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Antibiotika-Resistenz: Auf der Spur des Superkeims
Centers for Disease Control and Prevention/ DPA

Gegen das Darmbakterium Klebsiella pneumoniae sind Ärzte meist machtlos. Die Zahl der Todesfälle hat sich in Europa innerhalb weniger Jahre versechsfacht. Nun haben Forscher den Ursprung des Übels ausgemacht.

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permissiveactionlink 31.07.2019, 12:18
10. #6, Equalizer

Jaja, die Phagentherapie ! Die ist gut und schön, wenn man sie da anwendet, wo das Immunsystem schlecht hinkommt. Das sind vor allem alle Körperoberflächen, wozu auch der gesamte Verdauungstrakt gehört (Der Darminhalt ist Außenwelt, auch wenn er in uns drin ist !), und alle Schleimhäute natürlich, sowie schlecht durchblutete Bereiche des Körpers, in die Antibiotika nur unzureichend vordringen, und wo auch Antikörper nicht schnell genug bereit gestellt werden können. Phagentherapie ist unglaublich personalintensiv und deshalb teuer. Des weiteren müssen zigtausende Phagenstämme ständig bereitgehalten werden, um bei Infektionen einen oder besser mehrere Phagen daraus zu finden, die zur Phagentherapie gerade geeignet sind. Die im Beitrag genannte Patientin starb aber an einer bakteriellen Sepsis, das Körperinnere war bereits mit Bakterien überschwemmt. Und gerade im Inneren des Körpers wirkt das Immunsystem, das auch die Kapsidproteine der Bakteriophagen als Antigene erkennt und folglich zu bekämpfen versucht. Der Einsatz von Phagen im Körper eines Patienten stellt zwar kein Infektionsrisiko dar, wohl aber kann durch die Phagen eine heftige Immunreaktion eingeleitet werden, die bis zum anaphylaktischen Schock und Tod des Patienten führen kann. Das gilt für alle körperfremden Proteine, auch körperfremde Antikörper, z.B. Schlangengiftserum. Also Vorsicht vor verallgemeinernden Vorschlägen zur Phagentherapie und vor unbegründeter Euphorie !

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r.mehring 01.08.2019, 09:52
11. Die Immunabwehr des Menschen

hat sich hunderttausende von Jahren immer im Kontakt zu gefährlichen Keimen entwickelt. Wenn dem Steinzeitmenschen sein Fleisch auf die Erde viel hat er es trotzdem gegessen. Nach dem Klo und vor dem Essen ... diese Sätze hatten keine Gültigkeit. Vielleicht nehmen es die Menschen heute mit der Hygiene zu genau und schwächen ihr Immunsystem weil sie ihm nicht genug Anreize bieten sich zu schulen. Besonders für Kinder ist der Aufbau einen gut funktionierenden Immunsystems extrem wichtig und gerade hier wird durch falsch verstandene Hygienebegriffe eine art Käseglocke über die Kinder gelegt. Später rächt sich das dann.

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Bernd.Brincken 02.08.2019, 22:14
12. Immunsystem II

Zitat von permissiveactionlink
Bei der spanischen Grippe .. starben hauptsächlich sehr junge und gerade erwachsen gewordene Patienten. .. Bei einer generalisierten Sepsis oder einer Überschwemmung mit Ebolaviren nützt das beste Immunsystem nichts, denn es wird überfordert. .. Bei einer Schussverletzung und Infektion mit Gasbrand, z.B. mit Clostridium histolyticum, sollte man sich besser nicht auf ein intaktes Immunsystem des Schussopfers verlassen
Grundsätzlich richtig, aber die multiresistenten Keime sind meines Wissens nicht Varianten von Ebola oder ähnlich exotischen Erregern (zumal Viren), und sie gelangen auch nicht durch Schüsse oder Darmdurchbrüche an Orte, wo sie nicht hingehören - sondern es sind verbreitete Erreger, die durch Wunden eindringen, nur dass sie durch (langjährige) Antibiotika-Züchtung gegen diese resistent sind.

Eine mögliche Reaktion auf diesen Zusammenhang wäre, AB nur noch zu geben, wenn eine deutliche Gefahr besteht (wie in den o.g. Fällen), und ansonsten dem Immunsystem die Chance zu geben, Erreger möglichst lange "kennenzulernen".

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regelaltersrentner 03.08.2019, 18:29
13.

Zitat von Harry Callahan
Es ist schön zu sagen, dass Ärzte zu leitfertig mit Antibiotika umgehen. Wahrscheinlich ist das auch so. Das Problem ist nur die Juristerei. Bekommt ein Patient kein Antibiotikum und verstirb dann an einem Infekt, dann finden die Angehörigen garantiert einen Anwalt und einen Gutachter, die argumentieren, dass der Patient noch leben könnte, wenn er ein Antibiotikum bekommen hätte. Ein vernünftiger Umgang mit Antibiotika wird dadurch verhindert, dass wir nur noch Defensivmedizin betreiben. Ähm..... außerdem werden doch 2/3 der Antibiotika in D in der Tierhaltung eingesetzt. Vielleicht könnte man da ja mal kritisch hinterfragen, ob da jede Gabe notwendig ist.
Sie dürfen den Antibiotikaeinsatz hinterfragen, verordnen tut dies auch ein Arzt, ein Tierarzt, dem man sonst auch den Fiffi anvertraut.

