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ADHS: Hamburger Kinder bekommen am meisten Methylphenidat
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Trauriger erster Platz für Hamburgs Schulkinder: Im Bundesvergleich schlucken sie am meisten Medikamente gegen das Zappelphilipp-Syndrom ADHS, so der Verband der Ersatzkassen. Rheinland-Pfalz und Bremen belegen Platz zwei und drei. Kritiker beobachten die Entwicklung mit Unbehagen.

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alasiaperle 01.08.2013, 18:29
140. Mehr dazu

However, after three years, these effects had faded, and by eight years there was no evidence that medication produced any academic or behavioral benefits.

http://www.nytimes.com/2012/01/29/op...long-term.html

Sprich, nach 8 Jahre kein besonderer Vorteil in Vergleich zu nicht medizinisch behandelte Kinder.

Clearly, these children need a broader base of support than was offered in this medication study, support that begins earlier and lasts longer.

Ja, man muss sich MIT hinsetzen beim Lernen. Stundenlang, tagelang und über Jahre hinaus. Wer bei der Einschulung anfängt und konsequent bleibt, sieht generell ab der fünfte, sechste Klasse gute Ergebnisse. Wer hat aber noch die Zeit und die Nerven?

Putting children on drugs does nothing to change the conditions that derail their development in the first place. Yet those conditions are receiving scant attention.

Probleme in der Familie spielen sicherlich bei manche auch eine Rolle...

...There will never be a single solution for all children with learning and behavior problems. While some smaller number may benefit from **short-term** drug treatment, large-scale, long-term treatment for millions of children is not the answer.

Kürzfristige Behandlung oft hilfreich aber langfristig muss man andere Lösungen suchen. Dazu kann man eigentlich nichts weiter sagen.

Der Man ist Psychologe und schreibt für NYtimes also nix mit Ökofritz.

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thoreaukrates 01.08.2013, 19:26
141. Schön, daß Sie lachen können

Zitat von Nevermeind
LOL, der war gut. Zunaechst mal: der Vergleich hinkt nicht, es ab einer bestimmten Dosis definitiv Speed. Und "ADS"-Betroffene gibt es gar nicht, weil es auch kein ADS gibt.
Gut, in Ihrer Welt gibt es kein ADS! Die Meinung sollte man akzeptieren, auch wenn sie etwas hauptfeldwebel-mäßig rüberkommt.
Aber dennoch hören wir Betroffenen nicht gleich mit der Diskussion auf.
Wie sieht's denn mit anderen psychischen Störungen (Achtung: ADS wird als Störung, nicht Krankheit bezeichnet; viele hier verwechseln das) und psychischen Erkrankungen (z.B. Depression) aus? Gibt es die denn ihrer Meinung nach?
Übrigens: Wenn ADS-Betroffene Methylphenidat nutzen und dabei vernünftig ihre gebotene Dosis einhalten, warum gehen diese dann nicht ab wie bei Speed? Und warum haben diese i.d.R. nicht das Bedürfnis einer Dosis-Steigerung, wie bei Speed, Kokain, Heroin? Das wäre in meinen Augen ein eindeutiges Indiz für eine Droge!
Eins noch, weil viele ja gern englisch-sprachige Quellen nutzen. Der englische Begriff "Drug" wird dort zumeist mit dem deutschen Wort "Medikament" gleichgesetzt.

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albert schulz 01.08.2013, 21:44
142. Dreister Unfug von der Qualität eines Gekröseinterpreten

Was haben wir als Kinder und Jugendliche nicht an wundervollen Unfug angestellt, nachgerade traumhaft und natürlich gottverboten. Kein Mensch hat sich darüber aufgeregt.

Der menschliche Organismus, zu dem man je nach Glaubensrichtung auch die Seele zählen mag, ist ein wunderbares Teil. Vor allem ist es ungeheuer vielschichtig, differenziert, kompliziert, und gerade in jungen Jahren grenzenlos leistungsfähig. Es geht darum, daß dieses mehr als perfekte System seine Grenzen selbst erkundet, was ganz sicher anstrengend ist, allerdings vor allem für das Subjekt selbst. Unglaubliche Höhen und Tiefen sind mit dieser Entwicklung verbunden, die man in dieser Intensität nie mehr im Leben verspüren kann, auch wenn jede Menge negativer Erfahrungen mit dieser Achterbahn verbunden sind. Aber wann wenn nicht als Kind und Jugendlicher darf soll und muß der kleine Mensch Fehler machen, ausprobieren, neues Land erkundschaften ? Es ist die Aufgabe des Heranwachsenden in jeder Phase. Hier entscheidet sich sein Lebensweg.

