Forum: Gesundheit
Ärztepräsident zur Sterbehilfe: "Wo ist der Unterschied zur Euthanasie?"
Monika Skolimowska/ DPA

Das Bundesverfassungsgericht wird das Sterbehilfeverbot in Deutschland voraussichtlich aufweichen. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warnt bereits vor einer "Tötung auf Verlangen".

Seite 4 von 5
vikkru 08.05.2019, 21:25
30. Einzige Freiheit des Menschen

Die Aussage Montgomery’s ist wie fast immer haltlos.
Die Wahl des Todeszeitpunktes ist eine der wenigen Freiheiten die ein Mensch in unserer Gesellschaft hat.
Wir sollten Sterbehilfe grundsätzlich als gesellschaftliche Aufgabe sehen und es nicht Unternehmen oder ähnlichen Gruppen überlassen.

Sowohl meine Mutter als auch ich haben schon vor 20 Jahren definiert dass wir niemanden zur Last fallen wollen und auf gar keinen Fall die Familien-/Zukunftsplanung unserer Kinder zerstören werden.

Beitrag melden
ott.burgkunstadt 08.05.2019, 21:32
31. Menschenwürde

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch der totkranke oder alte und sich von Gott verlassen fühlende Mensch hat seine Würde. Niemand hat das Recht, ihn zum Sterben zu Zwingen, aber viele maßen sich an, sie könnten ihn zum Leben zwingen.
Hoffentlich kommen alle diese "guten" Menschen niemals in eine Situation, in der sie sich nur noch wünschen, es möge schnell vorbei sein. Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Gnade und Verständnis sind hier mehr gefragt als sogenannte "christlichen" Werte oder das Kirchenrecht (das eh für immer weniger Menschen gilt).

Beitrag melden
latrodectus67 08.05.2019, 22:38
32. Freier Wille

Zitat von zynischereuropäer
Gehen wir davon aus, dass der Patient bei klarem Verstand ist, sich seinen Willen frei bildet, dann verstehe ich nicht ganz, wieso die Möglichkeit zum Suizid nicht gegeben wird. Kein Arzt wird dazu gezwungen, genauso wie niemand anderes, der dem Thema kritisch gegenüber steht, gezwungen wird sich im Alter sprichwörtlich die Kugel zu geben. Nur diejenigen die es aus eigenem Antrieb wollen, nur denen wird die Möglichkeit eröffnet. Ob nun allein oder mithilfe eines dazu bereiten Arztes ist da einerlei. Mit solch einer Handlung wird niemandem geschadet, ergo sehe ich auch keinen Grund, warum mir der Staat das verbieten sollte. Der Staat hat mir das Leben nicht gegeben und ihm steht auch keine Entscheidung über dessen Ende zu.
Zum einen schadet ein Mensch der vorzeitig aus dem Leben scheidet all denen die an seiner Existenz verdienen, also Heimen, deren Investoren, Ärzten, usw usw.
Die Feststellung des "freien Verstandes" macht ein anderer nach dessen Gutdünken, denn niemand und mit keiner Ausbildung kann sich 100% in einen anderen Menschen versetzen oder ihn 100% verstehen, das ist schon per se nicht objektiv. Handelt es sich um einen behandelnden Arzt kann es sich um einen Interessenkonflikt, s.o., handeln.
Zum anderen, wenn Sie in Deutschland sagen, sie wollten sterben dann besteht die Möglichkeit dass Sie eingewiesen werden.
Alleine den Wunsch zu äussern nicht Leben zu wollen ist Begründung in z.B. Bayern für geistig krank diagnostiziert zu werden.
Bayern Unterbringungsgesetz Art 1 "Unter den Voraussetzungen des Satzes 1 ist die Unterbringung insbesondere auch dann zulässig, wenn jemand sein Leben oder in erheblichem Maß seine Gesundheit gefährdet."
Und wer nun mit Justiz und Recht argumentiert, sei an den Fall Mollath erinnert, bei noch nichteinmal Suizid Gefahr vorlag.
Aber in dem Fall sorgten Psychatrie und Justiz gemeinsam dafür, dass Herr Mollath in die Geschlossene kam. In der er ohne die SZ Recherchen wohl heute noch säße.

