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Abtreibung: "Sachliche Informationen sind keine Werbung"
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Es ist paradox: Ärzte dürfen Schwangerschaftsabbrüche unter bestimmten Voraussetzungen straffrei durchführen - aber das nicht öffentlich zugeben. Die Vorsitzende des Vereins Pro Familia fordert eine Neuregelung.

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dasfred 16.04.2018, 10:55
10. Der Gesetzgeber hat die Straflosigkeit beschlossen

Die Entscheidung für oder gegen ein Kind liegt damit ausschließlich bei der betroffenen Frau. Dazu gehört auch, dass sie sich wirklich umfassend informieren kann. Wer als nicht betroffener Mitbürger verhindern möchte, dass eine Frau zum Beispiel aus wirtschaftlicher Not abtreibt, dem steht es frei, ein Angebot zu machen, dass Mutter und Kind ein Leben über Hartz iv Niveau erlaubt und dieses dann auch bis zur Volljährigkeit verbürgt. Komischerweise ist das Interesse an geborenen Kindern dann recht gering. Eine Abtreibung ist ein körperlicher Eingriff, den keine Betroffene leichtfertig über sich ergehen lassen kann. Da braucht es niemanden, der ihr die Entscheidung unnötig schwer macht.

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Otis 16.04.2018, 10:58
11. Warum eigentlich ...

... unterliegen Beratungen von Pro Familia keinerlei externer Supervision ?
Warum dieser Beamtenstatus und gleichzeitig nicht die geringste Überprüfung, ob denn wirklich "ergebnisoffen" beraten wird ?

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moistvonlipwik 16.04.2018, 11:01
12.

Zitat von cs01
Generell kommen mir bei der ganzen Diskussion die Rechte der ungeborenen Kinder zu kurz.
Haben die welche. Ich habe mal gehört: "Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit Vollendung der Geburt" (§ 1 BGB).

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Velociped 16.04.2018, 11:04
13. Information ist Werbung

Man kann sachliche Information erlauben. "Werbung" ist aber auch die sachliche Information - in allen Bereichen. Alle Firmen wollen uns "nur" informieren. Nur ein kleiner Teil der Werbung kommt marktschreierisch daher. Der meiste in Form von mehr oder weniger sachlicher Information.
Die Überschrift ist also Humbug. Die Information ist auch nicht nötig, denn die Frauen bekommen die Information bei den Beratungsstellen.
Es bleibt ein symbolischer Kulturkampf. Ein Kampf zwischen denjenigen, für die Abtreibung etwas Verbotenes ist, welches nur in bestimmten Fällen straffrei bleibt und denjenigen, für die es etwas Normales, Legales ist. Da geht es nicht um Frauen oder Embryos. Der § 219a hat keine einzige Abtreibung verhindert und damit auch keine einzige Frau im Zugang zur Abtreibung eingeschränkt. Die Aufregung ist daneben, schließlich haben Frauen damit auch über 25 Jahre kein Problem gehabt und es nicht thematisiert.
Der § 219a StGB kann gestrichen werden, weil wir im Endeffekt die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts überwunden haben und doch eine Fristenlösung haben. Ob wir uns dazu bekennen wollen oder ob wir so tun, als ob diese Fristenlösung weiterhin eine Ausnahmeindikationslösung wäre, das ist eine politische Frage ohne praktische Relevanz.
Aber wir treiben die Sau weiter durchs Dorf, betreiben Missinformation und damit politischen Machtkampf. Jens Spahn sammelt derweil die Leute ein, die beim Bundesverfassungsgericht stehen geblieben sind und sonst zur AfD wandern würden. Etwas mehr Ehrlichkeit würde nicht nur der Debatte gut tun, sondern auch die Gesellschaft wieder zusammen bringen. So aber geben sich große Teile der Regierung und der Presse den falschen Anschein, sie würde für Frauen in Notlagen kämpfen und alle die dies durchschauen werden zur AfD getrieben.

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lenslarque 16.04.2018, 11:08
14. "Sachliche Informationen sind keine Werbung"

Das behauptet der entsprechende Paragraph auch nicht, sondern nur die abstrusen Richter, die diesen Paragraphen anwenden.

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vera gehlkiel 16.04.2018, 11:10
15.