Und jetzt kommen eine paar stinkbequeme Erwachse daher, die sich den ganzen Ärger vom Hals halten wollen, und das geht am einfachsten mit einer soliden Dröhnung, und es gibt jede Menge wissenschaftlicher Ignoranten und Granatendeppen, die dem Eltern- und Lehrerwunsch frommen. ADHS kennen sie nicht wirklich, es ist eine sagenhafte pauschale fast beliebige Symptomsammlung, von der diese Koryphäen weder den Grund kennen, noch das Zusammenwirken der körperlichen Komponenten, noch die Folgen für den Erwachsenen.

ADHS ist einfach zuviel Energie, und somit außerordentlich gesund.

Und für die begeisterten Ritalin- Anhänger noch ein kleiner Tip: Die überangepaßten fleißigen und braven Kinder sind nicht unbedingt die, die das Leben besser meistern oder gar glücklicher werden. Der Mensch als solcher ist ein wenig kompliziert. Darüber sollte man keine Idioten entscheiden lassen, sondern das Kind. Es ist ein Wunder, und es ist nicht beliebig regulierbar.

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pippo_88 01.08.2013, 22:02
143. Ärztliche Aufsicht unabdingbar!

Dass Methylphenidat ein wirkungsvoller Arzneistoff ist, lässt sich nicht abstreiten. Dennoch sind die Nebenwirkungen vielseitig und können zu starken Einschränkungen im Alltag führen. Deshalb sollte Methylphenidat nur verwendet werden, wenn eine ausführliche Diagnose nach den erwähnten Kriterien gestellt worden ist. Zudem ist dabei regelmäßige ärztliche Betreuung und Aufsicht zwingend notwendig und auftretende Nebenwirkungen sollten augenblicklich nach Auftreten mit dem behandelnden Mediziner besprochen werden. MPH sollte deshalb erst dann verwendet werden, wenn andere therapeutische Maßnahmen langfristig zu keiner Verbesserung führen konnten. Ich bin mit jedoch sicher dass es die ärztliche Betreuung nicht durchgehend intensiv ist und die Aufsichtspflicht nach einiger Zeit schleifen gelassen wird..:/

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Josh Whyland 01.08.2013, 22:27
144. Party- und Studidroge

da gibt es meiner erfahrung bestimmt auch den ein oder anderen erwachsenen, der den psychiater so lange vollquatscht, bis er ritalin bekommt. ist ja bekanntlich außerordentlich hilfreich zum büffeln und party machen, v.a. wenn man noch ein bisschen alk draufkippt (ergibt das potentere ethylphenidat).

alle, die sagen, adhs gäbe es nicht, haben wohl noch nie ein kind mit adhs gesehen. ich kann schon verstehen, wenn manche eltern einfach nicht mehr können... oft genug sind es aber die eltern, die einen psychiater brauchen, zugegebenermaßen...

ich glaube, ehrlich gesagt, dass es tatsächlich einen anstieg an adhslern gibt - meine vermutung ist, dass das mit der digitalisierung zusammenhängt. viele kids, die man in der straßenbahn sieht, bekommen doch nicht einmal mehr die muse zusammen, die nase länger in ein buch zu tecken. smartphone und facebook sind viel reizstärker und erfordern weitaus weniger konzentration.

