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Arzneimittelbewertung: Neue Medikamente sind nur selten besser
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Das Arzneimittelgesetz fordert für neue Medikamente den Nachweis eines Zusatznutzens gegenüber bereits zugelassenen Präparaten. Eine erste Bilanz zeigt jetzt: Nur eins von fünf neuen Produkten ist deutlich besser.

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Kapuz 10.05.2013, 11:35
1. Ich möchte das nicht bestimmen.

Was ist es Wert, wenn ein patient 3 Monaten, anstatt 2 1/2 lebt (im statistischen mittel)? Was ist es Wert, wenn das Sodbrennen weg ist oder da? Was ist es Wert, ein Tablette pro Tag anstatt 3/Tag? Ich möchte diese Fragen nicht beantworten müssen.
Dazu kommt die gaußsche Glockenkurve, so das der eine Wirkstoff schlicht gar nicht wirkt, und der Andere "wirkgleiche" mit einer OH-Gruppe mehr doch. Wie soll man sowas bewerten?!?! Bin gespannt wie sich das entwickelt.

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effemm 10.05.2013, 11:41
2.

Mein aktuelles Smartphone hat nur einen geringen Zusatznutzen gegenüber meinem vorherigen. Mein aktueller Wäschetrockner hat nur einen geringen Zusatznutzen gegenüber seinem Vorgänger. Besser sind aber beide Geräte. So wie offenbar 24 von 37 getesteten Arzneimitteln besser waren, also zumindest einen geringen Zusatznutzen brachten. Die Überschrift "Neue Medikamente sind nur selten besser" ist also sachlich falsch.

Es bleibt natürlich die Frage, ob der Aufpreis für die neuen Medikamente in einer Relation zum Zusatznutzen steht. Aber das ist ja weder Bestandteil der IQWiG-Prüfung, noch dieses Artikels.

Wie wäre die Überschrift "Fast zwei Drittel aller neuen Medikamente bringen Zusatznutzen für Patienten!!!"? Ebenfalls reißerisch, zusätzlich aber sachlich korrekt...

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marimba 10.05.2013, 11:42
3. Wo ist das Problem?

Wenn es denn wirklich kaum wahrnehmbare Unterschiede gibt, kann der Verbraucher ja offensichtlich zum alten Medikament greifen. Selbiges wird nach einiger Zeit evt. auch als Generikum angeboten.
Ich begreife nicht, warum sich eine wild gewordene Meute aus Politikern und Ängstlichen eine Branche piesaken, wenn dazu kein Anlass besteht.
Persönlich hätte ich nur dann ein Problem, wenn das alte Produkt bewusst nicht optimal worden wäre, um zu einem späteren Zeitpunkt einen entscheidenden Fortschritt verkünden zu können.

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mikra54 10.05.2013, 11:43
4. So wichtig es auch ist, ...

... nicht immer nur neue Medikamente zu bekommen, die auch nicht mehr können als die alten, so prohibitiv sind dennoch unsere Zulassungsbestimmungen, die über jahre verhindern, dass ein neues medikament auf den markt kommen kann.
Kein Wunder, dass immer mehr Pharmaunternehmen nicht mehr forschen sondern nur noch Generika herstellen.

Wie wäre es damit: Wir sorgen dafür, dass Medikamente bei uns nicht ein Vielfaches von dem kosten, was in allen anderen Ländern dafür bezahlt wird (haben sie schon mal Aspirin oder Voltaren im Ausland gekauft - sie werden sich wundern), dafür aber Forschung und Marktzulassung neuer Entwicklungen erleichtert wird.
Es geht bei der Verzögerung durch die Aufsichtsbehörden ja leider nicht wirklich um Medikamentensicherheit, sondern um Bürokratie...

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WolfHai 10.05.2013, 11:45
5. Wer trägt die Kosten der Forschung?

Zitat von sysop
Eine erste Bilanz zeigt jetzt: Nur eins von fünf neuen Produkten ist deutlich besser.
Ob die neuen Produkte wirklich besser oder nicht bessser sind, weiß ich wirklich nicht. Das Problem, dass ich sehe, ist: wenn die forschenden Pharmafirmen keine Möglichkeit mehr haben, ihre Forschungskosten durch den Verkauf der neuentwickelten Medikamente zu hohen Preisen wieder zurückzuverdienen, dann werden sie in Zukunft ihre Forschungen vermindern oder einstellen und die Chancen, dass zukünftige Patienten bessere Medikamente bekommen, vermindern. Wollen wir das?

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kook1979 10.05.2013, 11:48
6.

Wenn 67 % der neuen Medikamente den Patienten tatsächlich mehr helfen, ist die Quote doch gar nicht schlecht. Wen interessiert es, ob der Zusatznutzen "beträchtlich" oder nur "geringfügig" ist?

Dieses Bewertungsverfahren sollte man übrigens mal auf die homöopathische Präparate anwenden, bevor diese für den Verkauf freigegeben werden. Auf die Ergebnisse wäre ich sehr gespannt.

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tailspin 10.05.2013, 11:53
7. Bumerang

Zitat von sysop
Das Arzneimittelgesetz fordert für neue Medikamente den Nachweis eines Zusatznutzens gegenüber bereits zugelassenen Präparaten. Eine erste Bilanz zeigt jetzt: Nur eins von fünf neuen Produkten ist deutlich besser.
Zusatznutzen, nur medizinisch oder auch finanziell?

Das ist im Grunde genommen eine erstklassige Idee, weil sie den Focus dafuer schaerft, Forschungsgelder nur fuer Sinnvolles auszugeben. Allerdings weiss man in der Forschung am Anfang noch nicht genau, was am Ende herauskommt. Soll man Forschung deswegen bleiben lassen?

Ferner koennten die in der Entwicklung und Produktion billigen Generika mit gleichem medzinischen aber verbessertem oekonomischen Nutzen fuer die Verbraucher abgewuergt werden.

Und die Generika sind ein wesentliches Element der Kostendaempfung im Gesundheitswesen. Also ist das Gesetz zum Schutz der etablierten Pharmafirmen da? Das waere ja wohl ein als Erfolg verkauftes Eigentor.

So, und jetzt wenden wir das Prinzip der inkrementalen Effizienz auf die Politik an: Kein Gesetz darf mehr in den Vekehr gebracht werden ohne nachgewiesenen Zusatznutzen, und ein Verfallsdatum auf Gesetze, die den Zusatznutzen nicht gebracht haben.

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MiniDragon 10.05.2013, 12:02
8. Wer ist wir ?

Zitat von WolfHai
Ob die neuen Produkte wirklich besser oder nicht bessser sind, weiß ich wirklich nicht. Das Problem, dass ich sehe, ist: wenn die forschenden Pharmafirmen keine Möglichkeit mehr haben, ihre Forschungskosten durch den Verkauf der neuentwickelten Medikamente zu hohen Preisen wieder zurückzuverdienen, dann werden sie in Zukunft ihre Forschungen vermindern oder einstellen und die Chancen, dass zukünftige Patienten bessere Medikamente bekommen, vermindern. Wollen wir das?

Es gibt in Deutschland eine Partei, deren Anhänger generell gegen technisch- wissenschaftlichen Fortschritt sind und dagegen mit Panikmache agieren in den Massenmedien agieren.

Derzeit bekommt sie bei Wahlen rund 15 % Zustimmung . Tendenz steigend!

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interessierter Laie 10.05.2013, 12:44
9. parallel werden im Gesundheitswesen

teilweise alternative Heilmethoden und Homöopathie bezahlt, die gar keinen Nutzen nachweisen müssen...

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