Beitrag melden
Gelber Rabe 09.05.2019, 00:22
33. @Gertrud Stamm-Holz

Ja, es ist absolut erschreckend und auch traurig, was bei Thema psychisch krank so Alles an Kommentaren zu lesen ist.
Man sollte glauben, das man da inzwischen weiter ist.
Aber welche Ignoranz da noch herrscht, obwohl psychische Erkrankungen kein Tabu-Thema mehr sind, ist schlimm.
Dabei ist es eigentlich logisch, das ein so kompliziertes Organ wie das menschliche Gehirn eben auch störanfällig ist.

Beitrag melden
hansi_wurst 09.05.2019, 07:47
34. Wenn jemand sterben will, dann lasst ihn.

Ein Erbe der Religionen - nicht sterben lassen.
Genau wie Abtreibung.
Dieses Gelaber von Ethik - ich kann es nicht mehr hören.
Wenn jemand sterben will, weil er unheilbar krank ist, dann lasst ihn endlich. Was soll das? Welchen ehrlichen Grund gibt es, ihm das zu verweigern? Kann mir das mal jemand erklären? Es gibt nur einen Grund - und der ist weder menschlich noch logisch. Es gibt nur den vorgeschobenen ethischen Grund - ein Atheist kann damit nichts anfangen. Da sieht man mal, wie stark der "Glaub" immer noch unseren Alltag verwirrt.

Beitrag melden
bj68 09.05.2019, 07:48
35. Hm....die Sache

geht noch weiter....was mit einem Arzt der seinen Patienten die letale Dosis an Barbituraten aufschreibt? Darf er das oder besteht die Gefahr dass da ein Staatsanwalt dann einen auf §217 StgB macht?

bj68

Beitrag melden
aliof 09.05.2019, 08:33
36. Volle Zustimmung

Zitat von Flugzeugfreak1
Ich will niemanden Medikamente in tödlicher Dosis verabreichen. Der oberste Grundsatz der Medizin ist es, Schaden am Patienten zu vermeiden. Wer sich umbringen will kann das tun, da gibt es die gesamte Bandbreite der Natur und so, aber es sollte auf keinen Fall Medikamente brauchen, die ein Arzt in tödlicher Dosis verschreiben muss. Das ist meiner Meinung nach nicht mit dem Bild des Arztes vereinbar.
Vielleicht gibt das BVG ja Hinweise, welche gesellschaftlich ggf. einzurichtende Berufsgruppe mit einem Töten von Menschen beauftragt werden könnte. - Wenn es denn Euthanasie auch in Deutschland wieder einführen will.

ÄRZTE sollten es auch meiner Ansicht nach definitiv nicht sein, können gern aber auch als Gutachter beauftragt werden .
.. denn was man hier von Manchen der Laien hier im Forum zu Lesen kriegt , ist halt sehr persönlich, bis hin zu gefährlich irrational eingefärbt.

Beitrag melden
wortgewalt87 09.05.2019, 08:42
37. Ein bisschen Geschichte

für Herrn Montgomery: Euthanasie gab es in Deutschland lange, im besten Sinne des Wortes. Sprachliche Überreste jener Zeit sind noch vorhanden. Die Schlachtfelder wurden nach den Kämpfen von empathischen Menschen aufgeräumt, denn andernfalls blieb jenen Soldaten, die zu verletzt zum Weggehen waren, nur übrig, im Blut und unter Schmerzen auf den Tod zu warten. Es sei denn, jemand versetzte ihnen mit einem Spezialschwert den Gnadenstoß, jedoch nicht ohne vorher das Stoßgebet zu sprechen. Denn ein Gnadenstoß ohne Stoßgebet war schlicht und ergreifend Mord. Hitler hat dann den Begriff für ein staatlich sanktioniertes Mordprogramm missbraucht.
Hoffe, hiermit gedient zu haben und wünsche mir die Zeit zurück, wo man als unrettbar Leidender den Gnadenstoß bekam.

