Forum: Gesundheit
Bakterienfresser: Genveränderte Viren retten todkrankes Mädchen
Kateryna Kon/ Science Photo Library/ Getty Images

Ihre Überlebenschance lag bei einem Prozent: Viren retteten einem Mädchen aus Großbritannien überraschend das Leben. Es ist der erste Fall, bei dem erfolgreich genveränderte Bakterienfresser eingesetzt wurden.

Seite 1 von 6
thomas234 13.05.2019, 14:12
1. Wäre das auch bei uns möglich gewesen?

Wäre das auch bei uns möglich gewesen oder hätten z.B. dem Einsatz eines nicht erprobten Verfahrens rechtliche Hindernisse entgegengestanden?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
r_saeckler 13.05.2019, 14:23
2. Das wäre auch in Deutschland möglich gewesen...

Zitat von thomas234
Wäre das auch bei uns möglich gewesen oder hätten z.B. dem Einsatz eines nicht erprobten Verfahrens rechtliche Hindernisse entgegengestanden?
... nur hätte man das Kind "irgendwie" so lange am Leben halten müssen bis schließlich und endlich alle Ethikräte, Gerichtsinstanzen und wer noch so alles hierzulande berufen ist, sein weises Haupt über alles und jedes bedenklich zu wiegen sich vielleicht doch zu einem Nicken entschlossen gehabt haben würde.
Jeder Arzt kennt den Spruch: "Wer heilt hat Recht." - in juristischen und ethischen Kreisen ist der leider eher unbekannt...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
elis 13.05.2019, 14:25
3. an #1

Die rechtlichen Hürden in Deutschland sind für so etwas sehr, sehr hoch. Denn bei nicht erprobten Verfahren - hier ist zudem unklar, ob die Phagen bereits eine klinische Stude durchlaufen - steht auch immer die Frage nach der Schadensversicherum im Raum, wenn was schiefgeht.
Ich arbeite in dem Bereich und finde das Vorgehen im genannten Fall sehr gut. Mann muss sich aber bei solchen Diskussionen in der Öffentlichkeit immer auf die Angriffe diverser Lager einstellen. Die einen sagen, die Pharmaindustrie soll die Medikamente rausrücken, die evtl noch nicht zugelassen sind, wenn es aber schiefgeht, dann ist auch die Pharmaindustrie schuld. Und dann das ganze bitte noch ohne Tierveresuche .
Naja, hoffentlich kann das Madchen aus dem Artike noch viele Jahre halbwegs gut leben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Freeman1 13.05.2019, 14:29
4.

Ja man kann durchaus auch in Deutschland Therapien erhalten die sich noch im experimentellen Stadium befinden. Und die Kassen zahlen das auch auf Antrag.
Selbst erlebt bei meinen Kindern die als Mittel gegen Hämangiome Propanolol bekommen haben obwohl es zu dieser Therapie noch keine Zulassung gab. Fühlt sich als Elternteil nicht besonders gut an hat aber gut funktioniert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
deka88 13.05.2019, 14:33
5.

Wer hat sich denn den Name "Bakterienfresser" ausgedacht? "Bakterienzerstörer" oder "-infizierer" hätte ich ja noch ok gefunden, aber Viren können nur mal nix fressen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frodosix 13.05.2019, 14:34
6.

Mich würde auch interessieren ob die Viren noch im Körper nachgewiesen werden können, ob/wie man Mutationen der Viren verhindern kann, welche ggf. unerwartete Konsequenzen haben könnten und ob/wie man ausschließen kann, dass die Viren auch nützliche Bakterien (zum Beispiel im Darm) angreifen können.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
demokrit2012 13.05.2019, 14:37
7. Phagen gibt es seit 100 Jahren

Die Phagentherapie gibt es seit 100 Jahren und wird seitdem erfolgreich gegen diverse bakterielle Erkrankungen und Infektionen eingesetzt. Wer sich dafür interessiert schaut mal nach dem George Eliava Institute in Tiflis (Georgien) - leider völlig unterfinanziert und kaum noch überlebensfähig. Der einzige Unterschied ist hier nach meinem Verständnis, dass in GB genveränderte Phagen verwendet wurden, während in Tiflis Stämme gezüchtet und gesammelt werden, die gegen unterschiedliche Bakterien helfen.

Die Phagentherapie hat nur zwei Nachteile: 1.) Es dauert ein paar Tage bis die entsprechenden Phagen gezüchtet sind, da es sehr individuell auf das Bakterium abgestimmt werden muss 2.) Organismen wie Viren können nicht patentiert werden, so dass diese für die Pharmaindustrie gänzlich uninteressant sind.
Insbesondere letzteres führt wohl dazu, dass sonst in Westeuropa niemand (i.e. die Pharmakonzerne) Interesse an den Therapien und nötigen Aufwänden für eine medizinische Zulassung in Europa hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ambivalentol 13.05.2019, 14:41
8.

Es wäre vielleicht interessant für die Leser dieses Artikels zu erwähnen, dass die Therapieform mit Bakteriophagen an sich gar nicht mal so revolutionär neu ist und schon seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erforscht und später auch schon angewandt wurde.
(Natürlich ist mit bewusst, dass es hier um genveränderte Phagen geht, aber als Fakt am Rande doch recht erwähnenswert)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sPeterle 13.05.2019, 14:43
9. Einsatz

Zitat von elis
Die rechtlichen Hürden in Deutschland sind für so etwas sehr, sehr hoch. Denn bei nicht erprobten Verfahren - hier ist zudem unklar, ob die Phagen bereits eine klinische Stude durchlaufen - steht auch immer die Frage nach der Schadensversicherum im Raum, wenn was schiefgeht. Ich arbeite in dem Bereich und finde das Vorgehen im genannten Fall sehr gut. Mann muss sich aber bei solchen Diskussionen in der Öffentlichkeit immer auf die Angriffe diverser Lager einstellen. Die einen sagen, die Pharmaindustrie soll die Medikamente rausrücken, die evtl noch nicht zugelassen sind, wenn es aber schiefgeht, dann ist auch die Pharmaindustrie schuld. Und dann das ganze bitte noch ohne Tierveresuche . Naja, hoffentlich kann das Madchen aus dem Artike noch viele Jahre halbwegs gut leben.
Ich würde vermuten dass das auch nur deshalb möglich war weil die Überlebenschancen gegen null gingen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 6