisch und klar darauf angelegt Ihre eigenen schriftlichen Ergüsse zu vermarkten. Haben Sie mal überlegt wie vielen Patienten Sie Ihrem hoch emotionalsierten und wenig sachlichen Buch "Pharmakrieg" Buch massiv geschadet haben könnten, z.B. dadurch, dass sie die Patienten verschreckt haben und deshalb eine adäquate Therapie nicht mehr möglich war. Finden Sie zurück zur Sachlichkeit!
An der Stelle mit der Sachlichkeit musste ich kurz auflachen. Das ist total witzig, wenn Sie als Pharmareferent (!) Sachlichkeit von anderen (!) verlangen und meinen, diese sollten Ihnen mit ihrem Insiderwissen nicht an den Karren fahren.
Das ist so ein bisschen, wie wenn sich der Mafioso im Gespräch mit dem vermeintlichen Verräter mit seinem Klappmesser die Nägel manikürt.

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carlitom 19.07.2016, 22:34
76.

Zitat von rjb26
Viel interessanter wäre es zu erfahren welche dunklen Einnahmen Draghi, Pofalla, juncker und co haben
Für Sie vielleicht. Diese Typen spielen aber nicht mit meiner Gesundheit.

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carlitom 19.07.2016, 22:37
77.

Zitat von Merkelforever
... NICHT an solch einer schwachsinnigen Aktion teilnimmt. Wenn einer an illegalen Aktionen teilnimmt, dann sind die dort sowieso nicht verzeichnet! Wie gesagt. Schwarze Schafe gibt es überall. Diese Neidkultur bringt niemanden weiter!
Oh, Sie verstehen doch eigentlich sehr wenig. Das wirklich Skandalöse daran ist, dass diese "Aktionen" (Sie meinen Bestechungsgelder für Pharmamarketing in der Praxis, getarnt als Honorare für "Vorträge") eben gerade NICHT illegal sind. Das ist das Schlimme und genau das gehört geändert. Wenn sich Ärzte schon auf so unseriöses Parkett begeben, sollen sie das wenigstens auf heimliche Art tun wie jeder andere Klein- oder Großkriminelle, damit sie nicht länger leugnen können, dass das, was sie da tun, nicht nur unseriös, sondern sogar gemeingefährlich ist.

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gorlois7 19.07.2016, 22:47
78.

Zitat von pauleschnueter
"Geld interessiert mich nicht. Ich habe ein Haus und zwei Autos" Ein bisschen sehr fernab der Normalo-Altagssorgen, dieser eingebildete Gott in Weiß, gelle? Nebenbei hat er zugegeben, dass die Forschung in der er seine Finger hatte also nur durch Pharmagelder kostendeckend geführt wurde. Also war sie erstens nicht wichtig bzw wesentlich und zweitens wäre es hier mal tatsächlich ERHEBLICH moralischer gewesen das dreckige Geld für Koks und Prostituierte auszugeben. Aber was motz' ich hier rum. Mediziner halt. Spielen Wissenschaft.
Und weil die Ärzte so Scheisse und die Medikamente so unwirksam sind , steigt und steigt die Lebenserwartung der 1. Welt still vor sich hin!

Wenn die Regierung, wer auch immer grade dafür zuständig ist, nicht per Gesetz dafür sorgt, dass Forschung und Wissenschaft hinlänglich finanziert werden, werden Dekane und Professoren weiterhin ihre Zeit damit vertun müssen, Drittmittel einzuwerben.

Und nebenbei: durch einen dummen Zufall geriet ich einst in die peinliche Situation, "Goodies" verteilen zu können.
Was ich auf einmal einen Haufen guter Freunde hatte, und wie die moralischen Ansprüche auf ein Niveau unter Normalnull fielen!
Seitdem betrachte ich Forderungen nach Moral und Ethos mit sehr gerunzelter Stirn! Unter Belastung bröseln die wie alter Keks!

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laubfrosch69 19.07.2016, 22:50
79. Mediziner im Bundestag?

Zitat von bert1966
Wo tauchen in der ach so sensationellen Datenbank eigentlich die im Bundestag sitzenden Mediziner auf? Oder haben die etwa einer Veröffentlichung ihrer Zusatzeinnahmen gar nicht zugestimmt?
Wer soll das sein? Höchstens solche verkrachten Existenzen, wie Lauterbach oder Fipsi Rösler :) - Kein anderer ernstzunehmender Arzt würde sich für das Salär eines Bundestagsabgeordneten dahinein setzen. - Aber interessant wäre es doch, wenn all diese parlamentarischen "Bedenkenträger" mal ihre Nebeneinkünfte offen legen :)

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