Forum: Gesundheit
30 Jahre Mauerfall: So unterscheidet sich die Gesundheit in West und Ost
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Egal, ob Lebenserwartung oder Allergien - direkt nach dem Mauerfall existierten deutliche Ost-West-Unterschiede. Viele davon sind heute verschwunden, zum Teil aber macht sich die DDR-Kultur noch immer bemerkbar.

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damianschnelle 23.10.2019, 12:42
40. @herbert.echzell

Haben Sie diese Mängel selbst erlebt?Oder kennen Sie das nur vom Hörensagen? Ja es gab Mangel, z.B. an sogen. Südfrüchten. Und ja die Verteilung von Obst und Gemüse war schlecht.Und nein es wurde nicht nur mit Zucker und Salz gewürzt. Und der DDR-Bürger wusste sich vielfach zu helfen. Auch damals war es so, wenn man wirklich wollte fand sich oft ein Weg, um an vitaminreiche Nahrung zu kommen.

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herbert.echzell 23.10.2019, 12:47
41.

Zitat von schensu
Der Wessi hatte bei seiner Geburt schon ne Banane im Mund und konnte jahreszeitenunabhängig über seine ihm vermeintlich zustehenden Südfrüchte verfügen .
Achja. Da ist sie wieder: die berüchtigte Banane.
Dass wir (Wessis) die hatten, und Ihr (ich vermute mal: Ossis) nicht, das werden wohl selbst meine Enkelkinder noch als Erbsünde mit sich herumtragen müssen.

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herbert.echzell 23.10.2019, 13:12
42.

Zitat von damianschnelle
Haben Sie diese Mängel selbst erlebt?Oder kennen Sie das nur vom Hörensagen? Ja es gab Mangel, z.B. an sogen. Südfrüchten. Und ja die Verteilung von Obst und Gemüse war schlecht.Und nein es wurde nicht nur mit Zucker und Salz gewürzt. Und der DDR-Bürger wusste sich vielfach zu helfen. Auch damals war es so, wenn man wirklich wollte fand sich oft ein Weg, um an vitaminreiche Nahrung zu kommen.
Nein. Am eigenen Leib erlebt habe ich diesen Mangel zum Glück nicht. Ich denke auch, dass mich mich dafür nicht schämen muss.

Trotzdem hatten wir aber etliche familiäre Kontakte und wurden entsprechend regelmäßig von den Rentnern, die "Freigang" genossen, besucht, oder haben auch mal ein DDR-Visum zum Zwecke des Familienbesuches gehabt. Von daher - nämlich auch dadurch - was diese Verwandten bevorzugt mit nach drüben zurücknahmen, oder auch, was wir bei unseren Ost-Besuchen auf den Tisch gestellt bekamen wissen wir schon, an welchen Produkten eher Mangel herrschte.

Richtig. Den Mangel an Südfrüchten meinte ich auch. Aber auch an anderen Vitamin-C-Trägern, wenn man mal von gekellerten Äpfeln absieht. Eingemachtes Obst hat seine Funktion als Vitamin-C-Träger nämlich durch eben dieses Einmachen verloren.

Natürlich wurde NICHT NUR mit Zucker und Salz gewürzt. Diese Aussage finden Sie so auch nicht in meinem Beitrag. Sondern, die Aussage, dass damit ÜBERMÄSSIG mehr gewürzt wurde. Weil eben Zucker und Salz zu den billigsten Gewürzen zählen, die auch am Effektivsten einen Geschmack in etwas hinein brachten, was ansonsten kaum einen, oder keinen (mehr) gehabt hätte. Pfeffer und Paprika gab es aber sicher auch (aus Ungarn) genug.

Sie schreiben: "wenn man wirklich wollte fand sich oft ein Weg, um an vitaminreiche Nahrung zu kommen."

Ja. Das hing auch davon ab, was man selbst zum Tauschen anzubieten hatte. Oder ob man es sich leisten, in einen Laden mit West-Produkten einkaufen zu gehen.
Sicher ist auch jeden Fall, dass die Versorgung mit vitaminreicher Kost, je nach Vitamin in der DDR eben besser oder schlechter war.
Das hing aber eben auch davon ab, welche Obst- und Gemüsesorten auch außerhalb der Saison gut und verlustfrei zu lagern waren. Und an solchen Lagerkapazitäten - gemeint sind insbesondere ausreichende (Tief-)Kühlkapazitäten - mangelte es eben in der DDR.

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spiegelleser987 23.10.2019, 13:20
43.

