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Angriff aufs Immun-Gedächtnis: So machen Masern anfälliger für Krankheiten
Levent Konuk/ iStockphoto/ Getty Images

Nach einer Maserninfektion ist die Körperabwehr lange geschwächt. Forscher haben jetzt gezeigt, dass die Viren das Gedächtnis des Immunsystems teilweise auslöschen. Die Erholung dauert Jahre.

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HansEngler 01.11.2019, 17:16
1. Masern sind gefaehrlicher als man denkt.

Dies ist ein neues Blatt. Die Studien zeigen, dass Masern nicht nach 2 Wochen vorbei sind, sondern mittelfristig weitere schwere Schaeden anrichten koennen, naemlich wenn ein Kind nach Verlauf der Masernerkrankung anderen Krankheitserregern ausgesetzt ist, gegen die es nicht mehr immun ist.

Es st schon laenger bekannt dass 1. nach Masernepidemien auch andere Infektionen in der betroffenen Gruppe zunehmen, 2. Massenimpfungen gegen Masern auch andere Infektionen in den geimpften Gruppen reduzieren. Hier sind jetzt biologische Mechanismen dafuer identifiziert worden. (Naeheres auf der Seite des britischen Magazins The Scientist, von der diese Informationen stammen.)

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Seilrutscher 01.11.2019, 17:17
2. Ich empfehle einen Besuch in Afrika...

...wo ich lange Zeit als Kraftwerksbauer unterwegs war, Länder wie Tschad, Niger oder Mauretanien. Dort hat die "Pharma-Mafia" keine Chance und die nicht geimpften liegen morgens tot am Strassenrand. Aber, hey, wer will das schon wissen?

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appenzella 01.11.2019, 17:40
3. @Seilrutscher

Wenn Sie die Arbeiten von Peter Aaby über Masern in Afrika gelesen hätten, würden Sie anders reden und schreiben.
der appenzella

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permissiveactionlink 01.11.2019, 18:10
4. Glück im Unglück

Die B- und T-Lymphozyten tragen hochspezifische Erkennengsmoleküle, Antikörper und Membranproteine mit hochvariablen Bereichen. Letztere enstehen durch Kombination einiger Genabschnitte in der DNA der Lymphozyten aus zahlreichen (hunderten) vorhandenen verschiedenen Genfragmenten. Das nennt man V(D)J-Rekombination. Diese findet aber n i c h t bei der Differenzierung der Lymphozyten statt, sondern bereits v o r der Geburt : theoretisch sind dabei ca. 4 Billionen verschiedene Bindungsbereiche realisierbar, die aber n i c h t alle entstehen müssen. Jeder Mensch hat deshalb bei der Geburt einen festgelegten Pool an verschiedenen Vorläuferzellen der Lymphozyten mit sehr vielen verschiedenen Genfragmentkombinationen, aber möglicherweise nicht allen, um auf alle Antigene optimal reagieren zu können. Wenn das Masernvirus Gedächtniszellen terminiert, dann bedeutet das nicht, dass eine Reaktion auf bestimmte Antigene für alle Zeit unmöglich wird, denn die entsprechenden Vorläuferzellen sind ja noch vorhanden. Wenn diese aber wieder Lymphozyten bilden, sind noch keine B- oder T-Gedächtniszellen darunter. Das bedeutet : Tritt dann ein Erreger erneut auf, liegt wieder kein Gedächtnis vor, und die Krankheit wird deutlich verzögert vom Immunsystem bekämpft, dauert also länger. Verzögert deshalb, weil das Masernvirus sicher nicht alle Gedächtniszellen mit verschiedenen Erkennugsbereichen zerstört. Einige bleiben erhalten und greifen den Erreger (mit geringerer Effizienz) an. Man kann von Glück sagen, dass das Masernvirus n i c h t die Vorläuferzellen befällt und zerstört, denn die können n i c h t ersetzt werden. Die somatische Hypermutation, die die V(D)J- Rekombination ermöglicht, ist die bisher einzige nicht sexuell begründete Mutation, die n i c h t während der Kernreduktionsteilungen (Meiose) stattfindet ("Crossing over"). Auch in den differenzierten Lymphozyten gibt es noch geringfügige Mutationen, um auf die genetischen Veränderungen der Erreger reagieren zu können. Die Vielfalt dieser späten Anpassungsmutationen ist aber mit der der V(D)J-Rekombinationen v o r der Geburt nicht vergleichbar. Unsere Abwehrfähigkeiten sind also entweder vor unserer Geburt vorhanden, oder nie, es sei denn durch Knochenmarktransplantation von geeigneten Spendern.

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permissiveactionlink 01.11.2019, 19:01
5. #3, appenzella

So ganz verstehe ich Ihren Beitrag nicht. Sie bemängeln den Beitrag #2, in dem der Forist Seilrutscher von seinen Erfahrungen in Afrika berichtet. Bei ihm steht die Pharma-Mafia bewusst in Anführingsstrichen, und er betont dezidiert, dass Ungeimpfte (!) Maserninfizierte morgens tot im Graben liegen. Und dann kommen Sie mit Peter Aaby ? Wovon reden Sie da eigentlich ? Die unspezifischen negativen Effekte von Impfungen beobachtete Aaby ausschließlich an Todimpfstoffen, genauer Toxoid-Impfstoffen ( Diphtherie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Keuchhusten (Pertussis)--- DTP). Die Masernimpfungen senkten die Todesraten bei den geimpften Kindern sogar in einem Maße, das durch die üblichen spezifischen Effekte einer Impfung alleine n i c h t erklärbar sind. Peter Aaby hat n i r g e n d w o jemals behauptet, dass die Masernimpfungen von Kindern in Guinea-Bissau das Sterberisiko erhöht hätten. Das war bei Lebendimpfungen definitiv niemals der Fall !