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Thomas Schröter 05.08.2019, 13:28
14. Desinformation und Big Business Antibiotika

Biofilme verhindern auch bei nichtresistenten Erregerstämmen oft die effektive Wirksamkeit von pharmakalogischen Antibiotika. Vor Antibiotikaeinsatz ist es daher sinnvoll gegen das Quorum Sensing der Bakterien vorzugehen und so den Zusammenhalt der Bakterienfilme zu stören. Dazu gibt es kaum pharmkoligisch wirksame Medikamente. Traditionelle hat sich die hochdosierte Einnahme von Lauchgewächsen wie z.B. Knoblauch als hochwirksames Mittel erwiesen. Auch Cranberries scheinen diesbezüglich nützlich zu sein und Cranberrie-Extrakte dazu auch Pharmazien zugesetzt zu werden.

Zudem ist die Strategie Erreger nur mit singulären statt mit Kombiwirkstoffen anzugreifen sehr fragrwürdig, weil dagegen leicht Resistenzen gebildet werden können.
Bei vielen Menschen in Deutschland ist das Immunsaystem regelmäßig geschwächt u.a. wg Sonnenmangel und weiterer schlechter Versorgung mit für das Immunsystem essentieller Substanzen. Darüberhinaus kommen weitere verhaltensbedingte Noxen wie Bewegungsmangel, Rauchen und Kohlehydrat- + Zuckervergiftung zum tragen.

Miit aus diesen Erkenntnissen abgeleiteten Strategien seit Jahrzehnten ohne Antibiotika, Arzt nur zwecks zwecks Blutanalyse und argumentativer Unterstützung.

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fropen 05.08.2019, 13:40
15. @Bernd.Brincken 30.07.2019

Das kommt auf den Erreger an.
Bei vielen Erregern sind die nicht resistenten Menschen einfach gestorben, die Überlebenden hatten kein besseres Immunsystem sondern nur zufällig eine Resistenz.
Durch multiresistente Keime nähern wir uns eher wieder dem Zustand vor der Entdeckung der Antibiotika an, so dass jede Wunde potentiell lebensbedrohlich ist.

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torrez 05.08.2019, 13:57
16. Chronische Mangelbesetzung in Krankenhäusern

Der Personalmangel in den Krankenhäusern aufgrund der Profitgier der Konzerne und auch der Länder (auch z.B. in der Charité in Berlin) führt direkt dazu daß Hygienemassnahmen in der Praxis faktisch nicht eingehalten werden. Habe das in den letzten zwei Jahrzehnten in der Intensivpflege miterleben dürfen. Mit drei bis vier Intensivpatienten pro Pflegekraft lässt sich kein Hygienestandard wirksam einhalten. Patientengefährdung geschieht aus diesem Grund jeden Tag und ich möchte behaupten in jeder deutschen Klinik.

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adidaslover45 05.08.2019, 14:31
17.

Es spielen bzw. wirken hier viele Punkte eine Rolle bei der Entwicklung von multiresistenten Keimen wie dem hier erwähnten. Dazu zählt auch der viele Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier. Insbesondere letztere wird uns Menschen irgendwann einem Keim bescheren, der schon beim Verzehr von Fleisch im Magen in den Blutkreislauf wandert und eine Sepsis hervorrufen wird, die mit keinem Antibiotika mehr bekämpft werden kann. Der hier erwähnte Keim ist zwar resistent, hat aber einen langen Übertragungsweg hinter sich.

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Bernd.Brincken 05.08.2019, 15:46
18.

Zitat von fropen
Bei vielen Erregern sind die nicht resistenten Menschen einfach gestorben, die Überlebenden hatten kein besseres Immunsystem sondern nur zufällig eine Resistenz.
Der Begriff Resistenz wird hier erst einmal im Verhältnis von Erregern zu Antibiotika verwendet.
Wenn Menschen Erreger erfolgreich bekämpften, dann war offensichtlich ihr Immunsystem am Werke.
Denn genau so ist es definiert.

Der Begriff Resistenz wird für den Bezug zwischen höheren Lebewesen und Erregern nur selten verwendet, denn er führt zu Missverständnissen.
Aber das war vielleicht auch ihr Ziel.

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Miere 06.08.2019, 03:35
19. Das müsste schon in den Schulunterricht.

Umgang mit Antibiotika. Warum man sie nicht eigenmächtig absetzen darf, und schon gar nicht dann die übrigen Pillen einlagern und bei irgendeinem Wehwehchen von dem man absolut keine Ahnung hat woher es kommt eigenmächtig mal eine oder zwei einnehmen.
Es ist aber auch immer wieder faszinierend wie beschämt ein Arzt gucken kann, wenn man sich als Patienten-Angehörige die Hände desinfiziert - als einzige auf der ganzen Station, jemals.

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