Forum: Gesundheit
Ärzte: Krankenkassen fordern längere Sprechzeiten, auch am Wochenende
DPA

Ein Termin beim Arzt am Freitagabend? In den meisten Fällen ausgeschlossen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen drängen niedergelassene Ärzte nun, deutlich längere Sprechzeiten anzubieten.

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sarlax 20.12.2018, 15:07
20. völliger Quatsch !

Ich bin seit 30 Jahren Kassenarzt. Die Freitagnachmittagssprechstunde habe ich abgeschafft. Aus gutem Grund: wir sitzen hier und kein Patient kommt. Auch mit Voranmeldung haben wir die Freitagnachmittagsprechstunde nicht füllen können.

Noch etwas: welcher Patient kommt denn zu "Unzeiten"? "Herr Doktor, ich habe Halsweh". Wie lange denn schon? "Seit etwas vier Wochen und jetzt kommt das Wochenende ich jetzt habe ich endlich mal Zeit und wollte das nicht übers Wochenende anstehen lassen!"

So und so ähnlich lauten die typischen Klagen am Freitag Vormittag in der Sprechstunde kurz vor dem Mittag auf dem allerletzten Drücker.

Alternativ. Ich habe Rücken. In den letzten drei Wochen hatte ich keine Zeit zum Arzt zu gehen.....

Soll ich mehr Beispiele dieser Art bringen?

Die Bereitschaftsambulanzen sind am Wochenende überfüllt, weil Patienten mit dem Argument ankommen, beim Hausarzt ist es immer so voll, da muss ich dann solange warten... Und jetzt am Wochenende habe ich ja Zeit (meine Bagatellen zu pflegen).

Wer da als niedergelassener Arzt keinen dicken Hals bekommt...... Hier werden Notdienste völlig unnötig mit Befindlichkeitsstörungen regelrecht zugemüllt und das nimmt den echten Kranken den Platz weg. Hier muss angesetzt werden, um das zu vermeiden.

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mistersteve 20.12.2018, 15:08
21. Spitzenfunktionäre mal wieder

So ein Unfug dieses Herrn Funktionärs! Stellt er diese Forderungen auch bei anderen Berufen? Wasserrohrbrüche oder Stromausfälle richten sich auch nicht nach den Lieblingsarbeitszeiten der Herren Handwerker! Auch da muss man sich an den Notdienst wenden und kann nicht einen Nomalservice erwarten!
Wenn der Herr Funktionär also die Budgetierung und Deckelung abschafft, werden sicher viele Ärzte auch viel längere Öffnungszeiten anbieten, wenn sie dann nicht mehr die jenseits irgendwelche Obergrenzen liegende Mehrarbiet für lau leisten müssen. (Auch DAS würde KEIN Handwerker - bei vergleichsweise ungleich geringerer fachlicher Qualifikation - leisten).
Und wenn ich höre, was meine Frau (Arzthelferin) trotz aller Versuche, immer höflich, geduldig und zuvorkommend zu sein, von manchen Patienten und Patientinnen an rüpelhaften Flegeleien und einer impertinenten Anspruchshaltung sondersgleichen um die Ohren gehauen kriegt, dann frage ich mich doch sehr, ob diese feinen Herr- und Damenschaften mt ihren Handwerkergestalten auch so umspringen?

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backundweg 20.12.2018, 15:10
22. Herr Lauterbach hat gerade korrekt die Forderung ergänzt.

Leider sind Leistungserbringer alles andere als freie Unternehmer. Deswegen werden sie ein bisschen mehr arbeiten müssen als 25 Stunden. Die angeblichen Wochenarbeitszeiten sind ja meist von den Erbringern selbst erhoben,wie alle anderen Daten mit denen mittlerweile erfolglos versucht wird die Bevölkerung und/oder öffentliche Meinung zu lenken.

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Der KuJ-Psychotherapeut 20.12.2018, 15:11
23. Budget ausgereizt und kaum Spielraum für mehr Arbeit

