Forum: Gesundheit
Abhängigkeit von Schmerzmitteln: Ärzte verordnen immer mehr Opioide
imago/ Ikon Images

Oxycodon, Fentanyl oder Codein: Viele Schwerkranke brauchen diese starken Schmerzmittel unbedingt. Andere Patienten können jedoch abhängig davon werden. Verschreiben Ärzte die Mittel zu leichtfertig?

Seite 1 von 7
MCR 04.07.2017, 16:50
1. Symptombekämpfung statt Ursachenforschung?

Beim sprunghaften Anstieg der Verschreibungen stellt sich mir die Frage, ob die Ärzte unter Umständen nicht fähig oder nicht gewillt sind, die Probleme ihrer Patienten vollumfänglich anzugehen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass mit Schmerzmitteln in einer schnellen Behandlung die Symptome gemildert werden, statt - zeitintensiv - an der eigentlichen Ursache des Problems zu behandeln.
Meine Mutter nimmt seit Jahren Tilidin und als ich Nackenschmerzen von ihrer unbequemen Couch bekam, wurde mir sofort ein Schluck angeboten. Ein bisschen Bewegung und gerade Sitzen hat auch gereicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
peterk2002 04.07.2017, 17:18
2. Für viele Erkrankungen gibt es keine Medikamente für Heilung

Also werden die Symptome bekämpft. Beispiel Rheuma Arthritis. Ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem produziert überaktive Leukozyten, welche die Gelenke angreifen und zu Schwellungen und Entzündungen sorgen. Immunsuppressiva dagegen machen die Leber und Knochenmark kaputt. Diclofenac/Ibuprofen sorgen bald für die Dialyse. Nur Morphine haben keine Schädigende Wirkung auf Organe. Warum? Weil Morphium ein Körpereigener Stoff ist, den der Körper auch in sehr geringen Mengen selbst produziert und kennt. Darum sorgen höhere Mengen auch nicht zu Organschäden.

Die Leute, die sich darüber aufregen, solten mal selbst eine Erkrankung mit Dauerschmerzen bekommen. Dann wüssten sie, ob sie noch dagegen sind oder ob sie sich lieber den ganzen Tag und die ganze Nacht vor Schmerzen lieber winden würden. Aber dann sollte man auch konsequent sein und solchen Gegner diese Schmerzmittel niemals verschreiben.

Warum es gegen Autoimmunerkrankung keine Heilung gibt und nie geben wird, liegt darin begründet, weil Stammzellenforschung verboten ist - weil das ja schlimm sei und der Bürger würde das nicht wollen - sagen die Regierenden.

Also steckt alle Forschung fest und das wird so bleiben.

So sieht es aus, aus meiner Sicht - als Jemand der vor vielen Jahren Medizin studierte.

Bedankt Euch dafür bei Eurer Regierung und bei Eurer eigenen Voreingenommenheit und den Ängsten gegenüber Dingen wie der Stammzellenforschung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
der_unbekannte 04.07.2017, 17:23
3.

Ärzten fehlt einfach die Zeit um Ursachen zu bekämpfen, Symptombekämpfung ist da wesentlich einfacher und die meisten Patienten sind erstmal zufrieden. Es ist hier ein Bewusstseinswandel notwendig, auf beiden Seiten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kas075 04.07.2017, 18:17
4. Akademisch

Als Hausarzt (seit 1985) empfinde ich die Äußerungen von Herrn Glaeske oft als sehr akademisch. Andere Schmerzmittel ("NSAR" z.B. Ibuprofen) haben sehr ernste Nebenwirkungen (Niere/Herz/Magen). Die fast immer sinnvolle Physiotherapie ist mengenbeschränkt, Anträge auf Dauergenehmigung werden nur in Ausnahmefällen positiv beschieden. Die Handhabung von Rehamaßnahmen bei Rentnern ist geradezu schikanös.
Lebensstiländerungen sind entweder schwer durchzuhalten oder wegen beruflicher Belastungen nicht möglich.
Wie man's macht macht man's verkehrt!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Denkentutnichtweh! 04.07.2017, 18:24
5. Dagegen gibt es ein altbekanntes Rezept...