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thoreaukrates 01.08.2013, 22:47
145. Ja klar

Zitat von Josh Whyland
da gibt es meiner erfahrung bestimmt auch den ein oder anderen erwachsenen, der den psychiater so lange vollquatscht, bis er ritalin bekommt. ist ja bekanntlich außerordentlich hilfreich zum büffeln und party machen, v.a. wenn man noch ein bisschen alk draufkippt (ergibt das potentere ethylphenidat). alle, die sagen, adhs gäbe es nicht, haben wohl noch nie ein kind mit adhs gesehen. ich kann schon verstehen, wenn manche eltern einfach nicht mehr können... oft genug sind es aber die eltern, die einen psychiater brauchen, zugegebenermaßen... ich glaube, ehrlich gesagt, dass es tatsächlich einen anstieg an adhslern gibt - meine vermutung ist, dass das mit der digitalisierung zusammenhängt. viele kids, die man in der straßenbahn sieht, bekommen doch nicht einmal mehr die muse zusammen, die nase länger in ein buch zu tecken. smartphone und facebook sind viel reizstärker und erfordern weitaus weniger konzentration.
Man wackelt zum Psychiater rein, quatscht den ein büschen voll, verhält sich entsprechend der Diagnosekriterien, die man im Internet gefunden hat, umgeht elegant die Fragetechniken des promovierten Mediziners mit psychiatrischer Zusatzausbildung und wenn dieser dann grübelt, was wohl helfen könne, schlägt man ihm vor, daß Ritalin sicher eine Hilfe wäre. Glücklich, einen Patienten gefunden zu haben, der keine lange Therapie wünscht, verschreibt der Arzt schnell mal eine 50er Packung zu 60 mg/Kapsel.

Willkommen in Wolkenkuckucksheim...

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M_3000 01.08.2013, 23:18
146.

Zitat von P.Delalande
Ach Sie haben die beiden gefragt? Ähm...natürlich können Sie deren Reaktion auf ihre in der FAZ veröffentlichten Aussagen nicht seriös belegen. Dachte ich mir schon. Seltsam auch, dass die beiden sich nicht an die FAZ gewandt haben, wenn sie angeblich falsch zitiert wurden. Die FAZ hätte das sicher korrigiert. Also wird man Ihre Behauptung diesbezüglich wohl als Unfug ansehen müssen.

Glauben Sie mit, ich habe die beiden gefragt.

Nein, ich betreibe keinen Blog und ja ich habe die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung natürlich über den Unsinn den die beiden Autorinnen verzapft haben informiert. Nein sie hat kein Richtigstellung geschrieben aber Lauer durfte dann seinen ADHS Artikel schreiben.

Drollig übrigens dass ein Artikel von Journalistinnen die dich sonst mit Frauen in Afghanistan und Hundedreck in Berlin beschäftigen zählt, Blogs von sicher besser informierten Betroffenen nicht. Das lässt einen unangenehmen Charakter und ein gefährliches Weltbild erkennen.

Bei ihnen ist leider Hopfen und Malz verloren. Sie leben in einer Welt von Verschwörungen. Wer anderer Meinung ist ist von Big Pharma bestochen. Klar, muss ja so sein.

Wenn darunter nicht Menschen leiden und Eltern verunsichert würden bis sie notwendige Behandlungen unterlassen würde ich das komisch finden.

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Ronberg 02.08.2013, 12:22
147. weshalb "trauriger" erster Platz?

Zitat von sysop
Trauriger erster Platz für Hamburgs Schulkinder: Im Bundesvergleich schlucken sie am meisten Medikamente gegen das Zappelphilipp-Syndrom ADHS, so der Verband der Ersatzkassen. Rheinland-Pfalz und Bremen belegen Platz zwei und drei. Kritiker beobachten die Entwicklung mit Unbehagen.
Vielleicht ist in Hamburg einfach die medizinische Versorgung für Betroffene besser?

Die meisten, die hier mitdiskutieren, haben von ADS keine Ahnung, sonst würden so dumme Stellungnahmen nicht kommen. Dass die Krankenkassen gerne die Medikamente einsparen würden, liegt auf der Hand, sie sind in der Tat nicht ganz billig. Ein Sprecher der Ersatzkassen ist aber wohl kaum fachlich kompetent, um den Einsatz von Ritalin zu beurteilen. Dass der Einsatz von Ritalin in ein psychoterapeutisches Gesamtkonzept gehört, ist eine Banalität und dürfte in den allermeisten Fällen auch so geschehen, dies müssen nicht erst die Krankenkassen den Psychotherapeuten erklären.

Die Verweigerung von Ritalin aus "ideologischen" Gründen dürfte in vielen Fällen den Tatbestand unterlassener Hilfeleistung erfüllen.

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P.Delalande 02.08.2013, 13:00
148.

