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ADHS: Hamburger Kinder bekommen am meisten Methylphenidat
DPA

Trauriger erster Platz für Hamburgs Schulkinder: Im Bundesvergleich schlucken sie am meisten Medikamente gegen das Zappelphilipp-Syndrom ADHS, so der Verband der Ersatzkassen. Rheinland-Pfalz und Bremen belegen Platz zwei und drei. Kritiker beobachten die Entwicklung mit Unbehagen.

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Eros1981 01.08.2013, 14:49
110.

Zitat von alasiaperle
Gerade Kinder mit Autismus bekommen gern noch das ADHS dazu. Dabei hat eine Aufmerksamkeitstörung beim Autismus ganz anderen Ursachen. (In eine große Befragung von 20.000 Eltern von Kindern mit Autismus, meldeten diese eine Methylphenidatbehandlung bei nur 30% der Fälle als hilfreich. Diese Befragung war sonst in Internet ganz leicht zu finden, leider nicht mehr.) Da kann Konzentrationstraining, schwimmen, spazieren oder boxen wirklich viel bringen. Wer schon mal echte hyperaktivität erlebt hat, wird es nie mehr mit etwas anders verwechseln. Ich kenne bis jetzt nur ein einziger (unbehandelter) Fall, er ist tatsächlich ein kaum zu bremsender Energiebundel, der viel redet und wenig schläft, eine Nervensäge ohne ihresgleichen, aber auch ein sehr guter Schuler und sonst ganz Lebensfroh.
Mir ist bewusst, dass Kinder mit Autismus häufig zusätzlich an ADHS leiden. Es kommt da natürlich auch immer auf den Einzelfall an.

Auf jeden Fall bin ich gespannt auf die Aufgabe, die hoffentlich vor mir liegt. Wenn es schlecht läuft, kriege ich nämlich gar keine Stelle :-(

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pittiken 01.08.2013, 14:50
111.

Zitat von xxbigj
Das liegt doch an der heutigen gestressten Welt! Wer über 40 ist kann doch überhaupt nicht mitreden! Das waren andere Zeiten wo Ihr aufgewachsen seit. Viele Kinder sehen Ihre Eltern täglich 1-2 stunden und erleben nur gestresste Eltern. Wer würde dann nicht alles machen um aufmerksamkeit zu bekommen? Die ruhigen zeiten sind schon lange vorbei! Das unsere Kinder krank werden wird immer häufiger werden. Genau wie Allergien immer häufiger werden. Die Welt verändert sich. Aber nicht zum guten!
Ich bin über 40 und habe meine Eltern auch nur täglich 1-2 stunden erlebt, sonst war ich draußen rumströpern. Übrigens mussten wir Kinder noch im Haushalt mithelfen, jedes Kind hatte seine täglichen Pflichten, wer die nicht erfüllte, musste mit Taschengeldminderung bis -gar-nicht-Zahlung rechnen.

Die heutigen Eltern machen ihre Kinder krank. Übrigens Allergien sind auch das Ergebnis von zu viel Putzmittel im Haushalt.

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bdr_boxter 01.08.2013, 14:51
112. Irgendwie deckt sich Ihre Meinung

Zitat von Eros1981
Es kann doch nicht richtig sein Kinder jahrelang mit Medikamenten ruhig zu stellen, welche Folgeschäden das haben kann, das interessiert die Eltern, Psychologen und Ärzte wohl nicht.
so gar nicht mit unseren persönlichen Erfahrungen. Ja, unser Sohn bekommt Ritalin. Die Wirkstoffmenge wird jährlich per EEG ermittelt. Nebenbei ist er noch in einer Gruppentherapie für die wir lange gekämpft haben.

Jetzt zu Ihren Folgeschäden: In der 3. Klasse Grundschule wollte man ihn in die Sonderschule stecken (obwohl ein gewisse Intelligenz bescheinigt wurde). Ritalin hat es ihm ermöglicht jetzt zu den 3. Besten in der 6. Klasse Realschule zu gehören. Wenn die Entwicklung einigermassen so weiterläuft machen wir uns keine Sorgen um sein Zukunft.