Zitat von isar56
(Sorry, da bin ich penetrant) Kassen- : Privatpatienten. Beamte sind Privatpatienten. Privatpatienten erhalten wesentlich kurzfristiger Arzttermine. ..
Dass alle Privatpatienten einen Termin ganz schnell bekommen würden, stimmt nicht.
Ich musste vor 18 Jahren in die PKV wechseln. Weil ich keine Krankheit hatte, waren es immer nur Vorsorgeuntersuchungen. Da musste ich auch immer 2 bis 3 Wochen warten. 2014 hatte ich einen nicht ganz so gefährlichen Schlaganfall. Deshalb musste ich die Notrufnummer anrufen. Ich würde mich normal anhören, deshalb kommt kein Arzt vorbei. Ich sollte deshalb selbst in die Notaufnahme eines Krankenhauses gehen. Laufen ging nicht. Wenn ich den Kopf gedreht hatte, brauchte das Bild immer 5 Sekunden, bis ich das in dieser Richtung sah. Deshalb musste ich mit dem Taxi dorthin. Dort gab es über mehrere Stunden einige einfache Untersuchungen (EKG, Blutdruck usw.), die nichts mit einer Schlaganfalluntersuchung zu tun hatten. Ich könnte dort eine Woche im Krankenhaus bleiben, erst dann würden die mich nochmal untersuchen. Darauf habe ich verzichtet, musste einen Beleg unterschreiben und bin wieder zurück. Bewegen konnte ich mich immer noch nicht richtig, weil das Bild so lange brauchte. Weil ich jemanden kenne, der im Krankenhaus viele Jahre gearbeitet hatte, aber schon Rentner war, habe ich den angerufen. Der hat mir gesagt, dass es die Vorstufe eines Schlaganfalls ist und mir die ASS100 empfohlen. Den Montag danach habe ich mir die in der Apotheke geholt und war auch beim Hausarzt. Dort bekam ich eine Überweisung zum Kardiologen und zur Gehirnuntersuchung, weil es eine extreme Krankheit ist. Beim Kardiologen musste ich 4 Wochen auf den Termin warten. Für die Gehirnuntersuchung musste ich 6 Wochen warten ... und das bei einem Schlaganfall. Aber wegen der täglichen ASS100 war es dann vorbei.

Dieses Jahr war ich auf der Treppe abgestürzt und konnte mich nicht mehr bewegen. Es hat eine Stunde gedauert, wieder aufzustehen weil es extreme Schmerzen waren. Beim Notruf kam wieder, dass ich nur mit einem Taxi zum Arzt fahren sollte. Aber das ging nicht, weil ich mich überhaupt nicht setzen und aufstehen konnte. Dann wollte ich einen Artzttermin vereinbaren. Da sollte ich zwei Monate warten. Deshalb bin ich zu Fuß zu einem Arzt. Senkrecht stehen ging noch, nur den Oberkörper konnte ich nicht bewegen. Deshalb musste ich beim Arzt zwei Stunden stehen, hinsetzen ging nicht. Die anderen vielen Patienten, die dort saßen und auch nach mir gekommen waren, kamen vor mir dran. Aber nun ist alles vorbei.

Vor einigen Jahren kam auch mal eine genauere Information und die Erklärung, dass das nur Statistik ist. Die Seite beim WDR existiert nicht mehr. Aber hier gibt es auch eine Information:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article130700247/Jeder-Vierte-wartet-ueber-drei-Wochen-auf-Arzttermin.html

Nur 5% der privat Versicherten müssen längereZeit auf einen Termin warten, bei den gesetzlich Versicherten sind es 13%. Der Unterschied macht fast nichts aus.

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kraut_und_rüben 23.10.2019, 13:23
44.

Ein besser trainiertes Immunsystem bei den Kindern, das scheint mir irgendwie schlüssig. Auch die andere Art Lebensmittel zu produzieren als im Westen, wird eine Rolle spielen. Vermutlich auch die schon im Kindergarten begonnene und über die Sportvereine bis ins Alter reichende sportliche Betätigung hat sicher eine Wirkung erzielt.
Rauchen und Trinken? Oh ja, das fand statt. Ich weiß nicht wie es im Westen war, aber im Osten wurde keine Gelegenheit für einen Umtrunk ausgelassen und Aschenbecher standen auf jedem Schreibtisch. Ein "Begängnis" hatte ohne Alkohol faktisch nicht stattgefunden.
Kinder kamen nach meiner Erfahrung deutlich vor dem 25. Geburtstag der Mütter zur Welt. Meine Älteste ist genau 20 Jahre jünger als ich und das war völlig normal. Die Gründe hatten etwas mit der Lebensperspektive zu tun: Wenn man nicht studierte, war im Osten mit 20 nichts mehr unklar. Aber selbst wenn man studierte - ich hatte mit 23 auch schon mein Ing.- HSA (Dip.-Ing) in der Tasche. Dafür hatten wir aber auch eine 6-Tage-Woche und schon die 12jährigen in der Schule hatten ein wöchentliches Stundenpensum von 37. Hausaufgaben und Fakultatives etc. oben drauf! Soviel zum westdeutschen "Turboabi".
Mal prinzipiell: Ein Westdeutscher, egal mit welchem Blick er auch immer auf den Osten schaut, hat es immer schwer sich ein objektives Bild über diese DDR machen zu können. Er steht dabei immer, ohne es zu merken und ohne es vermeiden zu können, auf einem Sockel den ihm der Osten in der Wendezeit zum Teil selbst gebaut hat. Gebaut um ihn zu umgarnen und für sich einzunehmen. Das die offizielle historische Aufarbeitung und Rückschau, die Jahrzehntelang nur aus westlicher Sicht stattgefunden hatte, später ihr Übriges zu diesem Bauwerk beitrug, kommt noch oben drauf. Das sollte man ev. berücksichtigen, bevor man glaubt die Dinge zu kennen.