Zitat von M_3000
Glauben Sie mit, ich habe die beiden gefragt.
Tut mir leid das sagen zu müssen, aber gerade Ihnen glaube ich kein Wort.

Zitat von M_3000
Bei ihnen ist leider Hopfen und Malz verloren. Sie leben in einer Welt von Verschwörungen. Wer anderer Meinung ist ist von Big Pharma bestochen. Klar, muss ja so sein.
Ein sog. "Zentrales ADHS-Netz", das von den Herstellern der ADHS "Medikamente" finanziert wird, ist Teil der Werbung der Hersteller; eine Website die von diesem Verein betrieben wird ist also auch nichts anderes als Werbung.

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meinemeinung: 02.08.2013, 13:47
149. Dringend notwendige Reformen

Zitat von psychologiestudent
?
Ich bezweifle das die von ihnen genannten Kriterien etwas darüber aussagen ob jemand geeignet ist seelische Notlagen zu beurteilen. Gerade in der Psychiatrie wird anhand von Kriterien beurteilt und kategorisiert, die eher ein Hinweis darauf sind, wie sehr innere Vorgänge verdrängt und die Ursachen ausgeblendet werden. Heraus kommen dann Behandlungsmethoden die eher der Verschleierung des Leidens, als dessen Heilung entsprechen.
Der Psychoanalytiker Arno Gruen hat dies in "Der Verlust des Mitgefühls" so ausgedrückt:
"Wir sehen im Kranken all das, was wir in uns selbst fürchten, um es so nicht in uns selbst erkennen zu müssen."
und:
"So projizieren wir diese Angst in unsere Kranken hinein und wandeln sie mit Hilfe unserer wissenschaftlichen Vorgehensweise in hochdifferenzierte Krankheitsbilder um. Damit schaffen wir eine wissenschaftlich untermauerte "Wirklichkeit", die uns den Zugang zu unserem Tun weiter verbarrikadiert."
Sie selbst geben aus meiner Sicht hier ein gutes Beispiel dafür ab, das es dabei nicht um Wissenschaftlichkeit geht Während sie dieser normalerweise ein hohes Maß an Bedeutung zukommen lassen, ist das Gegenteil der Fall, wenn die wissenschaftlichen Ergebnisse ihren Vorgaben wiedersprechen, wie es bei dem Neurobiologen Gerald Hüther der Fall ist.
Häufig beziehen sich gerade Anhänger der Glaubensrichtung "Es gibt die Krankheit ADHS" gerne auf neurobiologische Studien, wobei sie meist außer Acht lassen das sich das Gehirn im Kontext mit der Umwelt entwickelt. Beachtet werden dabei vorzugsweise nur die Studien die den eigenen Vorgaben entsprechen. Hier zeigt sich für mich, das auch Wissenschaft von der Subjektivität beeinflusst wird, die Teil des Menschen ist.
Nach meinem Verständnis wäre es dringend erforderlich sich dieser Subjektivität bewusst zu werden.
Anders gesagt: Ich kann den anderen Menschen nur insofern verstehen, wie ich mein eigenes Menschsein verstehe, einschließlich der damit verbundenen Begrenztheiten.
Für mich wäre eine grundlegende Reform unseres Gesundheitswesens dringend erforderlich. Ein weiter Weg.
Menschen wie der Neurobiologe Gerald Hüther, gehören dabei aus meiner Sicht zu den Wenigen, die sich für dringend notwendigen Reformen einsetzen.
Zur Klarheit hier noch einige seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte:
Wirkmechanismen von Psychopharmaka
Auswirkungen psychischer Belastungen
Entwicklungspsychopharmakologie
Hier nachzulesen:
Tabellarischer Lebenslauf von Prof. Dr. Gerald Hüther
Die Ergebnisse mögen ihnen nicht gefallen. Dies würde ich als eine subjektive Selektion bezeichnen. Zutiefst menschlich, allerdings riskant in seinen Auswirkungen, wenn jede Bewusstheit darüber fehlt. Dann wird der eigene Standpunkt-aus meiner subjektiven Sicht- schnell zum Dogma das auch für andere Menschen Gültigkeit hat, und keine andere Sichtweise mehr zulässt. Ein Vorgehen das sich vor allem in der Psychiatrie in für mich erschreckend hohem Maße wiederfinden lässt.

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