Forum: Gesundheit
Angst vor Impfungen: Warum wir Erzählungen mehr glauben als Zahlen
DPA

Die diffuse Angst vor Impfungen lässt Verschwörungstheorien und Mythen entstehen. Anstatt nur mit Zahlen und Fakten zu argumentieren sollte Aufklärung über Impfungen sollten auch den Faktor Psyche berücksichtigen.

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ruhepuls 20.03.2015, 16:05
10. Glaubwürdigkeitsproblem

Zitat von bluestar2000
Genau diese Argumentationsweise spricht der Artikel ja an: Fakten zurechtsuchen, die ausschließlich die eigene vorgefertigte und unverrückbare Meinung zementieren. Was haben bitteschön allgemeine Verfehlungen und Unrecht der Pharmaindustrie mit der ganz konkreten Wirksamkeit von Impfungen zu tun? Dass die Pharmaindustrie sehr viel Krankheitserfindung betreibt, um ihre Medikamente abzusetzen, das wissen wir ja zur genüge. Aber wenn es schon zu DDR-Zeiten ein umfassendes (und teures) Impfwesen gab, wo ganz sicher keine finanziellen Intererssen dahinter gestanden haben können, dann müsste doch jedem klar sein, dass hier nur falsche Gurus und Untergangsverschwörer am Werke sind, die Impfungen schlecht zu reden!
Leider stimmt das, was Sie schreiben nicht so ganz. Es gibt den alten Spruch: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht (mehr). Da sowohl Wissenschaftler (getürkte Studien) als auch Unternehmen in der Vergangenheit mehrfach der Lüge oder dem Verschweigen von Fakten überführt wurden, wissen die "Leute" einfach nicht mehr, was sie noch glauben können und was aus politischen oder wirtschaftlichen Motiven heraus anders dargestellt wird, als es ist.

Naiver weise - weil da kein Geld fließt - glaubt man daher den "Kritikern" eher. Hinzu kommt, dass Seuchen nicht mehr zur allgemeinen Lebenserfahrung gehören - aber evtl. Impfnebenwirkungen einen direkt treffen würden.

Hier würde nur schonungslose Offenheit helfen, zu der auch die ehrliche Darstellung aller Impfreaktionen von den ganz harmlosen bis zu den wirklich schädlichen und deren Häufigkeit gehören müsste. Nur leider müsste dazu unser Meldewesen erstmal funktionieren. Was heute beim RKI ankommt ist nur ein Bruchteil der tatsächlichen Vorkommnisse. Seien es nun Bequemlichkeit oder (irrationale) Angst der Ärzte vor Verfolgung oder grundsätzliche Gründe (Seuchenangst). Jedenfalls wird nicht konsequent gemeldet.

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horstwilhelm 20.03.2015, 16:06
11. Einige Aspekte

Zitat von dr.u.
"dass Nebenwirkungen verheimlicht werden. Berichte über verunreinigte Impfstoffe oder fragwürdiges Vorgehen von Pharmafirmen in Entwicklungsländern sind häufig die Basis für Verschwörungstheorien."
Das sind nur einige Aspekte des Problems.
Meistens sind die empfohlenen Impfungen wirklich sinnvoll,
aber wer vertraut schon den Institutionen, die noch vor
10 oder 20 Jahren als Autoritäten mit entsprechendem
Wahrheits-Bonus angesehen wurden.
Die WHO hat bei der letzten Ebola-Epidemie komplett
versagt. Zuständige Ämter und Behörden hier in Deutschland
sind meist personell so ausgedünnt, dass sie ihren Aufgaben,
einschließlich der Informationspflicht, nicht mehr vollständig
nachkommen können und daher häufig "Industriestudien"
ungeprüft weitergeben.
Die meisten Menschen die ich kenne fühlen sich genauso wie
ich massiv verunsichert. Da wirken die Aussagen anderer
"Betroffener", auch wenn manchmal dahinter eine Verschwörungstheorie steckt, vertrauenswürdiger als "offizielle"
Aussagen, auch wenn diese bei Impfungen in Regel zutreffen.
Z.B. bin ich nicht mehr von der jährlichen Grippe betroffen, seit
ich keine Grippeschutzimpfung mehr machen lasse. Das ist
aber eine sehr subjektive Feststellung und muss nicht bei
Anderen zutreffen.
Also bleibt nur "hoffen und beten" oder sich soweit überhaupt
möglich, über den eigenen Tellerrand hinaus zu informieren,
auch wenn das einen hohen Aufwand bedeutet.