Anmerkungen: Eltern die unseren Sohn nicht mehr in der Grundschule sehen wollten (Störung des Unterrichts), haben genau Ihre Meinung zu Ritalin vertreten. Ob diese Eltern dann für die Folgeschäden einer Sonderschule aufkommen wollen möchte ich bezweifeln. Sie wollten sich ja nicht einmal mit der Störung des Grundschulunterrichts abfinden.


Gott zum Gruß

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alasiaperle 01.08.2013, 14:59
113. Ja

Zitat von Eros1981
Mir ist bewusst, dass Kinder mit Autismus häufig zusätzlich an ADHS leiden. Es kommt da natürlich auch immer auf den Einzelfall an. Auf jeden Fall bin ich gespannt auf die Aufgabe, die hoffentlich vor mir liegt. Wenn es schlecht läuft, kriege ich nämlich gar keine Stelle :-(
Der Unterschied bei Autismus und ADHS ist, der einer kann sich oft sehr gut konzentiereren wenn er alleine ist (und/oder wenn er das Thema gut versteht), der andere auch dann nicht. Trotzdem werden alle zwei gerne mit Ritalin behandelt.

Ich denke es wird gut für sie werden. Es gibt immer Bedarf nach zuverlässige I-helfer, insbesonders wenn sie Probleme etwas kreativ angehen und sich nicht auf 08/15 Lösungen verlassen.

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alasiaperle 01.08.2013, 15:11
114. Recap

Das Problem ist, es gibt viel was nach ADHS aussieht, ist es aber nicht.

Autisten können meistens in nur Ruhe gut konzentrieren, wenn sie alles gut verstanden haben. Mit viel Training kann auch eine gewisse Konzentration in eine laute überfüllte Klasse erreicht werden.

Es gibt auch reine Hyperaktiven, die ihre Aufgaben sehr schnell und meistens richtig erledigen. Sie brauchen natürlich keine medizinische Behandlung, auch wenn sie die anderen stören.

Für solche Kinder muss einfach eine andere Lösung gefunden werden, aber da sind viele zu bequem dazu.

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dr.u. 01.08.2013, 15:19
115. Das ist wohl nicht zu unterschätzen

Zitat von coopms
Es geht doch nicht um eine Lösung. Es geht ums Geschäft.
Schließlich kreiert man sich so gleich zwei Generationen von undifferenziert willfährigen Menschen, die bedingungslos dem Glauben folgen, dass die Pharmaindustrie schon für jeden als pathologisch erachteten (!!) Zustand ein Mittelchen parat hält.

Die Kinder sind die Kunden von morgen udn die Eltern sind die Multiplikatoren ("Also seit meiner Ritalin nimmt, ist er wie ausgewechselt. Ruhig, nett und pflegeleicht.").

Und wer kein ADHS hat oder wem keines angedichtet werden kann, der bekomm halt spätestens auf der weiterführenden Schule die Diagnose "Opfer von Leistungsstress" und bekommt halt eine anders farbige Pille zum Psycho-Boost.
Und wenn das auch nicht reicht, dann wird halt das Standardwerk für psychische Erkrankungen überarbeitet und die Normen /Normalzustände enger gefaßt. Irgend wie bekommt man schon die Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden psychisch krank diagnostiziert / definiert.
Und wenn die Erwachsenen sehen wie toll die lieben Kleinen danach "funktionieren", wollen sie vielleicht auch bald besser funktionieren.
Was für ein Markt!!!

Die tatsächlich Kranken, denen diese Mittelchen unbestreitbar helfen können, ein Stück Lebensqualität zurück zu gewinnen, sind explizit ausgenommen und sollen nicht einer generalisierenden Verallgemeinerung anheim fallen.

Gretchen-Frage: Wer außer der Pharmaindustrie könnte wohl noch ein (wirtschaftliches) Interesse an vielen psychisch ruhiggestellten Menschen haben?
Die herrschende Klasse?!?! (Das sind nicht zwangsläufig unsere Politiker)

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daszebulon1964 01.08.2013, 15:24
116. Danke

für den wohltuenden Beitrag. SPON kann sich mittlerweile locker mit der BILD messen. Die Leser sind auch auf Kurs...