Ich behandele als niedergelassener Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in einer Kleinstadt in der Woche ca. 30 Kinder und Jugendliche in den Zeiten von 12.00 - 19.00 Uhr an jedem Tag; Vormittagstermine sind in der Altersgruppe in der Regel für Therapien mit einem Umfang von 24-60 Sitzungen (1x/Woche) nicht möglich. Hier sind Schulen, Eltern, ÖPNV, usw. maximal unflexibel. Wenn sich hier ein Umdenken ergeben würde, stünden bei mir sofort mind. 15-20 weitere Therapieplätze zur Verfügung. Aber wie soll das gehen in der maximal verdichteten beruflichen Umwelt mit einem löcherigen ÖPNV in einer ländlichen Region mit geringer Anbindung an die Kleinstadt?
Darüber hinaus biete ich noch 2-4 sog. Psychotherapeutische Sprechstundentermine im späten Vormittagsbereich ab 11.00 Uhr oder nach 19.00 Uhr am Abend an. Mit der obligatorischen Dokumentation arbeite ich deutlich über 50 h in der Woche.
Insofern sehe ich hier nicht gerade Spielraum für weitere Sprechstunden- und Therapietermine. Hinzu kommt, dass mich mein sog. Regelleistungsvolumen (Budget) bereits nach 6 Wochen des 12-wöchigen Quartals zu über 100% ausgeschöpft habe, aktuell sind 185% "verbraucht", d.h. für die Mehrarbeit von 85% erhalte ich nur noch einen deutlich reduzierten Punktwert und arbeite quasi "ehrenamtlich". Hier könnte die Endbudgetierung wertvoll sein-warum soll ich jetzt noch mehr arbeiten, wenn noch nicht mal die bisherige Tätigkeit voll bezahlt wird.
Grundsätzlich stört die gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Haltung, dass alle (!) Therapeuten, Ärzte usw. zu wenig arbeiten und zu viel verdienen. Die statistische Erhebung im sog. ZIP-Panel zeigt, dass in allen therapeutischen Berufen > 50/Woche gearbeitet wird. Ich denke, dass langt aus.
Die Politik soll lieber dafür sorgen, dass mehr Praxissitze zugelassen werden und dann auch entsprechend honoriert werden-ohne Budgetierung. Nur das kommt dem Patienten zu Gute!

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backundweg 20.12.2018, 15:14
24. Eine überkommene Diskussion

Zahnärzte haben übrigens laut Statis die geringsten Erträge aller Arztrichtunge . 1990 war das anders. Nun gut. Natürlich steht in diesem Bereich immer die mögliche systematische Falschangabe zumindest im Raum. Aber laut statis verdient jeder Hausarzt mit 180000Eur mehr als ein Zahnarzt.

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t-alex 20.12.2018, 15:17
25. Ihre persönliche Meinung

Zitat von christian18
wie z.B. in GB, hier ist ein "Staatliches Gesundheitssystem" oder auch in den Niederlanden oder anderen europäischen Ländern, hier sind die Wartezeiten auf einen Facharzt-Termin deutlich länger als in unserem Lande. Bitte einmal hierzu diese Zeiten ermitteln und die Unterschiede darstellen, denn durch das "Zweiklassen System" in Deutschland erst können sich die Fachärzte die teuren Investitionen in Technik erst erwirtschaften, so meine persönliche Meinung. Beim Facharzt wird durch die Krankenkassen deutlich weniger bezahlt, (nur pauschale Kosten, u.a. beim Orthopeten), vermutlich weniger als 40 Euro, egal wieviele Kontakte im Quartal, so dass sich diese sehr teuren Geräte nicht rechnen würden. Nur wer will dieses denn vergleichen....? Bei jeder Auto Inspektion / Reparatur werden deutlich höhere Stundensätze abgerufen,....ähnlich auch beim TÜV, Kosten für weniger als 30 Minuten, über 100 Euro.
ist nicht nur eine Meinung, sondern beschreibt die Tatsachen.
Was dazu kommt: niedergelassene Ärzte sind i.d.R. zu Ärztlichen Notdiensten am Wochenende verpflichtet ! Wie das mit geöffneten Praxen zusammengehen soll, ist wohl das Geheimnis der Kassen - bzw. bschreibt die ganze Frechheit dieser hochbezahlten Ignoranten.

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Willi Wacker 20.12.2018, 15:40
26.

Zitat von kahlmann22
"Derzeit hat nur etwa jede fünfte Praxis am Mittwochnachmittag geöffnet, ..." Mein Hausarzt macht am Mittwoch Hausbesuche bei Menschen, die nicht mehr in die Praxis kommen können.
Meine auch.

Aber wenn ich am Freitag nachmittag jemand in der Behörde oder von der Schule erreichen will - niente, nada, nix da

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Willi Wacker 20.12.2018, 15:43
27.

Zitat von CancunMM
Genau das ist die Lösung. Eine App. Sind Sie Inhaber dieser GmbH ?
Lehrer?

Bei meiner KraKa fotografiere ich inzwischen die gekauften Rezepten. Nach ein oder zwei Minuten sind die bei der Kasse und ein oder zwei Tage später ist das Geld da.

Warum übermittelt der Arzt eigentlich die Rezepte nicht elektronisch? In der Apotheke zeigen, bezahlen, an Kasse übermitteln.

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danielc. 20.12.2018, 16:07
28.

Neben den notwendigen Berufen soll zunächst der Einzelhandelm möglichst durchgehend arbeiten. Nun sind es die Ärzte. Das wird so weiter gehen, bis irgendwann niemand mehr irgendwie frei hat. Ich glaube so langsam, meine Urgroßmutter hatte Recht, als sie sagte: Früher war alles besser!

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jk1! 20.12.2018, 16:09
29. So ganz grundsätzlich

fällt doch auf, das hier zwei Parteien ( Krankenkassen und Ärzte ), die eigentlich beide zum Wohle der Patienten da sein sollten, heftig gegeneinander argumentieren und in der Praxis auch noch gegeneinander arbeiten. Die für die sie da sein sollen und von denen sie finanziert werden geraten zwischen die Fronten.

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