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dr.u. 20.03.2015, 16:09
12. Einzelfälle

Zitat von Mario V.
Beim Impfen ist es ähnlich. Mancher impft vielleicht lieber nicht, weil einige der Krankheiten, gegen die man sich impfen lassen soll, in der Regel harmlos verlaufen, wenn man ein intaktes Immunsystem hat, wenn man sie denn bekommt. Impfungen hingegen können schwerwiegende Nebenwirkungen haben.
Es sind genau diese Einzelfälle, die eine persönliche Abwägung unumgänglich machen.
Vor allem dann, wenn das Risiko für einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf in der gleichen Größenordnung liegt, wie das Risiko für einen Impfschaden.

Hinzu kommt auch, dass der Zeitpunkt für die Impfung stimmen muss ( nicht zu jung, nicht zu alt, nicht zu krank).

Und leider ist es mit dem intakten Immunsystem in unserer Industrie-Futter geschädigten Gesellschaft auch nicht allzuweit her.

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Ragnar the Bold 20.03.2015, 16:13
13.

Zitat von dr.u.
"dass Nebenwirkungen verheimlicht werden. Berichte über verunreinigte Impfstoffe oder fragwürdiges Vorgehen von Pharmafirmen in Entwicklungsländern sind häufig die Basis für Verschwörungstheorien." Leider sind diese Aspekte oft genug Basis für strafrechliche Ermittlungen oder ......
Und schon machen Sie genau das was in diesem Artikel kritisiert sind. Sie werfen einfach irgendwelche Schlagworte ins Internet ohne sie zu belegen oder rechtfertigen. Und dann so eine polemische Hasstriade am Schluss gegen die Pharmaindustrie, ist dann das Sahnehäubchen, der Internetignoranz.

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ruhepuls 20.03.2015, 16:19
14.

Zitat von dr.u.
Genau das ist das Problem. Auf beiden Seiten! Für eine kritische Betrachtung des Themas Impfen empfehle ich als Literatur mal: "Impfen - Das Geschäft mit der Angst" Macht zumindest nachdenklich, sich nicht bedenkenlos jede Spritze setzen zu lassen...
Die Diskussion krankt generell daran, dass sie von zu viel "Gefühlen" befeuert wird. Das gilt nicht nur für die Impfgegner. Auch die Impfbefürworter malen gerne den Teufel an die Wand und begehen sich in wilden Hochrechnungen, der zu erwartenden Todesfälle und Krüppel, die auf unseren Straßen herumlaufen würden.

Beide Seiten malen schwarz-weiß, weil beide Seiten "absolut sicher" sein wollen. Nur, diese Sicherheit gibt es nicht. Weder schützt eine Impfung sicher (!) vor der Erkrankung - und Impfschäden kommen (wenn auch selten) eben auch vor. Andererseits kann man sich nicht darauf verlassen, das Immunsystem werde schon mit den harmlosen Kinderkrankheiten fertig und man müsse nur die Impfschäden vermeiden.

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petrapanther 20.03.2015, 16:32
15.

Zitat von ruhepuls
Leider stimmt das, was Sie schreiben nicht so ganz. Es gibt den alten Spruch: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht (mehr). Da sowohl Wissenschaftler (getürkte Studien) als auch Unternehmen in der Vergangenheit mehrfach der Lüge oder dem Verschweigen von Fakten überführt wurden, wissen die "Leute" einfach nicht mehr, was sie noch glauben können und was aus politischen oder wirtschaftlichen Motiven heraus anders dargestellt wird, als es ist. Naiver weise - weil da kein Geld fließt - glaubt man daher den "Kritikern" eher. Hinzu kommt, dass Seuchen nicht mehr zur allgemeinen Lebenserfahrung gehören - aber evtl. Impfnebenwirkungen einen direkt treffen würden. Hier würde nur schonungslose Offenheit helfen, zu der auch die ehrliche Darstellung aller Impfreaktionen von den ganz harmlosen bis zu den wirklich schädlichen und deren Häufigkeit gehören müsste. Nur leider müsste dazu unser Meldewesen erstmal funktionieren. Was heute beim RKI ankommt ist nur ein Bruchteil der tatsächlichen Vorkommnisse. Seien es nun Bequemlichkeit oder (irrationale) Angst der Ärzte vor Verfolgung oder grundsätzliche Gründe (Seuchenangst). Jedenfalls wird nicht konsequent gemeldet.
"[...]Da sowohl Wissenschaftler (getürkte Studien) als auch Unternehmen in der Vergangenheit mehrfach der Lüge oder dem Verschweigen von Fakten überführt wurden, wissen die "Leute" einfach nicht mehr, was sie noch glauben können[...]"