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troka 23.10.2019, 13:24
45. Solange biegen, bis es passt...

Ist das das wöchentlich verordnete DDR-Bashing? Da werden Fakten, die eigentlich eine klare Aussage ermöglich, nämlich die industriell geprägte Einheitsernährung des Westens einerseits und das umfassende und prophylaktische Gesundheitswesen der DDR anderseits, solange hin und her gebogen, bis man etwas negatives über das DDR System sagen kann. Der inhaltslose und schablonenhafte Satz "zum Teil macht sich die DDR-Kultur noch immer bemerkbar" spielt nicht nur mit den jahrzehntelang geübten Klischees gegenüber der DDR sondern fällt eine Aussage zu Fakten, die am Ende dann doch nicht das gewünschte Ergebnis bringen, nach dem Motto: "glaubt's doch endlich, egal was die Fakten sagen, der Osten war schlechter!" Kein Wort in diesem Artikel über den Abbau der vorbildlichen Gesundheitsversorgung nach der Wende, das Schleifen der Polikliniken, die Einführung der Geldbeutel abhängigen Arztleistung, die schockierende Erkenntnis, dass man als Patient zum Kunden wird - und wer will schon durch eine finale Heilung einen Kunden verlieren? Und zum Thema Umweltverschmutzung und Bedrohung durch industrielle Gefahren: das kapitalistische BRD System litt (und leidet bis heute) unter den Marktbedingungen. Umweltschutz schmälert die Gewinnmarge. War es nicht so, das kaum ein Monat verging, ohne dass im Umfeld von Hoechst über gefährliche Chemieunfälle berichtet werden musste? Dieser Artikel entlarvt auf sehr anschauliche Weise wie Propaganda funktioniert: die Fakten werden solange gebogen, bis es ins (Welt)Bild passt...

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ditta 23.10.2019, 13:27
46. Allergien

waren im Osten bei weitem nicht allein wegen der "immunisierenden" Luftverschmutzung oder wegen der guten Versorgung mit Kinderkrippen und - gärten geringer verbreitet als im Westen. Nein, einer der wesentlichen Gründe liegt darin, daß die Nahrungsmittel noch viel stärker naturbelassen waren und keinen vom Laien kaum noch einzuschätzenden Chemiecocktail in sich bargen. Bereits zwei Jahre nach der Wende mit neu eingerichteten Supermärkten und bisher nicht zugänglichen - natürlich verlockenden - Produkten sah das Bild schon deutlich anders aus.

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ingbuzzer 23.10.2019, 13:37
47. Fehlende Südfrüchte

Vielleicht sind die fehlenden Südfrüchte der Schlüssel. Als Kind täglich im Dreck gespielt, immer Sport gemacht, Eltern jung. Das alles trifft auf mich zu, dennoch bin ich von zahlreichen Allergien geplagt. Entweder sind es die künstlichen Zusatzstoffe oder aber die Südfrüchte (vlt beides in Kombination). Obst wird sowieso überbewertet. Sollte man eigentlich nur im Herbst und auch dann nur regional oder meinetwegen national verfügbares also nicht Mango, Banane etc.

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AbtrünnigerSozialdemokrat 23.10.2019, 13:40
48.

In Bayern gibts also unerwartet wenige Tote durch Alkohol, so so. Was Allergien angeht könnte es daran liegen, das arbeitende Frauen weniger putzen, und Geräte wie Staubsauger weniger verbreitet waren (Dreck härtet ab - jeder weis es doch westliche Hubschraubermütter weigern sich mit dem Putzen aufzuhören). Auch genetische Ursachen sind denkbar. Die (indigene) deutsche Bevölkerung ist erstaunlich divers und Karten zu mitochondrialer DNS und dem Y-Chromosom teilen Deutschland häufig in mehrere Sektoren. Allergien sind ein Zeichen eines starken Immunsystems, und eine genetische Veranlagung dazu könnte von einer Anpassung an die Pest sein, die nicht überall verbreitet war.

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Susi64 23.10.2019, 13:48
49. Allergien

können leider sehr viele Ursachen haben, so dass es die Ursache nicht gibt. Allerdings dürfte in der DDR das "natürlichere Leben" eine Rolle gespielt haben. Darunter verstehe ich weniger veredelte Lebensmittel (also weniger Zusatzstoffe), mehr natürliche Umgebung für die Kinder (heute werden Kinder auch in Kitas praktisch von jedem "Dreck" fern gehalten), in der DDR gehörte das zum Spielen der Kinder einfach dazu.
Etwas anderes ist die Luftverschmutzung durch die Verbrennung von Braunkohle in den Einzelheizungen, diese führte zu einem hohen Anteil von Bronchialerkrankungen, die heute nicht mehr auftreten. Für Allergien spielt es aber offensichtlich keine Rolle.
Das hat mit Ideologie wenig zu tun sondern entsprach den wirtschaftlichen Möglichkeiten und auch der Realität, dass Kinder nicht in Watte gepackt wurden.

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