Zitat von M_3000
Und - zack - da tobt der Stammtisch, da ist es wieder, die Märchen von der geldgeilen Pharmaindustrie, das Gerede von "ADHS gab's früher nicht", die Mär von der heute mangelnden Kindererziehung und das dumme Geschwätz vom süchtigmachenden Ritalin ... Wenn man sich die Zahlen anschaut löst sich dieser Skandal in Luft auf. 1,8% der Kinder die in Hamburg gesetzlich Krankenversichert sind bekommen Methylphenidat. Die Prävalenz von ADHS ist weltweit ungefähr 5%. Also bekommen weniger als die Hälfte der statistisch zu erwartenden ADHS-Kinder eine medikamentöse Behandlung. Wenn man nun annimmt dass in Hamburg die Versorgung gut ist, also die meisten der Kinder mit ADHS tatsächlich behandelt werden, dürfte es so sein dass die meisten eine Therapie bekommen und ungefähr die hälfte Medikamente braucht. Das deutet nicht auf einen Skandal und ist nicht traurig sondern sieht eher nach guter Versorgung und offenbar sorgfältige Behandlung aus. Aber klar, der Spiegel montiert wie immer tendenziöse Zahlen und Halbwahrheiten aus alten Meldungen so in dieser Sommerloch-Geschichte dass es wie ein Skandal aussieht. Und Recherche ist bei SPON ist schon lange ein Fremdwort.

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psychologiestudent 01.08.2013, 15:32
117.

Zitat von meinemeinung:
Es gibt wohl kaum jemanden in Deutschland der sich in solch gründlicher und sachlicher Weise mit dem Thema ADHS auseinandergesetzt hat wie der Neurobiologe Gerald Hüther. Vielleicht kann ihnen diese Übersicht seiner Qualifikation zu einer realistischeren Einschätzung verhelfen: Das er mit seiner kritischen Sichweise nicht der Einzige ist, dafür hier ein Beispiel: Und:
nunja, jemand der nie in einer PSychiatrie, einer Ambulanz, einer Klinik oder nur einer Schule gearbeitet hat, ist nicht gerade der geeignetste Mann für die Bewertung einer potentiellen psychischen Störung, oder?

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Eros1981 01.08.2013, 15:39
118. Folgeschäden von Ritalin

Zitat von bdr_boxter
so gar nicht mit unseren persönlichen Erfahrungen. Ja, unser Sohn bekommt Ritalin. Die Wirkstoffmenge wird jährlich per EEG ermittelt. Nebenbei ist er noch in einer Gruppentherapie für die wir lange gekämpft haben. Jetzt zu Ihren Folgeschäden: In der 3. Klasse Grundschule wollte man ihn in die Sonderschule stecken (obwohl ein gewisse Intelligenz bescheinigt wurde). Ritalin hat es ihm ermöglicht jetzt zu den 3. Besten in der 6. Klasse Realschule zu gehören. Wenn die Entwicklung einigermassen so weiterläuft machen wir uns keine Sorgen um sein Zukunft. Anmerkungen: Eltern die unseren Sohn nicht mehr in der Grundschule sehen wollten (Störung des Unterrichts), haben genau Ihre Meinung zu Ritalin vertreten. Ob diese Eltern dann für die Folgeschäden einer Sonderschule aufkommen wollen möchte ich bezweifeln. Sie wollten sich ja nicht einmal mit der Störung des Grundschulunterrichts abfinden. Gott zum Gruß
Das Ritalin grundsätzlich erstmal eine positive Wirkung auf das Kind hat und hilft den Schulalltag gut zu bewältigen ist unbestritten.

Aber was ist mit den Nebenwirkungen von Ritalin? Welche möglichen unumkehrbaren Folgeschäden kommen nach jahrelange Einnahme auf das Kind zu?

Mir kann doch kein Mensch erzählen, dass das alles ohne Folgen für die emotionale Entwicklung eines Menschen in der Wachstumsphase hat, wenn jahrelang Ritalin zu sich genommen wird.

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Nevermeind 01.08.2013, 15:43
119.

Als Kind die Tagesdosis, dann als Jugendlicher den Dreh raus, dass hoehere Dosen aufputschend wirken und bald danach Heroin zu Runterkommen, eine sehr typische Dorgenkarriere.

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Ritalin in hoeheren Dosen aufputschend wirkt, und das weiss man auch in der Drogenszene. Unglaublich, dass dieses Medikament gegen eine erfundene Krankheit immer noch verschrieben wird.

Verbrecher.

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