Es gibt wohl kaum ein Lebensmittel, das noch nicht irgendwann mal gepantscht/vergiftet wurde. Ich gehe davon aus, dass Sie konsequenterweise auch nichts mehr essen?

"[...]Naiver weise - weil da kein Geld fließt - glaubt man daher den "Kritikern" eher.[...]"

Was meinen Sie mit "weil da kein Geld fließt"? Die Esoterik-Branche verdient sich dumm und dämlich mit wirkungslosen Pseudo-Arzneien, Hokus-Pokus-Behandlungen wie Handauflegen und vermeintlich aufklärerischen Büchern, Seminaren etc.

"[...]Was heute beim RKI ankommt ist nur ein Bruchteil der tatsächlichen Vorkommnisse."

Woher wissen Sie das?

"[...]Jedenfalls wird nicht konsequent gemeldet."

Woher wissen Sie das?

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maf123sp 20.03.2015, 16:38
16. Super Beweis!!!

Zitat von dr.u.
"dass Nebenwirkungen verheimlicht werden. Berichte über verunreinigte Impfstoffe oder fragwürdiges Vorgehen von Pharmafirmen in Entwicklungsländern sind häufig die Basis für Verschwörungstheorien." Leider sind diese Aspekte oft genug Basis für strafrechliche Ermittlungen oder Schadenersatzforderungen gegen die Pharmaindustrie oder verspätete Rücknahme der Medikamenten-Zulassung: * KPV Impfung in Indien * Lipobay-Skandal * Vioxx-Skandal * Acomplia-Skandal * Flecainid-Skandal * Thalidomid * ... Es geht in der Pharma-Branche nunmal nicht um bestmögliche Heilung, sondern um größtmögliche Gewinnerzielung.
Ihr Beitrag passt super zu dem Artikel.

Es gibt in Deutschland allein > 60000 Medikamente. Ich gebe zu, dass es auch Skadale gab - aber eben doch nicht viele, sondern vereinzelt mit manchmal auch tragischen Folgen für einzelne.

Beu Hausbau und Brückenbau passieren Unfälle; die WM in Katar wird etliche Baufolgen mit Todesfolge veranlasst haben.

Oder ganz kurz: Wo gehobelt wird fallen Späne...

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prince62 20.03.2015, 16:40
17.

Zitat von dr.u.
..... Es geht in der Pharma-Branche nunmal nicht um bestmögliche Heilung, sondern um größtmögliche Gewinnerzielung.
Sehen Sie, nur durch größtmögliche Heilung kann der bestmögliche Gewinn erzielt werden,

es ist eine win-win-Situation der Pharmaindustrie, von daher gesehen ist auch der normale Bürger und Patient der Gewinner.

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gandhiforever 20.03.2015, 16:45
18. Wir?

Ich weiss nicht, wie die Autorin auf 'wir' kommt.

Die Psyche wird schon bei Kindern beruecksichtigt, die angst vor der Spritze haben.

Und bei den Leuten, die Fakten und Daten nicht nur in Zweifel ziehen, sondern fuer Faelschungen halten, hilft auch ein Eingehen auf die Psyche wenig bis ueberhaupt nichts.

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petrapanther 20.03.2015, 16:47
19.

Zitat von dr.u.
Es sind genau diese Einzelfälle, die eine persönliche Abwägung unumgänglich machen. Vor allem dann, wenn das Risiko für einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf in der gleichen Größenordnung liegt, wie das Risiko für einen Impfschaden. Hinzu kommt auch, dass der Zeitpunkt für die Impfung stimmen muss ( nicht zu jung, nicht zu alt, nicht zu krank). Und leider ist es mit dem intakten Immunsystem in unserer Industrie-Futter geschädigten Gesellschaft auch nicht allzuweit her.
"Vor allem dann, wenn das Risiko für einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf in der gleichen Größenordnung liegt, wie das Risiko für einen Impfschaden."

Das ist eine Lüge. Allein bei den Masern ist das Risiko schwerer Nebenwirkungen um drei Grössenordnungen höher als das Risiko bei der Impfung. Das weiss auch jeder, der es wissen will.

"Und leider ist es mit dem intakten Immunsystem in unserer Industrie-Futter geschädigten Gesellschaft auch nicht allzuweit her."

Klar, im vorindustriellen Zeitalter war die Ernährung viel besser als heute, deswegen wurden die Leute damals auch praktisch nie krank. Und die Lebenserwartung war auch viel höher!

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