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appenzella 01.11.2019, 19:37
6. @permissiveactionlink

Das war genau der Punkt, auf den ich hinaus wollte. Peter Aabys Beschreibung des Rückgangs der Todesfälle durch Masern bei Kleinkindern ist unbestritten. Trotzdem ist seine Erklärung mit den Lebendimpfungen falsch.
Viren sind per definitionem keine Lebewesen, deshalb kann die Masernimpfung mit veränderten Viren keine Lebendimpfung sein.
Das nur nebenbei.
Meiner Meinung ist die Unterernährung der einheimischen Kleinkinder die Hauptursache für die Immunschwäche. Wenn dann eine Infektion hinzukommt, endet die Sache meist tragisch. Sie wissen sicher, daß in den armen afrikanischen Ländern Kleinkinder erst mit dem Erreichen eines Alters von 5 Jahren registriert werden - vorher lohnt es sich nicht, da 80% vorher sterben, meist an der Kombination Unterernährung plus einer hinzukommenden Infektion.
Daß dann die Masernimpfung die Todesrate so stark reduziert, nehme ich erstaunt zur Kenntnis, vielleicht ist die Erklärung im obigen Artikel enthalten. Aber: Überzeugt bin ich nicht von der segensreichen Wirkung der Masernimpfung in Europa, hier sind die Verhältnisse völlig anders (Ernährung usw.), und wie erklären Sie die immer häufiger auftretenden Masernepidemien in vollständig durchgeimpften Bevölkerungsgruppen?
Die vorherrschenden Ansichten von RKI und Pharmaindustrie können so nicht stimmen, das sind Glaubenssätze, die mit Wissenschaft nichts zu tun haben.
der appenzella

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hansa_vor 01.11.2019, 20:11
7. @appenzella

Könnten sie noch kurz die Länder, welche durchgeimpfte Bevölkerung und ebenso häufiger auftretende Masernepedemien haben, nennen?

Danke

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heinrich.busch 01.11.2019, 20:40
8. Soll man das 1 zu 1 glauben

Mal unterstellt , dass stimmt für nicht geimpfte. Dann würde ich gerne die vergleichende Untersuchung bei nichtgeimpften aber gestillten Kindern sehen bei denen die Mütter selbst als Kinder Masern hatten.
Ich bin mur sicher, dass die Damen und Herren Wissenschaftler keinen signifikanten Unterschied zwischen geimoften und ungeimpften Kindern bezogen auf die Immunupression finden werden.Das wird aber bestimmt nicht von der Pharmalobby gesponsert.

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permissiveactionlink 01.11.2019, 21:11
9. #6, appenzella

Ob man Viren nun als echte Lebewesen akzeptiert oder nicht, ist in diesem Zusammenhang wurscht. Lebendimpfung bedeutet bei Impfstoffen, dass entweder intakte Bakterien oder Viren im Impfstoff vorhanden sind, die zur Infektion fähig sind, und nicht nur zur Anregung des Immunsystems wie bei Totimpfstoffen.. Diese Erreger sind aber abgeschwächte Impfstänme, deren Auswirkungen beherrschbar sind, und die oft (z.B. Masern), aber nicht immer an Ungeimpfte nicht weitergegeben werden können. Es wird nirgendwo bestritten, dass Kinder mit schlechtem Ernährungszustand anfälligere, weniger effiziente Immunsysteme aufweisen. Gerade deshalb sind Masernimpfungen aber in der dritten Welt besonders erfolgreich. In Deutschland kann von einer vollständigen Durchimpfung keine Rede sein : die Impfraten liegen unter dem Prozentsatz, der für die Verhinderung einer Epidemie notwendig ist : 94%. Dieser Wert ist mathematisch leicht nachvollziehbar, weil jeder Maserninfizierte im Durchschnitt weitere 15-18 Gesunde infiziert (Basisreproduktionszahl Ro). Gerade weil die Impfrate in Deutschland unter 94% liegt, einem Mindestwert, der Herdenimmunität ermöglicht, können die Masern nicht nur ausbrechen (das ist nicht zu verhindern, weil es bei 1-2% der zweimal Geimpften noch "Impfversager" gibt), sie können sich dann auch schnell in der Bevölkerung verbreiten. Kaum ein Virus ist infektiöser als Masernviren. Eine nicht vorhandene Herdenimmunität gefährdet nicht nur Ungeimpfte, sondern besonders Patienten, die man aus medizinischen Gründen nicht oder noch nicht impfen kann (Säuglinge, immunsupprimierte Patienten). Es geht bei den Impfungen nicht darum, Maserninfektionen 100%ig zu verhindern, sondern die Entstehung einer Epidemie unmöglich zu machen. Das geht bei den Masern nur mit Impfquoten über 94%. Die Impfung verhindert auch das Auftreten von Folgeinfektionen nach Überstehung der Masern. In erster Linie schützt sie aber auch Menschen, die besonders gefährdet sind, und nicht geimpft werden können. Nur die Herdenimmunität über 94% verhindert einen Flächenbrand, der auch Hochrisikopatienten mit defekten oder schwachen Immunsystemen erheblich gefährdet. Die Masern wird man nicht dadurch los, indem 100% der Bevölkerung erfolgreoch immunisiert werden (das geht auch gar nicht, s.o.), sondern indem die Infektionsketten unterbrochen werden. Nur so sind die Masern ausrottbar. Der Artikel zeigt, warum das so wichtig ist. Weltweit !

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