Auch Jahrzehnte später noch erweist sich die ganze Perfidie konservativer Frauenverachtung am Thema Abtreibung. Frauen in echten Notlagen sind so in etwa dem jugendlichen Kiffer gleichgestellt, der sich im grenznahen Ausland eine bestimmte Menge Dope holen kann, was zwar verboten ist, aber gnädiger Weise per übergeordnetem Erlass nicht bestraft wird. Jede Arztpraxis, die Abtreibungen als ganz normale Dienstleistung anbietet, muss aber permanent mit existenzbedrohenden Schwierigkeiten rechnen. Wenn es darum geht, Frauen gezielt zu verunsichern und zu demütigen, ist dabei im konservativen Weltbild der eklige Spitzel und Denunziant jederzeit willkommen. Das steht ja auch bruchlos in hervorragender christlich-abendländischer Tradition, auf die unser oberster Wertezuständiger und Heimatgrossminister von der CSU mit Vorliebe hinweist. Spalten, kleinkriegen, dazu einen Spruch drücken, die seit altersher bewährten Methoden halt. Aber klar, wenn sich daraus eine wilde Wut entwickelt, sind wir Frauen wieder "histrionisch", können die wahre Dimension der Angelegenheit, nämlich das von Gott gegebene Leben, das nur dann keinen Eigenwert hat, wenn es sich bei dem Kind um einen kleinen syrischen Schlauchbootflüchtling handelt, den man unbeteiligt im Mittelmeer absaufen lässt, aufgrund unserer im Kopf etwas wirren Disposition nicht erfassen. Parallel dazu werfen Neokonservative progressiv eingestellten Frauen auch noch vor, eigentlich am Phänomen AfD die Schuld zu tragen! Echt, machen wir endlich Schluss damit, aber schleunigst! Frauen sollten jetzt ein zweites, möglichst doppelt so grosses Fass aufmachen, zum Ende der Toleranz hinsichtlich Begrapschens sollte jetzt das Ende der Toleranz hinsichtlich Fremdbestimmung über unsere autonome Lebensplanung dazukommen. Ich hoffe, Jens Spahn wird ab sofort eingedeckt mit Ansagen, bis ihm die schöne Nerdbrille von aussen wie innen beschlägt. Der Mann hat sich dies trotz kürzestmöglicher Amtszeit mit einem einzigen total abwertenden Kommentar zum Thema bereits redlich verdient. Lassen wir Aussagen wie die von Herrn Spahn, dass Frauen zumeist aus Bequemlichkeitssucht abtreiben, respektive, damit sie die Zeit haben, sich wieder ihrem Haupthobby TIerschutz zu widmen, nicht mehr durchgehen, und niemals mehr! Höhepunkt der Peinlichkeit ist: während die gynäkologischen Praxen kujoniert werden, lässt man das Gewerbe der Hebammen stillschweigend absterben. Wenn auch die wertkonservativen Frauen sich bezüglich solcher Unerträglichkeiten endlich solidarisieren würden, wäre damit schnell Schluss!

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selysia 16.04.2018, 11:11
16.

Ich vertrete den Standpunkt, dass das geborene bzw. bereits vorhandene Leben in jedem Falle und in jeder Hinsicht Vorrang vor dem ungeborenen Leben haben muss. Jede andere Betrachtungsweise macht Frauen zu Sklavinnen ihres Geschlechts, sobald sie geschlechtsreif werden. Mit dem "Schutz des ungeborenen Lebens" werden auf dieser Welt ungeheuerliche Zumutungen begründet (wie z.B. 11jährige Kinder dazu zu zwingen, Kinder auszutragen, die das Ergebnis sexuellen Missbrauchs sind, wie des öfteren in Südamerika geschehen). Als einstmals selbst betroffene Frau kann ich nur sagen 1. Ich bin dafür, Schwangerschaftsabbrüche bis einschließlich der 12. Woche komplett freizugeben (wie es in der DDR der Fall war, und nein, ich komme nicht aus dem Osten), und 2. Ich spreche Männern generell das Recht ab, über betroffene Frauen und ihre Situation zu urteilen. Solange das "ungeborene Leben" ein Teil meines Körpers ist und ohne meinen Körper nicht lebensfähig, ist es meine Entscheidung, was ich damit mache.