... aber leider verdient die Pharmaindustrie nichts daran.
Deswegen ist mit anhaltender Blockadepolitik und verschärfter Lobbyistenaktivität zu rechnen...
In den USA explodiert die Zahl der Opioidabhängigen und -toten ja schon länger und noch extremer, allerdings nicht überall.
Ratet mal, welche Staaten besser dastehen...

https://blogs.taz.de/drogerie/2016/11/18/weshalb-fuerchtet-die-pharmabranche-cannabis-als-medizin/

Beitrag melden Antworten / Zitieren
luganorenz 04.07.2017, 18:39
6. Na klar, die bösen Ärzte...

... die keine Zeit haben. Sagen Sie doch mal einem Patienten, er sollte am besten 20 Kilo abnehmen, aufhören zu Rauchen, Sport treiben, die Treppe statt den Aufzug nehmen. Machen Sie ihm klar, dass der Bandscheibenvorfall, den der Radiologe im Befund beschreibt, nichts mit den Schmerzen zu tun hat.
Es ist richtig, dass zu viele Opiate verschrieben werden, aber das liegt an einer von der Pharmaindustrie groß inszenierten Erweiterung der Indikation. Das Ganze wurde auf Kongressen von den Mietmäulern "wissenschaftlich" flankiert. Jetzt haben wir den Salat. Langsam geht es wieder in die Gegenrichtung, aber das dauert auch wieder.
Es geht weniger um die fehlende Zeit als um eine unzureichende Ausbildung zum Thema Schmerztherapie.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
genugistgenug 04.07.2017, 19:06
7. 'Sie sehen nicht aus, als würden Sie süchtig werden'

Aussage eines Schmerztherapeuten beim ERSTEN Besuch in dessen Praxis, als er ein Morphinpräparat verordnete und ich nachfragte 'Morphium?' - gut mit Ärzten streitet man nicht, Rezept genommen, eingelöst, dem Hausarzt meines Vertrauens gezeigt - Kommentar nicht druckreif plus Hinweis, dass ich damit ein nachgefragtes Produkt für den 'Park' hätte - und dort entsorgt gegen Krankengymnastik.
Bis huete wundern wir uns, wie schnell man ein Morphinpräparat bekommt, dass auch schnell süchtig macht. Alternativen wie Krankengymnastik, usw. wurden abgewertet und nicht verschrieben. Ist natürlich einfacher immer Medikamente zu verordnen (Patient ruhig stellen) statt was zu tun.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Lutz Albrecht 04.07.2017, 19:14
8.

Zitat von kas075
Als Hausarzt (seit 1985) empfinde ich die Äußerungen von Herrn Glaeske oft als sehr akademisch. Andere Schmerzmittel ("NSAR" z.B. Ibuprofen) haben sehr ernste Nebenwirkungen (Niere/Herz/Magen). Die fast immer sinnvolle Physiotherapie ist mengenbeschränkt, Anträge auf Dauergenehmigung werden nur in Ausnahmefällen positiv beschieden. Die Handhabung von Rehamaßnahmen bei Rentnern ist geradezu schikanös.
Kann man nur voll zustimmen. Wer nicht chronisch krank ist, weiß gar nicht, was da für Kämpfe dahinter stecken und wie es sich mit chronischen Schmerzen lebt. Diese immer wieder betriebene Opioid-Bashing ist da nicht hilfreich, zumal dabei immer nur sehr plakativ auf die starken Präparate abgehoben wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Lord Menial 04.07.2017, 19:22
9.

Zitat von peterk2002
Nur Morphine haben keine Schädigende Wirkung auf Organe. Warum? Weil Morphium ein Körpereigener Stoff ist, den der Körper auch in sehr geringen Mengen selbst produziert und kennt.
Morphium ist ein körpereigener Stoff?
Aber nicht des menschlichen Körpers!
Der Mensch produziert auch keine sehr geringen Mengen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 7