Beitrag melden
gammoncrack 09.05.2019, 09:15
38. Mein heutiges Leiden beginnt aber dann,

wenn ich, durch einen solchen Artikel, an das fürchterliche Sterben meinen Mutter denke. Mehrere Stunden Ersticken aufgrund von Wasser in der Lunge. Die Bitte an die Ärztin, dem doch ein Ende zu bereiten, kam diese natürlich mit Hinweis auf die Gesetzeslage nicht nach. Sie erhöhte lediglich die Morphiumzufuhr ein wenig. Noch heute denke ich, dass ich, in deren Abwesenheit, einfach den Knopf zur Zufuhr hätte weiter aufdrehen sollen. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich es machen.

Letztlich sagte die Ärztin: Gehen Sie nach Hause, sie halten das psychisch nicht durch. Ich hätte es wirklich nicht durchgehalten und ging. Nach 4 weiteren Stunden hatte meine Mutter es dann überstanden. Und ich mache mir immer noch Vorwürfe, dass ich nicht dabei geblieben bin, meine Mutter ganz alleine starb.

Und wenn ich dann einen Vergleich von Sterbehilfe mit Euthanasie lese, bleibt mir die Spucke weg. Dann weiß ich, dass dieser Herr ein solches Erlebnis bei einem geliebten Menschen nie hatte. Sonst würde er sich derartige Äußerungen ersparen.

Beitrag melden
olli0816 09.05.2019, 09:40
39. Es gibt auch heute Ärzte,...

Zitat von aliof
Vielleicht gibt das BVG ja Hinweise, welche gesellschaftlich ggf. einzurichtende Berufsgruppe mit einem Töten von Menschen beauftragt werden könnte. - Wenn es denn Euthanasie auch in Deutschland wieder einführen will. ÄRZTE sollten es auch meiner Ansicht nach definitiv nicht sein, können gern aber auch als Gutachter beauftragt werden . .. denn was man hier von Manchen der Laien hier im Forum zu Lesen kriegt , ist halt sehr persönlich, bis hin zu gefährlich irrational eingefärbt.
... die bereits Sterbehilfe leisten. Im Grunde gäbe es genügend Personen, die bei einem Suizid helfen würden. In den anderen Ländern, wo es erlaubt ist, gibt es ausreichend Menschen, die unterstützen. Es dürfen auch Ärzte sein, wenn sie es als sinnvoll sehen und durchführen möchten. Davon gibt es einige.

Es ist auch nicht so, dass sofort 100.000e Leute einen begleiteten Tod wünschen. Man muss doch sehr verzweifelt sein, wenn man diesen Schritt gehen möchte. Die Palliativmedizin wird ja immer gerne genannt, aber auch sie hat wie die ganz normale Medizin bei der Heilung von Krankheiten ihre Grenzen. Warum nicht einem Menschen, der keinerlei Lebensqualität mehr hat oder unter ständigen starken Schmerzen leidet nicht diesen Seitenausgang gewähren? Nur weil Sie es selber nicht durchführen möchten? Das sei ihnen zugestanden, niemand kann sie dazu zwingen. Aber sie urteilen nur nach ihren eigenen Befindlichkeiten, die mit der Situation des Betroffenen so gar nichts zu tun hat. Das sollten Sie überdenken.

Es wird hier auch geschrieben, dass z.B. psychisch Kranke auf keinen Fall diesen Dienst (wir sind durch das 3. Reich stark vorbelastet) zur Verfügung stellen können. Bis auf die ganz akuten Fälle haben diese Leute aber auch einen Willen, sind eigenständig denkende Menschen. Wenn diese sich äußern, das sie so nicht weiterleben möchten, ist das genauso ernst zu nehmen wie bei jemanden, der im Endstadium Krebs oder einer anderen furchtbaren Krankheit leidet. Was ist z.B. mit den Leuten, die vom Kopf abwärts gelähmt sind und nur noch sterben möchten, obwohl sie nicht todkrank sind? Ich kann das verstehen, wenn jemand sagt, jetzt ist lieber Schluß. Und wenn das von Personen durchgeführt wird, die das Sterben human gestalten, dann sehe ich keine böse Sache darin. Sehr viel kritischer sind die Äußerungen des Ärztepräsidenten, weil sie ignorant und der Sache so überhaupt nicht angemessen sind.

Beitrag melden
Seite 4 von 5
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!