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vera gehlkiel 16.04.2018, 11:34
17. @Leblanc

Zitat von Leblanc
Das Grundgesetz schützt das werdende Kind; die Tötung muss daher "verboten" bleiben, die "Straffreiheit" auf Ausnahmen begrenzt sein. Es wird also nach Gesetz "kriminell" bleiben, aber straffrei in bestimmten Fällen. Es klingt polemisch, diesen Sachverhalt als "Kriminalisierung" der Ärzte zu bezeichnen. Eigentlich geht es um die gesellschaftliche Frage, ob (aktuell 100.000) "Tötungen" weiter als "Ausnahmen" oder als "freie Entscheidung" der Kindsmutter angesehen werden sollen. Wer vertritt dann aber den Schutz des ungeborenen Lebens?
Paragraph 1 des Grundgesetzes, damit die höchste aller für die Bürger unaufhebbar geltenden Rechtsnormen, besagt nach wie vor: "Die Würde des Menschen ist unantastbar...(etc.)". Was, etwa über die Vermittlung durch Kant, exakt dies bedeutet: der Mensch ist als solches selbstevident und hat das Recht, in allen Entscheidungen bezüglich seiner Lebensplanung autonom und unhinterfragt frei zu agieren. Die gesellschaftliche Frage, die ansteht, ist schlicht und einfach, ob dies weiterhin nur für Männer, oder im vollen Umfang endlich auch für die Frauen gelten soll. Punktum. Den Schutz des ungeborenen Lebens vertritt die Frau allein, solange das Gewebe, welches in ihr wächst, voll und ganz zu ihr gehört. Wenn sie ihr das nicht zutrauen möchten, können sie ja gern versuchen, ein anderes Rechtssystem bei uns zu etablieren, welches die Gleichstellung von Mann und Frau, und die Gleichsetzung beider Geschlechter unter dem Oberbegriff "Mensch", aufhebt oder für bestimmte Sonderfälle relativiert. Übrigens sind es die Frauen, die in unserer Gesellschaft in den weitaus allermeisten Fällen auch für den Schutz des geborenen Lebens eintreten, sowohl betreffend der Erziehungstätigkeit, als auch hinsichtlich der Gesundheitsvorsorge, etc.pp. Hier sieht man dann auf einmal bedauerlich wenig engagierte Mannhaftigkeit am Werk! Beschämend, wie sich Männer darüber lustig machen, wenn Frauen als Erzieherinnen oder Kinderkrankenschwestern oder Hebammen kaum etwas verdienen, wie sie zugleich dafür plädieren, die Notlagen, die zu Abbrüchen führen, noch tendentiell eskalieren zu lassen, um der betroffenen Frau wirklich jede restliche Würde zu nehmen, und wie sie parallel elitär intellektualiserte "Wertediskurse" emittieren!

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carlitom 16.04.2018, 11:40
18.

Zitat von Leblanc
Das Grundgesetz schützt das werdende Kind; die Tötung muss daher "verboten" bleiben, die "Straffreiheit" auf Ausnahmen begrenzt sein. Es wird also nach Gesetz "kriminell" bleiben, aber straffrei in bestimmten Fällen. Es klingt polemisch, diesen Sachverhalt als "Kriminalisierung" der Ärzte zu bezeichnen. Eigentlich geht es um die gesellschaftliche Frage, ob (aktuell 100.000) "Tötungen" weiter als "Ausnahmen" oder als "freie Entscheidung" der Kindsmutter angesehen werden sollen. Wer vertritt dann aber den Schutz des ungeborenen Lebens?
Sie haben leider das Thema verfehlt. Das Thema Abtreibung und ihre Zulässigkeit bzw. Straffreiheit sowie die notwendigen Bedingungen dafür ist längst durchgestritten.

JETZT geht es darum, ob Ärzte, die diesen Eingriff legal durchführen dürfen, das auch sagen dürfen. Wenn nicht, ist das - nach logischem Verständnis - nur Blödsinn. Wieso muss ein legaler Akt geheim bleiben? Was soll der Quatsch?

Ihre Ideologie s.o. ist hier fehl am Platz, aber wahrscheinlich ist eine Ideologie wie die Ihre hier der Grund allen Übels.

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labude dolf 16.04.2018, 11:44
19.

Zitat von lenslarque
Das behauptet der entsprechende Paragraph auch nicht, sondern nur die abstrusen Richter, die diesen Paragraphen anwenden.
Das Gesetz nimmt weder das Wort "Werbung" noch die Worte "sachliche Informationen" in den Mund, sondern sanktioniert diejenigen, die "öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (...) [ihres] Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise (...) eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs (...)" anbieten (etc.).

Ich kann nicht erkennen, dass "abstruse" Richter hier Sachverhalte abweichend vom Gesetzeswortlaut verurteilen.

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